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© Elias Jordi

Miguel Torres über den Weinbau der Zukunft

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Miguel A. Torres hat Spaniens Weinbau in den letzten 50 Jahre geprägt wie kaum ein zweiter: Er setzte auf Export, schuf innovative Weine und erweiterte den Weinbergsbesitz der Familie auf über 1000 Hektar. Mit 85 Jahren lässt ihm vor allem eines keine Ruhe: der Kampf gegen den Klimawandel.

Falstaff: Herr Torres, in Deutschland erlebten wir 2021 die schreckliche Flut im Ahrtal, in Spanien 2024 Überschwemmun­gen in Valencia. Aber nun gibt es immer mehr Menschen, die sagen, Naturkatastrophen habe es schon immer gegeben, der ­Klimawandel sei Fiktion.

Miguel Torres: Aber die Serie, die Häufung solcher Ereignisse, das ist doch kein Zufall. Das ist die Konsequenz des Klimawandels. Wir Menschen machen alle möglichen Desaster, schauen Sie sich an, was im Amazonas passiert, die Abholzung des Regenwalds. Wir nützen auf der Erde jeden Tag 100 Millionen Barrel Erdöl. Das macht Treibhausgase, und die sind da oben in der Stratosphäre und verursachen den Klimawandel. Glücklicherweise haben wir bislang in Katalonien keine große Katastrophe ge­­habt. Aber hier im Penedès, wo wir unseren Stammsitz haben, leiden wir stark unter Trockenheit. Im Jahr 2023 hatten wir wegen der Trockenheit nur etwa die Hälfte einer normalen Ernte. In 2025 gab es erfreulicherweise wieder mehr Regen, vor allem im mediterranen Becken, das hat den Weinbergen gutgetan. Aber Trockenstress bleibt in manchen Regionen eine große Herausforderung.

Sie haben auch einen Zusammenschluss von Weinerzeugern mitgegründet, der den Namen »International Wineries for ­Climate Action« trägt.

Der Klimawandel kann für den Weinbau so schlimm werden wie im 19. Jahrhundert die Reblausinvasion. Deshalb ist so schön zu sehen, dass wir fast jede Woche neue Mitglieder bekommen, das ist ganz wichtig. Inzwischen haben wir 177 Mitglieder aus 15 Ländern.

Auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Leider bislang nur ein einziges, aus Deutschland. Ich hoffe, dass es noch mehr werden.

Sie sind aber nicht nur politisch aktiv, Sie haben auch im eigenen Weingut in den vergangenen 10 oder 15 Jahren viel umgebaut.

Wir geben uns große Mühe, unseren CO2-Ausstoß zu verringern. Seitdem wir 2008 zum ersten Mal unseren CO2-Fußabdruck haben berechnen lassen, haben wir ihn um 40 Prozent gesenkt. Bis 2040 wollen wir komplett CO2-neutral sein. Nahezu die Hälfte des Stroms für das Kellereigebäude, in dem wir hier sitzen, gewinnen wir aus Photovoltaik. Wir haben bislang 23 Millionen Euro investiert, auch in Wiederaufforstung und Wassermanagement. Unsere eigenen Weinberge in Katalonien, über 1.000 Hektar, sind zu 100 Prozent bio oder im Begriff, zertifiziert zu werden. 60 Prozent unserer Flächen sind auf regenerative Bewirtschaftung umgestellt. Eines der vielen Dinge, die ich am regenerativen Ansatz schätze, ist, dass man Kohlenstoff im Boden speichern kann. Wir mähen das Gras im Weinberg, aber lassen die Wurzeln im Boden, so bleibt der Kohlenstoff in der Erde und wird nicht in die Atmosphäre freigesetzt. Und wir passen uns ständig weiter an: Gerade heute Morgen hatten wir eine Versammlung in der Firma, um die Strategien zu beraten, damit wir in den nächsten 20 Jahren weiter gute Weine machen können. Das Ergebnis war, dass wir Bewässerung brauchen; das ist absolut unerlässlich.

Und ist da noch die Initiative mit den alten, vergessenen Lokalsorten …

Ja, das begann vor 45 Jahren, als ich ein Sabbatical in Montpellier gemacht habe. Einen Abend fragte mich Professor Boubals, der berühmte Önologe, bei einem gemeinsamen Abendessen: Miguel, willst du nicht einmal nach alten Rebsorten aus deiner Heimat suchen? Daraufhin habe ich Anzeigen in den Tageszeitungen aufgegeben und Winzer aufgerufen, uns zu alten Rebstöcken zu führen, die sie keiner üblichen Rebsorte zuordnen konnten. Die Idee für diese »Ancestrales« hat nicht viel Geld gekostet, aber viel Zeit. Wir bekamen mehr als 200 Reben zu sehen, und die meisten waren nicht interessant. Aber sechs Rebsorten, die wir in den vergangenen Jahrzehnten systematisch vermehrt haben, halten wir heute für sehr potenzialreich: Forcada, Moneu, Gonfaus, Pirene, Garró und Querol. Mit der Entdeckung dieses Erbes haben wir wahrscheinlich auch einen Baustein für den Weinbau der Zukunft.

Falls sich Miguel Torres eines Tages aus dem Tagesgeschäft zurückziehen wird – was wird er im Ruhestand machen?

(Lacht) Er wird sehr beschäftigt sein. Zum Beispiel damit, seine Memoiren zu schreiben.


Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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