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Der Mann hinter Laurent-Perrier in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Thomas Schreiner.

Der Mann hinter Laurent-Perrier in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Thomas Schreiner.
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Thomas Schreiner als »Führender Kopf der Spitzengastronomie und Champagnerwelt« ausgezeichnet

Champagner
Interview
Auszeichnung

Thomas Schreiner liefert den Stoff für legendäre Abende. Jetzt wird der unermüdliche Laurent-Perrier-Botschafter mit der Brillat-Savarin-Plakette für seinen Einfluss auf die Tafelkultur ausgezeichnet. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der Branche – und seine Rolle als Motor des Champagner-Erfolgs.

Thomas Schreiner ist ein begehrter Mann. Bei glanzvollen Festen und Gastronomie-Events steht er oft im Mittelpunkt. Die Gäste drängeln sich um ihn; ob beim Ball des Sports, der Bambi-Verleihung, dem Gourmet-Festival in St. Moritz, der Busche-Gala, der Auszeichnung der »101 Besten« und (bis vor einem Jahr) der Michelin-Zeremonie. Das liegt freilich nicht nur an der eloquenten und sympathischen Art des gereiften Sonnyboys, sondern auch an dem von ihm vertretenen Produkt – und nicht zuletzt daran, dass er es bei diesen Anlässen kostenlos kredenzt.

Thomas Schreiner, Vice President des noblen Champagnerhauses Laurent Perrier für Deutschland, Österreich und die Schweiz, tritt bei vielen großen Veranstaltungen als Sponsor auf. Andere wichtige Ereignisse der Branche, wie den Sterne-Cup der Köche in Ischgl und die Herausgabe des Hornstein-Rankings, stehen unter seiner Regie.

Thomas Schreiner (rechts) bei der Bambi-Verleihung mit Schauspieler Francis Fulton-Smith.
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Thomas Schreiner (rechts) bei der Bambi-Verleihung mit Schauspieler Francis Fulton-Smith.

Es gibt freilich auch eine andere Seite, denn Thomas Schreiner will selbstverständlich verkaufen. Wenn er unterwegs ist, empfangen ihn nicht alle mit offenen Armen, aber die allermeisten. Der Wiesbadener hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Kein anderer Repräsentant im Champagner- und Weinhandel ist so umtriebig und so gut vernetzt in der Spitzengastronomie- und Hotellerie wie Schreiner.

»Förderer der Tafelkultur«

Da erscheint es folgerichtig, dass ihn die gemeinnützige FBMA-Stiftung nun mit der prestigeträchtigen Brillat Savarin-Plakette auszeichnet: Als »führenden Kopf der Spitzengastronomie und Champagnerwelt und als leidenschaftlicher Förderer der Tafelkultur«, wie es in der Begründung der »Food & Beverage Management Association« heißt. Der dann 68-Jährige ist der 68. Preisträger. »Das macht mich sehr stolz«, sagt Schreiner im Gespräch mit Falstaff.

Seit 1955 werden mit der Plakette »herausragende Persönlichkeiten gewürdigt, die das Gastgewerbe prägen und fortentwickeln«. Die Ehrung findet am 18. Mai im neuen »Museum Reinhard Ernst« (mre) in Wiesbaden statt. Laudator Marcel Reif und Moderator Bela Rethy stehen für Schreiners Liebe zum Sport und zählen zu seinen Freunden; ebenso wie »Traube Tonbach-Chef« Heiner Finkbeiner, der über den Schriftsteller und Gastrosophen Jean Anthèlme Brillat-Savarin sprechen wird. Mit Günter Gollner, im Museum für das Restaurant (»rue 1 by Gollners«) und das Bankettgeschäft verantwortlich, sorgt ein weiterer langjähriger Weggefährte für die Kulinarik.

Schreiner Strategie

Sein beruflicher Werdegang führte Schreiner durch Führungspositionen bei Getränkemarken wie Diageo, LVMH, San Pellegrino und Nestlé Waters. Dort verkaufte er mit 40 Mitarbeitern zuletzt 60 Millionen Flaschen im Jahr. 2008 baute er mit einer Sekretärin die deutsche Niederlassung von Laurent-Perrier in Wiesbaden auf, seit drei Jahren agiert er als Vice President für die DACH-Region. In einer Villa in Hessens Landeshauptstadt leitet Schreiner ein sechsköpfiges Team, sieben Personen arbeiten im Außendienst.

