»Der Gallier« hört auf – ein »Alesia« für die Kreativbrau-Szene!
Nach einem Jahrzehnt stellt eine der originellsten Mikrobrauereien Österreichs die Produktion ein: Jan van Laere verabschiedet sich von den belgischen Bier-Spezialitäten, die er unter dem Label »Der Gallier« in Pottendorf-Landegg braute.
Noch im Herbst 2025 zeigten zwei Bier-Kreationen wofür die Brauerei »Der Gallier« aus Landegg steht: Spontanvergoren und mit einer zweiten Gärung mit Früchten füllte ein Quitten- und Marillen-Sour. Das Arbeiten mit Fruchtbieren nach dem Vorbild des flämischen »Kriek« machte eine der Besonderheiten der Mikrobrauerei aus. Denn auch wenn er im Hauptberuf Flugzeugtechniker ist, gehört Bier zum Leben des aus der Region Oostende stammenden Belgiers. Gerne erzählte er die Geschichte, wie er seine spätere Frau Silvia beim Bier-Trinken in Prag (dort war er als Austauschstudent) kennengelernt hat.
Kreativ bis zum Staatsmeister
Es war ein Omen, denn nach gemeinsamen Jahren in Belgien zog die Familie nicht nur in die Südbahnregion. Van Laere begann 2015 auch zu brauen, ab 2017 dann auch in größeren Mengen kommerziell. Mit außergewöhnlichen Bieren und witzigen Etiketten eroberte der Belgier schnell die Bier-Szene. Ein Beispiel dafür war etwa das »Hildegonde«(ein Himbeerweizen). Stolz ist van Laere selbst in seinen Abschiedsworten vom Brauen auf den Staatsmeistertitel der »Bier IG«. 2019 überzeugte er die Juroren mit seinem »Dr. Benji Dubbel« aus dem Holzfass. Immer wieder reifte er seine Biere auch im Fass, etwas das »Le Prestige«, das in ein Rum-Gebinde von Brenner Josef Farthofer lag.
Stets sollte »Der Gallier« klein bleiben, dafür aber mit hoher Kreativität den Biermarkt bereichern. So waren auch die Gastro-Partner meiste kleinere, leidenschaftliche Unternehmen. Etwa der Käseladen »Der Schweizer« in der Wiener Wollzeile oder die »Freunderlwirtschaft« in Wien-Alsergrund. Noch in seinem Abschied vom Brauwesen weist der Niederösterreicher darauf hin, dass man seine letzten Biere dort noch genießen kann. Sie werden Sammlerstücke werden, zumal van Laere auch immer die Reifung seiner Bierspezialitäten empfahl. Auch damit brachte er ein Stück belgischer Genusskultur in den Markt.
Der letzte »Belgier« ist weg
Das Aus von Jan van Laere nach einem Jahrzehnt ist demnach ein weiterer Schlag für die Freunde belgischer Bierstile made in Austria. Denn bereits Ende 2024 verkündete auch Raf Toté (»Der Belgier«) seinen Ausstieg aus dem Braugeschäft. Er hatte von Wien-Liesing aus auch etliche Gastronomen mit traditionell flämischen Stilen (z. B.) versorgt. Nun blieb auch in Landegg der Braukessel kalt. Fans wie das Wiener Pub » Mickey Finn's« und Braukollegen wie Erwin »Bierix«Zupancic bedauerten das via Social Media – stilecht verabschiedete sich die »Gallier«-Freundesschar auch mit einem flämischen Danke: »Hartstikke bedankt«.