Kalk, Kühle und Kante: Die Sieger des Traisental DAC Cup 2026
Seit dem Jahrgang 2006 tragen die besten Weißweine aus dem kleinen niederösterreichischen Traisental die DAC-Herkunftsbezeichnung – und sie stehen exemplarisch für das, was man hier mit drei Worten auf den Punkt bringt: Kalk, Kühle und Kante. Geschätzt werden die Grünen Veltliner und Rieslinge für ihre straffe, mineralische Art, Finesse und Rückgrat.
Das Traisental bringt unverwechselbare Weine hervor, der Grund dafür liegt in den besonderen klimatischen wie geologischen Bedingungen. Wenn man den Traisentaler Veltliner beschreiben will, tut man das am besten in drei Schlagworten: Kalk, Kühle und Kante. Während die Wachau auf Urgestein und das Weinviertel oft auf Löss setzt, dominiert hier das Kalk-Konglomerat.
Das Ergebnis dieses Kalk-Kicks ist ein Wein, der nicht »fett« ist, sondern eine fast salzige, steinige Mineralität am Gaumen hinterlässt. Dazu kommt die Frischegarantie: Die kühle Luft aus den Voralpen zieht nachts direkt durch das Tal, und das konserviert die Säure.
Der Grüne Veltliner Traisental DAC ist deshalb oft straffer und präziser als seine Nachbarn – er hat mehr »Zug« und eine glasklare Struktur. Wenn die Wachau das opulente Barock-Schloss ist, dann ist das Traisental das moderne, minimalistische Designhaus aus Sichtbeton – klar, fokussiert und extrem charakterstark.
Für den Riesling gilt das ebenso: drahtige Weine ohne ein Gramm Fett zu viel am Körper, vibrierende Säure, die für Biss sorgt, weniger vordergründige Frucht, dafür fokussierte Mineralität. Wichtigster Genuss-Tipp: Geben Sie den Lagenweinen von kalkreichen Böden Zeit, nach zwei bis drei Jahren rentiert sich diese Geduld. Bis dahin vergnügt man sich mit den Gebietsweinen oder jenen aus den Großlagen wie Venusberg und Parapluiberg, die bereits in der Jugend großes Trinkvergnügen bereiten. Gerade die lebendigen Weine des Jahrgangs 2025 weisen einen moderaten Alkohol bei tollem Trinkfluss auf.
Dominanter Veltliner
Kommen wir also zur aktuellen Verkostung. Eingereicht werden konnten für die Probe Weine aus 2024 und 2025, wobei naturgemäß der Großteil aus dem jüngsten Jahrgang stammt. Alle Weine mit Herkunft Traisental DAC waren zugelassen – diese gibt es im Traisental seit dem Jahrgang 2006 exklusiv für die Leitsorten Grüner Veltliner und Riesling.
Aufgebaut ist die Qualitätspyramide der DAC-Weine in Gebietsweine, Ortsweine und Riedenweine. Anträge für letztere dürfen ab dem 1. März des auf die Ernte folgenden Jahres eingebracht werden, diese Weine haben einen Mindestalkoholgehalt von 12,5 Prozent aufzuweisen. Für die kräftigere Traisental DAC Reserve muss man bis zum 1. Juli warten, daher ist sie in der Verkostung nur mit dem Jahrgang 2024 vertreten.
Dass auch heuer wieder vier Fünftel der Einreichungen Grüne Veltliner waren, wird niemanden verwundern, keine andere Weinregion weist einen derart hohen Anteil der Rebsorte auf – im Traisental sind 62 Prozent der Weinberge mit Grünem Veltliner bepflanzt, der Riesling nimmt aktuell 6,4 Prozent der Rieden in Beschlag.
Sieger aus dem Rosengarten
Einmal mehr hervorzuheben ist die Ried Rosengarten. Mit ihren tiefgründigen Lössböden ist die Lage prädestiniert für die Sorte Grüner Veltliner. Diese nimmt auch den Großteil der Fläche ein. Der Rosengarten gehört mit einer Fläche von 38 Hektar zu den größten Rieden des Traisentales. Den klingenden Namen erhielt die Ried aufgrund ihrer schönen Lage und des früheren Vorkommens vieler wilder Rosen.
Die Nähe zum Donaustrom und ein stärkerer Einfluss des warmen pannonischen Klimas sorgen für eine perfekte Traubenreife, in heißen Jahren allerdings auch für eine dezentere Säureausprägung der Weine aus dieser Lage. Im Jahrgang 2025 waren die Bedingungen hier perfekt, und so gibt es zahlreiche Top-Weine aus dem Traisentaler Grand Cru. Die Weine sind sehr harmonisch und elegant, verfügen über einen pikanten Säurekern und eine überzeugende Länge.
