VerBUNt: Severin Corti mag Burger lieber ohne
Der weltweite Siegeszug des Burgers ist längst mehr als ein Megatrend – fast möchte man glauben, dass wir bald nur noch so essen werden. Höchste Zeit, sich das labbrige Brötchen einmal vorzuknöpfen!
Der Vorteil am alt werden ist, dass man fast alles schon einmal gesehen hat. Der Nachteil am Alter ist, dass man sich manche Dinge beim besten Willen nicht vorstellen konnte – und dann umso doofer aus der Wäsche schaut, wenn sie eben doch – und genau so – eintreffen. Die Rede ist, natürlich, vom unwahrscheinlichen Siegeszug, den der Hamburger gerade auch in Europa, von Gourmet-Nationen wie Frankreich und Italien bis zu uns in Österreich angetreten hat. Da geht es nicht etwa um die Dinger, die es bei McDonald’s, Burger King und anderen Fast-Food-Outlets schon seit 50 Jahren auch bei uns zu kaufen gibt und, bis hinauf an die Spitze des Staates, inzwischen als Synonym für richtig billiges (wenn auch ansatzweise warmes) Essen wahrgenommen werden. Nein, die Burger sind längst im feinen Restaurant angekommen, werden in Gourmetkritiken evaluiert, bekommen Bling-Bling-Beiwerk von Kaviar bis Gänseleber untergeschoben und sind, nur ein Beispiel, in der Welthauptstadt des guten Essens, Paris, inzwischen das meistverkaufte Gericht überhaupt. Da kann man schon ins Grübeln kommen und das Ende des Abendlandes heraufdräuen sehen.
Oder man lässt sich auf den Megatrend ein und prüft mit jugendfrohem Geist, was da wohl dahintersteckt. Denn im Grunde spricht schon allerhand dafür, sich seinem Essen mit den Fingern zu nähern, allein die Sinnlichkeit, das Unmittelbare und, durchaus im besten Sinne Kindliche solcher Art des Genießens. Und gegen das Prinzip des Burgers, alle Komponenten des Mahls, gegrilltes Fleisch, geschmolzenen Käse, Salat, Salsa, Condiments (Salziges, Knuspriges, Süßes, Knackiges, Saures, Cremiges und Scharfes) exakt ausbalanciert, mit jedem Bissen ideal verfügbar zu machen, lässt auch nur schwer etwas sagen.
Nur: Man wird halt fett davon. Es ist kein Geheimnis, dass in Ländern, wo der Burger zur täglichen Routine geworden ist, der Anteil massiv übergewichtiger Zeitgenossen massiv zunimmt. Da ist die schiere Menge (»Super Size«) ebenso Schuld dran, wie besonders ungesunde Zuckerarten (»High Fructose Corn Syrup«), die in Amerika routinemäßig in Ketchup, Cola und sogar Brotteig gepanscht werden. Das schwammige Bun ist aber ganz für sich kein Schlankmacher – und objektiv das am Wenigsten schmackhafte Element jedes Burgers.
Es liegt also nahe, darauf zu verzichten und, wie im untenstehenden Rezept, ganz einfach knackig blanchierte Kohlblätter (oder auch große Salatblätter) mit all den guten Dingen zu füllen, die man sich sonst zwischen das Schwammbrot packt. Und in Wahrheit spricht auch gar nichts dagegen, das dann gar nicht Burger zu nennen, sondern einfach Salad-Wrap. Außer, dass die lieben Kinder es in dem Fall nicht einmal kosten würden.