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Wissenswert: Bordeaux von A bis Z

Bordeaux
Frankreich

Die Weinwelt spricht über Bordeaux – oft in bestem Fachchinesisch. Was Sie wirklich wissen müssen, verständlich erklärt.

AOC

Herkunftsbezeichnung (»Appellation d’Origine Controlée«). Weine, die den Namen der Herkunft auf dem Etikett führen wollen, müssen innerhalb der präzise definierten geografischen Grenzen der AOC gewachsen sein und den im »Pflichtenheft« vorgeschriebenen Kriterien (z. B. betreffend Pflanzdichte im Weinberg, Höchsterträge usw.) genügen.

Alkohol

Noch in den 1950er-Jahren hatten viele Crus Classés 11,5 Volumenprozent Alkohol und konnten mühelos 30 oder 40 Jahre reifen. Heute haben viele Weine wegen des Klimawandels 14 Volumenprozent und mehr.

Barrique

Weithin gebräuchliches Eichenfass von 225 Litern Inhalt (entsprechend 300 Flaschen Wein).

Cabernet  (Sauvignon, Franc)

Ein Duo charaktervoller Rotweintrauben, von denen der Cabernet Sauvignon die bekanntere, aber Cabernet Franc die ursprünglichere ist. Der spätreife Cabernet Sauvignon kommt vor allem auf Kiesböden am linken Ufer vor, der Cabernet Franc hat seine Hochburgen am rechten Ufer. Beide Sorten bringen einen nach Cassis duftenden Wein hervor, wobei der Cabernet Sauvignon für höhere Gerbstoffmengen bei moderaterem Alkohol steht.

Château …

Unumgänglicher Namensbestandteil von Bordeaux-Weinen. Für die Verwendung des Ausdrucks ist es nicht erforderlich, dass ein physisches Schloss vorhanden ist. Es dürfen jedoch nur Trauben aus eigenem Anbau verwendet und vor Ort vinifiziert werden.

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Côtes

(1) »Côtes de«, gefolgt von einem Ortsnamen, sind Herkunftsbezeichnungen des rechten Ufers: Côtes de Blaye, Bourg, Cadillac, Francs, Castillon, Ste-Foy. Diese AOCs sind eine Fundgrube authentischer Bordeauxweine zu fairen Preisen.

(2) Auch in Saint-Émilion spricht man von »Côtes«, diesen werden diejenigen Weinberge zugerechnet, die an den Hängen zwischen Kalkplateau und der Ebene liegen, die bekanntesten sind die »Côte Pavie«, die »Côte Daugay« usw.

Dekantieren

Roter Bordeaux profitiert in aller Regel von Sauerstoffkontakt. Nur bei sehr jungen Weinen (die sich durch Dekantieren kaum verändern) oder bei sehr reifen (die unter der Last des Sauerstoffs oxidieren können) macht der Einsatz einer Karaffe wenig Sinn.

Entre-deux-Mers

Flächenstarke Region zwischen den beiden Flüssen Dordogne und Garonne. Die Bezeichnung »zwischen zwei Meeren« spielt darauf an, dass beide Flüsse den Gezeiten unterworfen sind. Die Weine der gleichnamigen AOC sind trockene Weißweine, es wächst hier jedoch auch sehr viel Rotwein, der unter der regionalen Bezeichnung »Bordeaux« (générique) in den Verkauf gelangt.

Fälschung

Gesuchte teure Sammlerweine werden immer wieder gefälscht. Berühmt wurden die angeblichen »Jefferson-Flaschen«, deren gravierte Jahreszahlen (1787, 1784), wie Analysen ergaben, mit einem elektrischen Zahnarztbohrer vorgenommen worden waren.

Fasswein

Etwa ein Drittel des Bordeauxmarkts wird von »Fassweinen« bestimmt, die der Handel für den Verschnitt von Markenweinen benötigt. Ein Liter Bordeaux générique kostet derzeit etwas weniger als einen Euro.

Générique

Die »generische«, also regionale AOC »Bordeaux« umfasst die Hälfte des Gebiets, etwa 45.000 Hektar. Die meisten namhaften Weine wachsen in enger gefassten kommunalen AOCs.

Haut-Médoc

Innerhalb der Halbinsel Médoc der höher, also flussaufwärts gelegene Bereich mit mehr Kies und weniger Lehm im Boden und entsprechend etwas feineren Weinen.

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Kalk

Hauptbestandteil der Böden in Saint-Émilion und in Teilen der Côtes (vor allem Castillon und Francs) sowie in Fronsac. Reben, die im Kalkstein wurzeln, verleihen dem Wein eine große mineralische Frische.

Kies

Hauptbestandteil der Böden im Médoc. Die meterdicken Kiesdünen in kommunalen AOCs wie Pauillac sorgen für exzellente Drainage, was aufgrund der Nähe zum Atlantik wertvoll ist.

Klassifikation

Verschiedene Gebiete in Bordeaux folgen unterschiedlichen Systemen, die Qualität der Weingüter hierarchisch zu unterteilen. Der Prototyp ist die fünfstufige Klassifikation des Médoc aus dem Jahr 1855, die seither nur einmal verändert wurde (1973 wurde Mouton-Rothschild vom 2ème Cru zum Premier Cru aufgewertet). Ähnlich stabil sind die Klassifikationen in Pessac-Léognan und in Sauternes. Die Klassifikation in Saint-Émilion hingegen wird alle zehn Jahre neu geschrieben.

