Trauer um Alois Stangl: Der Game Changer im Weinhandel (1950–2026)
Die Weinwelt trauert um Alois Stangl, der am Freitag, 20. März 2026, mit 75 Jahren in Salzburg-Aigen verstarb. Ein persönlicher Nachruf von Willi Klinger.
Am 20. März 2026 starb die Weinhandelslegende Alois Stangl in der Küche seiner Wohnung in Salzburg-Aigen, vermutlich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dort verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens in einfachen Verhältnissen, aus denen er stammte. Der Sohn eines Bauern und Sauschneiders in der Nähe von Feldbach in der Steiermark musste schon als Schulkind am Hof anpacken, oft schon um 4 Uhr früh die Ochsen einspannen und die Felder eggen, bevor es dann die drei Kilometer Fußweg in die Schule ging.
In der Wein- und Obstbauschule Silberberg lernte er das Fachwissen, mit dem er später als Weinhändler den Winzern auf Augenhöhe begegnen konnte. Nach einer Anstellung als Weingartenmeister des Deutschordensstifts Gumpoldskirchen machte sich Stangl auf Initiative von Willi Bründlmayer, der einen Vertriebspartner für Westösterreich suchte, in Salzburg als Weinhändler selbstständig.
Es war phänomenal, wie viele Top-Kunden Alois jeden Tag an Land gezogen hat. Er ging in die besten Häuser rein, überzeugte die Entscheider mit Emotion und Kompetenz und kam fast immer mit einem Auftrag raus.
– Willi Bründlmayer
Das Unternehmen wuchs, es kamen immer mehr österreichische und internationale Lieferanten dazu. Das Stangl-Sortiment bildete die revolutionären Entwicklungen im In- und Ausland ab. Er machte Österreichs Top-Weine in Weiß und Rot inklusive der damals nahezu unbekannten Steirer in den besten Häusern der Skiorte bekannt. Die von Marc de Grazia gepushten Barolo Boys waren nahezu vollzählig im Stangl-Katalog vertreten, dazu Gaja, Giacosa, Prunotto, Ceretto. Anfang der 90er-Jahre holte er jene kleinen, unbekannten Winzer aus Burgund nach Österreich, die heute jeder Burgundfan als Ikonen verehrt: Méo-Camuzet, Bonneau du Martray, Dujac, Ponsot, Sauzet, Leflaive, Comte Lafond – die Liste wäre fortzusetzen.
Als Missionar des guten Geschmacks war Stangl breit aufgestellt: Illycaffè, Olivenöl, Schokolade, Tee, Risottoreis, Pasta oder feinste Brände. Für ihn zählte immer nur das Beste. Manchmal wurde es auch zu viel. Stangl, der auch wegen seines privaten Lebensstils immer von Liquiditätsproblemen begleitet wurde, gab aber niemals auf, durchtauchte die Krisen und kam auch nach dem einen oder anderen Tiefschlag – wie seinem schweren Schlaganfall 1999 – immer wieder zurück. 2010 verkaufte er sein Unternehmen an seinen ehemaligen Mitarbeiter Erwin Rieger.
Ich durfte Alois Stangl von 1987 bis 1993 als rechte Hand in dieser Phase seines wilden Rittes begleiten. Das war nicht immer einfach, aber rückblickend bin ich Alois unendlich dankbar. Ohne ihn hätte ich meine interessante und erfolgreiche Laufbahn so nicht machen können.
Die Verabschiedung findet an seinem 76. Geburtstag, dem 7. April um 14 Uhr in der Pfarre Salzburg-Aigen statt.
Falstaff ist in Gedanken bei der Familie des Verstorbenen.