Zu Beginn spielte Laurent-Perrier in Deutschland mit rund 100.000 verkauften Flaschen kaum eine Rolle – heute liegt das Haus beim Umsatz dank verdreifachtem Absatz auf Rang fünf. In der Schweiz setzt LP noch mehr ab. 70 bis 80 Prozent in der Spitzengastronomie. Eine rasante Entwicklung, die das Unternehmen seinen hochwertigen Getränken und Schreiners zielstrebigem Marketing verdankt. »Wir geben dafür fast zehn Prozent des Umsatzes aus«, berichtet er. »Meine Strategie ist es, in allen Bereichen oben anzusetzen

»Definitiv zum letzten Mal«

Der lebensfrohe Mann, der vor fünf Jahren fast an Covid gestorben wäre, ist von seinem Naturell und Auftreten her ein exzellenter Botschafter für Champagner. Ihm nimmt man die Freude an den »Bläschen« ab und mit ihm stößt man gerne an. Das kann zum Problem werden… »Ich bin sehr diszipliniert, treibe viel Sport und trinke zu Hause keinen Alkohol«, erklärt Schreiner seine gute Figur.

Der Manager ist viel auf Tour, etwa in der Hälfte seiner Arbeitszeit. Er fährt rund 60.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto; im Winter die Ski- und von Frühjahr bis Herbst die Golfausrüstung im Kofferraum. Und selbstverständlich immer ein paar Flaschen Laurent-Perrier.

Nach Ischgl hat er zu Wochenbeginn eine Lkw-Ladung geschickt. Im Tiroler Skiort richtet Schreiner am Mittwoch und Donnerstag (9./10. April) die Ski-WM und am Sonntag und Montag (13. und 14. April) den Sterne-Cup der Köche mit insgesamt 250 Teilnehmern aus – »zum 25. und definitiv zum letzten Mal«, so der begeisterte Skifahrer. Die zahlreichen Stammgäste wollen es noch nicht wahrhaben.

Ihnen bleibt der Trost, dass Thomas Schreiner im Beruf noch nicht ans Aufhören denkt. Falstaff hat mit ihm über die aktuelle Lage des Champagnermarktes sowie über allgemeine Trends und persönliche Vorlieben gesprochen.

(von links) Heiner Finkbeiner, Marcel Reif, Fréderique Chaise von Laurent-Perrier, Lucie Pereyre de Nonancourt (vierte Generation des Hauses und Repräsentant der Prestige-Cuvée Grand Siècle), Johann Lafer, Thomas Schreiner und Günter Gollner.
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(von links) Heiner Finkbeiner, Marcel Reif, Fréderique Chaise von Laurent-Perrier, Lucie Pereyre de Nonancourt (vierte Generation des Hauses und Repräsentant der Prestige-Cuvée Grand Siècle), Johann Lafer, Thomas Schreiner und Günter Gollner.

Falstaff: Warum geht der Champagner-Absatz seit Jahren weltweit zurück; im Vorjahr immerhin um fast zehn Prozent auf 271,4 Millionen Flaschen?

Thomas Schreiner: Champagner ist ein Barometer für die Lebenslage. Es wäre schön, wenn es anders wäre, aber Champagner trinkt man, wenn es einem gut geht. Die Verbraucher sind aufgrund der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Situation in schlechter Stimmung.

Haben Luxusgüter nicht immer Konjunktur?

Das war bis vor wenigen Jahren so, ändert sich jedoch zunehmend. Die meisten Champagner-Trinker haben wahrscheinlich keine finanziellen Probleme, halten sich aber trotzdem zurück.

Gilt das auch für die Spitze, also die Prestige-Cuvées?

Ja. Sowohl bei Laurent-Perrier als auch bei unseren Mitbewerbern. Das verläuft in Wellen und wie bei den Autos. Wer ein großes hat, bestellt das neue eine Nummer kleiner. Wer ein mittleres fährt, wartet bis zur Neuanschaffung etwas länger. Den gleichen Trend sieht man in den Restaurants; die Gäste gehen nicht mehr so häufig essen. Die Kunden geben weniger Geld aus, achten mehr auf den Preis und kaufen günstigere Flaschen. Mehr als die Hälfte unseres Absatzes entfällt auf »La Cuvée«. Der Rosé ist stark im Kommen und liegt trotz einer kleinen Delle im Vorjahr jetzt bei 30 Prozent, der exklusive Grand Siècle bei drei bis vier Prozent.

