Florian Czink im Falstaff-Talk: »Die Weinwelt hat sich verändert«
Der neue CEO der Schlumberger Wein- und Sektkellerei Florian Czink über aktuelle Herausforderungen, neue Trends und den Schaumwein der Zukunft.
Nach achteinhalb Jahren im Unternehmen verlässt Dr. Eugen Lamprecht die Schlumberger Wein- und Sektkellerei mit Ende September. Sein Nachfolger Mag. Florian Czink, der bereits seit über zwanzig Jahren in leitenden Funktionen bei Schlumberger tätig ist, übernimmt mit 1. Oktober die Geschäftsführung. Bisher war er als Chief Marketing Officer und Co-Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Top Spirit für die Markenführung der Traditionsmarken Schlumberger, Hochriegl, Goldeck und Mozart, das nationale Distributionsgeschäft und den Ausbau des Bereichs »New Business Development« verantwortlich – als neuer CEO übernimmt der 45-Jährige die Gesamtverantwortung für das Österreich-Geschäft.
Falstaff: Sie sind seit mehr als zwanzig Jahren im Unternehmen tätig. Wie hat sich die Weinwelt in dieser Zeit verändert?
Florian Czink: In den vergangenen zwanzig Jahren haben sich die Weinwelt und der gesamte Getränkemarkt stark verändert: Konsumenten sind heute deutlich informierter und qualitätsbewusster, was zu einer klaren Premiumisierung geführt hat. Nachhaltigkeit ist vom Nischenthema zur Grundvoraussetzung geworden, vom umweltschonenden Weinbau bis hin zu ressourcensparender Produktion und nachhaltiger Verpackung. Auch einstige Modetrends haben sich etabliert: Rosé war vor zehn Jahren kaum ein Thema und ist heute von keiner Gastronomiekarte mehr wegzudenken. Für Schlumberger bedeutet das, unsere lange Tradition mit Innovationskraft zu verbinden, um in einer dynamischeren, vielfältigeren und anspruchsvolleren Weinwelt weiterhin führend zu bleiben. Ein großer Trend ist zudem No- und Low-ABV, nicht nur im Wein, sondern auch bei Spirituosen.
Nachhaltigkeit ist vom Nischenthema zur Grundvoraussetzung geworden.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der österreichischen Weinwirtschaft in den nächsten Jahren?
Eine große Herausforderung für die österreichische Weinwirtschaft in den nächsten Jahren ist unter anderem der Klimawandel. Steigende Temperaturen und zunehmende Wetterextreme beeinflussen Reifezeitpunkte, Sortenwahl und Anbaumethoden und erfordern rasche Anpassungen im Weinbau. Gleichzeitig wird es entscheidend sein, dass Winzer, Handel und Industrie noch enger zusammenarbeiten, sowohl beim Wissenstransfer als auch bei Investitionen in Forschung, nachhaltige Technologien und klimaresistente Rebsorten. Nur durch gemeinsames Handeln können wir die hohe Qualität und Vielfalt des österreichischen Weins langfristig sichern und ihn auch unter veränderten Bedingungen erfolgreich im Markt positionieren.
In einem Zitat sagen Sie, Sie möchten Schlumberger zukunftsfit aufstellen – wie sehen die ersten Schritte aus?
Wir haben in den vergangenen Monaten sukzessive Vertrieb und Marketing neu aufgestellt, um den Markt noch gezielter und effizienter zu bearbeiten. Eine klare Marktbearbeitungsstrategie bildet dabei das Fundament, mit dem wir unsere Position in den Premium- und Qualitätssegmenten weiter ausbauen. Darauf aufbauend setzen wir auf Digitalisierung und den Einsatz moderner Technologien – inklusive KI –, um Marktpotenziale präzise zu identifizieren, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und schneller auf Trends reagieren zu können.
Wir setzen auf Digitalisierung und den Einsatz moderner Technologien – inklusive KI.
Welchen Schaumwein trinken wir in Zukunft?
Hoffentlich Schlumberger! Mit unserer einzigartigen Kellermeisterin Aurore Jeudy und einem großartigen Team bin ich da sehr zuversichtlich. Dem österreichischen Sekt prognostiziere ich ohnehin eine goldene Zukunft, vorausgesetzt, auch nur ein Bruchteil der Weinliebhaber in Österreich legt beim Schaumwein ebenso viel Wert auf Regionalität, Nachhaltigkeit und österreichische Wertschöpfung wie beim Wein.
Welchen Wein sollte man einmal im Leben getrunken haben?
Es gibt hier zahlreiche Ikonen aus dem Bordeaux, Burgund oder der Neuen Welt, die wir teilweise über unsere Weinvertriebsfirma P.M. Mounier in Österreich anbieten. Ich persönlich trinke gerne Shiraz aus Australien, der gerne mal etwas üppiger sein darf mit 14 Prozent Alkohol oder mehr.