Sie sind in der Jugend deutlich zugänglicher als die Sortenvertreter aus den kalkreicheren Böden im Inzersdorf-Getzersdorfer Raum. Diese Veltliner sind komplexer, weniger vordergründig fruchtig, sehr mineralisch und vielschichtig, brauchen aber eine längere Reifezeit, um all ihre Stärken ausspielen zu können. Gleich acht der mit 92 oder mehr Punkten bewerteten Grünen Veltliner stammen aus der Ried Rosengarten – darunter auch zwei Sortensieger des Jahrgangs 2025.
Damit sind wir auch bei den Ergebnisdetails angekommen: Als Cup-Sieger der Kategorie Grüner Veltliner 2025 wurde Ried Rosengarten mit Zusatzbezeichnung »60« vom Winzerhof Hans Schöller aus Wagram bei Traismauer mit 95 Punkten gekürt. Johann Schöller überzeugte diesmal mit seinen vorgestellten Weinen auf ganzer Linie, und auch aus kulinarischer Sicht ist der Betrieb durchaus zu empfehlen: Im Vorjahr wurde das Winzerhaus als »Top-Heuriger« des Weinbaugebiets Traisental ausgezeichnet.
Den zweiten Rang holte sich das Weingut Weinkultur Preiß aus Theyern, mit dem Grünen Veltliner Traisental DAC Ried Rosengarten 2025 und stolzen 94 Falstaff-Punkten. Der dritte Rang ging im Stechen mit Schöllers Ried Rosengarten an Markus Huber aus Reichersdorf, mit seinem Grünen Veltliner Traisental DAC Reichersdorf Alte Reben 2025.
Rar, aber voller Mineralität
Die Gruppe der Rieslinge aus dem Jahrgang 2025 war mit 15 Mustern klein, aber fein. Der Sieger wurde im Stechen zwischen zwei Top-Rieslingen ermittelt, die beide mit 94 Punkten bewertet wurden. Platz eins, und damit der Riesling-Cup-Sieg 2026, geht an Markus Huber für seinen Traisental DAC Reichersdorf Alte Reben 2025, der gegenüber dem Riesling Traisental DAC Ried Rosenberg Schmuckstück 2025 von Kathrin Brachmann aus Traismauer den Vorzug bekam. Beide Weine wurden mit 94 Falstaff-Punkten bewertet. Den dritten Platz holt sich Rudi Hofmann aus Traismauer mit dem Riesling Traisental DAC Ried Kogelberg 2025.
Zur Verkostung kam auch eine kleinere Gruppe von Weinen aus dem recht ertragsschwachen Jahrgang 2024, darunter Weine der Kategorie Traisental DAC Reserve. Die 2024er zeigen sich jetzt bereits harmonisch und ausgewogen, der Stil ist elegant, aber die Säurestruktur weniger deutlich ausgeprägt als beim aktuellen Jahrgang 2025.
Der neue Jahrgang entspricht sowohl beim Riesling wie beim Grünen Veltliner dem Trend zu einem leichtfüßigeren, feinfruchtigen und lebendigen Stil, dazu gesellt sich im Traisental ein überdurchschnittliches Qualitätsniveau gepaart mit einem wirklich ansprechenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Es lohnt sich also, diesmal die Verkostungsergebnisse sehr genau zu studieren – und gleich anschließend Pläne für einen Winzerbesuch zu schmieden.
Das Traisental ist legendär für seine Heurigenbetriebe, was einen Besuch vor Ort noch zusätzlich attraktiv macht. Die Homepage traisental.mostviertel.at ist eine hilfreiche Plattform, der Heurigenkalender ist auf veranstaltungen.traisental.at zu finden.
Top 3 Grüner Veltliner 2025
JAHRGANGSPROFIL 2025
Markus Huber, Obmann der Traisentaler Winzer fasst den Jahrgang 2025 zusammen: »Ein Sommer mit gut verteilter Niederschlagsmenge und ohne übermäßige Hitze sowie ein kühler Herbst führten zu einer langsamen physiologischen Reifeentwicklung. Dadurch zeichnen sich die Weine durch eine wunderbare Säurestruktur, gepaart mit Dichte, viel Frucht und enormer Trinkfreude aus. Ein großartiger, klassischer österreichischer Jahrgang, der aus meiner Sicht über ein hervorragendes Reifepotenzial verfügt.«