(von links) Heiner Finkbeiner, Marcel Reif, Thomas Schreiner, Johann Lafer und Günter Gollner.
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(von links) Heiner Finkbeiner, Marcel Reif, Thomas Schreiner, Johann Lafer und Günter Gollner.

Der deutliche Preisanstieg dürfte aber auch ein Grund für die rückläufige Nachfrage sein.

Bestimmt. Aber alles ist teurer geworden, auch die Kosten für die Produktion von Champagner.

Was tun Sie, um gegenzusteuern und wie bewerten Sie die Aussichten?  

Persönlich setze ich meine Strategie fort, durch enge Kontakte mit den Verantwortlichen in der Spitzengastronomie für unser erstklassiges Produkt zu werben. Allgemein könnten die Champagnerhäuser meiner Meinung nach zufrieden sein, wenn sie den aktuellen Level halten würden. Die europäischen Märkte dürften es in absehbarer Zeit weiter schwer haben.

Wie unterscheiden sich die Märkte in der DACH-Region?         

In Deutschland ist der große Sektmarkt ein Problem. Hier bleibt Champagner ein Getränk für besondere Anlässe und ein Genuss für eine kleine Zielgruppe. In Österreich ist der Pro-Kopf-Verbrauch höher, in der Schweiz sogar dreimal so hoch. Die Schweiz nimmt eine positive Ausnahmestellung ein. Dort arbeiten und urlauben überdurchschnittlich viele wohlhabende Menschen, die sich etwas Gutes gönnen – und dort ist Laurent-Perrier als Nummer zwei hinter Moët & Chandon besonders erfolgreich.

Was hat sich seit Ihrem Einstieg 2008 am meisten verändert?

Heute gibt es mehr champagneraffine Menschen. Viele wissen besser Bescheid. Das sind insgesamt zwar immer noch recht wenige, doch die sind deutlich besser informiert als früher. Die Etikettentrinker sind nach wie vor in der Mehrheit. Und allgemein wird mehr im Internet bestellt.

Thomas Schreiner am Montag in Ischgl. Seit seinem dritten Lebensjahr fährt der Wiesbadener dort Ski – in den nächsten Tagen feiert er in Ischgl mit 250 Köchen.
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Thomas Schreiner am Montag in Ischgl. Seit seinem dritten Lebensjahr fährt der Wiesbadener dort Ski – in den nächsten Tagen feiert er in Ischgl mit 250 Köchen.

Warum verzichten Sie trotzdem auf diesen Vertriebsweg?

Ganz bewusst, weil wir auf die direkte Ansprache setzen. Entweder persönlich oder durch unsere Handelspartner, die Laurent-Perrier natürlich auch im Internet anbieten.

Gibt es bei den Vorlieben einen Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Frauen trinken lieber Rosé, Männer bevorzugen weißen Champagner.

Und Sie persönlich?

Auch weißen. Der Laurent-Perrier-Stil mit einem dominierenden Chardonnay-Anteil, der Frische, Eleganz und Raffinesse vereint, trifft tatsächlich genau meinen Geschmack. Unser Grand Siècle ist für mich dank der wunderbaren Assemblage und der Harmonie zwischen Leichtigkeit und Fülle der Inbegriff des perfekten Champagners.

Die Empfehlungen für das richtige Glas wechseln, welches bevorzugt der Fachmann?

Nicht mehr die Flöte, die das Aroma bremst, sondern ein Glas aus der Weißwein-Serie. Je vollmundiger der Champagner, desto breiter sollte das Glas sein.

 

Ich wünsche mir, dass die Menschen Essen und Trinken als wichtiges Kulturgut begreifen und würdigen.

 

Führt auch in der Champagne der Weg zu biodynamischen Weinen?

Das Ziel, umweltfreundlicher und nachhaltiger zu wirtschaften, rückt wie überall immer stärker in den Fokus. Auch bei Laurent-Perrier, doch wir werden uns nicht auf biodynamische Weine beschränken können. Das Unternehmen hat 150 Hektar eigene Weinberge und kauft von mehr als 1000 Winzern hinzu.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft der Branche?

Dass der Wert der Gastronomie und Hotellerie von den Gästen höher geschätzt wird. Vor allem für die hier tätigen Menschen. Dass die Gäste sich bewusster sind, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Kompetenz dahinterstecken. Dass sie Essen und Trinken als wichtiges Kulturgut begreifen und würdigen. Das ist in Deutschland leider noch nicht der Fall.


 

Joachim Heidersdorf
Autor
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