Melanie Broyé-Engelkes: Wie begeistern Sie Menschen für Wein?
Die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI) Melanie Broyé-Engelkes will mit frischem Schwung der Konsumflaute begegnen und Begeisterung für deutsche Weine neu entfachen.
Falstaff: Frau Broyé-Engelkes, viele in der Branche erleben die Lage als schwierig. Was gibt Ihnen Hoffnung – und wo sehen Sie Chancen?
Melanie Broyé-Engelkes: Nach über 30 Jahren im Ausland entdecke ich Deutschland neu: Landschaften, Vielfalt und Qualität der Weine sowie die Leidenschaft der Erzeuger begeistern mich. Alle Voraussetzungen sind da – jetzt gilt es, Wahrnehmung und Attraktivität im In- und Ausland zu steigern. Wir müssen uns dabei wieder stärker am Endverbraucher orientieren, die unterschiedlichen Zielgruppen gezielt und entsprechend ansprechen. Eine Chance sehe ich in der Positionierung deutscher Weine in einem Lifestyle-Kontext. Wir müssen wieder mehr für den Lifestyle rund um das Thema Wein begeistern.
Der Weinkonsum ist rückläufig. Warum – und wie ließe sich das ändern?
Über Alkohol wird derzeit sehr negativ berichtet. Viele Konsumenten sind verunsichert – daher müssen wir kontinuierlich aufklären: Wein in Maßen, kombiniert mit ausgewogener Ernährung, ist ein Genussmittel. Hier wollen wir eng mit der Deutschen Weinakademie und mit Multiplikatoren aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, um Vertrauen und Nähe zu schaffen.
Welche Rolle soll das Deutsche Weininstitut in dieser Situation spielen?
Das DWI wird seine Leadership ausbauen und in enger Kooperation mit der Branche innovative, auch branchenübergreifende Aktionen starten, um Image und Absatz deutscher Weine zu fördern. Wir wollen besonders jüngere Generationen und Gelegenheitskonsumenten ansprechen – über Lifestyle-Themen wie Reisen, Musik, Mode oder Gastronomie. Zudem greifen wir Trends auf: Nachhaltigkeit mit Ökoweinen und entalkoholisierte Varianten für Menschen, die keinen Alkohol trinken. So schaffen wir neue Zugänge zum Kulturgut Wein.