Klimawandel

Klimaphänomen, das mit einem stetigen Ansteigen der Durchschnittstemperaturen, mit zunehmender Trockenheit und mit der Zunahme extremer Wetterereignisse einhergeht. Im Licht dieser Umstände wurden für Bordeaux générique im Jahr 2021 Rebsorten wie die portugiesische Touriga nacional zugelassen. Der Anteil solcher Sorten in einem Wein der AOC Bordeaux darf maximal zehn Prozent betragen.

Linkes Ufer

Alle Weinbaugebiete links von Gironde und Garonne, mehrheitlich Cabernet dominiert.

Margaux

Die südlichste AOC des Médoc, bekannt für besonders feine, duftige Weine.

Médoc

Wird zweifach verwendet: als Bezeichnung für die gesamte geografische Einheit zwischen Gironde und Atlantik und als Name einer AOC, die die Weinberge nahe der Mündung der Gironde in den Atlantik umfasst. Die Böden sind hier schwer, die Weine meist eher robust – aber sie reifen sehr gut.

Merlot

Wichtigste Rebsorte des rechten Ufers, früher reif als die  Cabernets und daher in warmen Jahren sehr reich an Alkohol.

Mehltau

Ein Duo von Pilzerkrankungen (echter/falscher Mehltau), das in feuchten Jahren immer wieder ein starkes Problem für den Bordelaiser Weinbau darstellt. Zuletzt schädigte der Mehltau 2023 und 2024 die Reben und reduzierte die Erträge.

Önologe, beratender

Berufsgruppe, die seit den 1970er-Jahren wachsenden Einfluss auf den Stil der Bordeaux-Weine bekam. Am bekanntesten unter den nicht an der Universität Bordeaux tätigen Önologen sind Michel Rolland und Stéphane Derenoncourt, beide vorrangig am rechten Ufer tätig und mittlerweile im Ruhestand. Eric Boissenot betreut wie früher sein Vater Jacques (1938–2014) die Mehrzahl der klassifizierten Güter des linken Ufers.

Pauillac

Prestigereichste  AOC des linken Ufers. Drei Premiers Crus. Mächtige Kiesböden, langlebige Weine.

Pessac-Léognan

Am linken Ufer gelegene kommunale AOC, die als einzige in ganz Bordeaux klassifizierte Weine beider Farben hervorbringen kann.

Pomerol

Gesuchteste AOC des rechten Ufers mit den teuersten Weinen. Farbiger Lehm, Eisenadern und Kies sorgen für Weine mit unvergleichlicher Fülle.

Rappen

Das Stielgerüst der Traube. Früher war das Abbeeren Goldstandard. Seitdem die Weine durch den Klimawandel mehr Alkohol und geringere Säurewerte besitzen, experimentieren die Weingüter zunehmend häufiger damit, ihre Rotweine mit einem Anteil von Rappen zu vergären. So bekommen die Weine mehr Struktur und ein zusätzliches phenolisches Rückgrat.

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Rechtes Ufer

Alle Gebiete rechts von Dordogne und Gironde. Oft rechnet man aber auch Entre-deux-Mers hinzu, da hier ähnliche Bedingungen herrschen (Dominanz des Merlot beim Rotwein, Kalk).

Rodungsprämie

Da der Bordeauxmarkt fallende Börsenkurse erlebt, wurden 2024 etwa 9000 Hektar Reben gerodet (fast ein Zehntel der gesamten Fläche). Der französische Staat und der Branchenverband CIVB haben rodungswillige Winzer mit bis zu 6000 Euro pro Hektar Reben entschädigt.

Sauternes

Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Barsac Bordeaux’ bedeutendste AOC für edelsüßen Wein – Weine von fabelhafter Komplexität, die aber aus der Mode gekommen sind. Wann kommt die Renaissance?

Saint-Émilion

Quantitativ und qualitativ bedeutendste AOC des rechten Ufers rund um den gleichnamigen Ort, der UNESCO-Weltkulturerbe ist. Saint-Émilion bringt von Weinlegenden bis zum schlichten Tischwein ein breites Spektrum an Weinen hervor. Legendär sind die Weine vom Kalkplateau und von den Côtes. Merlot regiert.

Saint-Estèphe

Die nördlichste kommunale AOC des Médoc mit einem Terroir-Mix aus Lehm, Kalk und Kies und mit schwereren Böden als im benachbarten Pauillac. Fest gefügte, lagerbedürftige Weine.

Saint-Julien

Der südliche Nachbar von Pauillac bringt ähnliche, ein klein wenig weichere, qualitativ als sehr beständig bekannte Weine hervor.

Trockenstress

Bordeaux ist durch die Nähe des Atlantik insgesamt ein regenreiches Gebiet, im Hochsommer treten jedoch regelmäßig längere Trockenperioden auf. Eine gewisse Zeit des Trockenstresses ist prinzipiell erwünscht, denn sie beendet das vegetative Wachstum der Reben und signalisiert dem Rebstock, dass er sich nun auf das Ausreifen der Trauben zu konzentrieren habe. Durch den Klimawandel nehmen die Trockenperioden jedoch in manchen Jahren Ausmaße an, die eine völlige Blockade des Wachstums und die Bildung rauer, trockener Gerbstoffe zur Folge haben.


 

Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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