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»Dense Bean Salad«: Seit wann sind banale Bohnen plötzlich das Nonplusultra?

Bohnen
Salat
Trend

Wurden Bohnen jahrelang unterschätzt? Ausgerechnet die unscheinbaren Hülsenfrüchte entwickeln sich gerade zu Stars. Verantwortlich dafür sind unter anderem Violet Witchel und ihre außergewöhnlich simplen »Dense Bean Salads«.

Bohnen haben ein Image-Upgrade bekommen. Ausgerechnet jenes Dosenprodukt, das jahrzehntelang zwischen Vorratsschrank und Eintopf sein Dasein fristete, wird plötzlich zur trendigen Lifestyle-Zutat. Bohnen! Dass die Hülsenfrüchte nun eine Hauptrolle in der Küche spielen dürfen, haben sie der Amerikanerin Violet Witchel und ihren sogenannten »Dense Bean Salads« zu verdanken.

Während der Pandemie veröffentlichte Witchel als Studentin Kochvideos auf TikTok. Schon damals sammelte sie Hunderttausende Follower, lange bevor Bohnen zu ihrem Markenzeichen wurden. Als Betroffene von Zöliakie gehörten Hülsenfrüchte ohnehin regelmäßig zu ihrem Speiseplan. Irgendwann begann sie, ihre eigenen Bohnenkreationen online zu zeigen. Der entscheidende Schritt kam jedoch erst, als sie dem Ganzen einen Namen gab: »Dense Bean Salad«.

Dass Witchel heute so erfolgreich ist, liegt somit nicht an einer revolutionären Diät, einem neuen Superfood oder einem trendigen Nahrungsergänzungsmittel – sondern schlichtweg an einem Bohnensalat, aus dem sie ein ganzes Format kreierte. Die Rezepte folgen einem Muster, aber sind trotzdem vielfältig. Mal treffen weiße Bohnen auf Chimichurri und Steak, mal Edamame auf Miso und Rotkraut, mal sonnengetrocknete Tomaten auf Kichererbsen und Hühnchen. Die eigentliche Idee dahinter ist weniger ein Rezept als eine Blaupause, die jeder seinem eigenen Geschmack anpassen kann: Hülsenfrüchte, Gemüse, Kräuter, Protein und ein aromatisches Dressing. So lautet die Formel.

 

Perfektes Timing

Dass ihre Bohnen-Salate plötzlich die breite Masse ansprechen, hat weniger mit Zufall zu tun und mehr mit dem aktuellen Zeitgeist. Ihre Kreationen treffen den Nerv von gleich mehreren Ernährungsströmungen, die derzeit die sozialen Netzwerke dominieren. Da wäre der anhaltende Hype um »Gut Health«, also die Darmgesundheit. Zudem erleben Ballaststoffe gerade eine Art Image-Revolution. Das Ganze nennt sich »Fibre Maxxing«, dessen Ziel es ist, möglichst viele ballaststoffreiche Lebensmittel auf den Teller zu bekommen. Bohnen passen perfekt in dieses Narrativ. Sie liefern Ballaststoffe, pflanzliches Eiweiß und sorgen für langanhaltende Sättigung.

Gleichzeitig gelten sie als vergleichsweise sehr günstiges Lebensmittel – ein Argument, das in Zeiten steigender Lebensmittelpreise zusätzlich an Bedeutung gewinnt. Hinzu kommt ein weiterer Trend: »Meal Prep«. Also die Vorbereitung von Mahlzeiten, die dann im Laufe der Woche verzehrt werden können. Die »Dense Bean Salads« lassen sich vorbereiten, transportieren und mehrere Tage im Kühlschrank aufbewahren. Für Berufstätige, Ernährungs-Enthusiasten und Menschen mit wenig Zeit wird der Salat damit zur praktischen Komplettlösung.

 

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Big im Bean Business

Dass daraus ein echtes Geschäft werden kann, zeigte sich zuletzt bei mehreren Pop-up-Veranstaltungen in den USA. In New York verkaufte Witchel laut der New York Times innerhalb weniger Stunden mehr als 400 Portionen ihrer Salate. Bei ähnlichen Aktionen in anderen Städten gingen sogar mehrere Hundert weitere Behälter über die Theke. Die Preise lagen dabei zwischen 15 und 22 Dollar pro Portion.

Wenn da nicht ein Haken wäre: Zu den häufigsten Nachrichten aus ihrer Community gehören Berichte über aufgeblähte Bäuche und darüber, dass die Bohnen auch im Nachgang etwas zu melden hätten. Witchels Antwort darauf fällt jedoch erstaunlich pragmatisch aus: Wer bislang kaum Ballaststoffe gegessen hat, sollte den Körper langsam daran gewöhnen. Tatsächlich weisen Ernährungsexperten seit Jahren darauf hin, dass eine plötzliche Umstellung auf sehr ballaststoffreiche Kost den Verdauungstrakt zunächst überfordern kann. Durchhaltevermögen sei gefragt.

Und das haben ihre Follower:innen. Auf der Plattform »Substack« folgen ihrem Newsletter nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 235.000 Menschen, über 10.000 davon zahlen sogar ein monatliches Abonnement von sechs Dollar. Aus Rezeptvideos ist somit ein florierendes Geschäft entstanden. Letztendlich, weil sie einer ziemlich öden Zutat eine neue Identität gegeben hat. Oder anders gesagt: Sie hat paradoxerweise Bohnen sexy gemacht.

 


Célin Röser
Célin Röser
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