Akkurat gepflegte Weinberge neben Kokospalmen und Mangobäumen? An diesen Anblick wird man sich gewöhnen müssen, seit Indien seine Liebe zu Weinbau und Wein entdeckt hat. In dem Maß, wie Indien in den letzten 2-3 Jahrzehnten überhaupt westliche Lebens- und Genusswerte entdeckt hat, wuchs auch das Interesse am Wein. Der Weinbau allerdings steckt noch in den Kinderschuhen, gerade einmal ca. 30 Jahre ist es her, dass die ersten Rebstöcke gepflanzt wurden in einem Land, das immerhin in nennenswertem Umfang Whisky und Rum erzeugt. Ein Pionier des indischen Weinbaus war sicher Rajeev Samant, der in Kalifornien studierte und dort enge Freundschaft mit kalifornischen Weinen schloss. Nach seiner Rückkehr nach Indien pflanzte er die ersten Reben in Maharashtra unweit von Nashik, da er das Terroir dort für den Weinbau als ideal beurteilte. Seine Ergebnisse wurden zunächst belächelt, heute ist Maharashtra an der Westküste Indiens Zentrum und Motor des indischen Weinbaus zugleich. Hier sind die Tage zwar tropisch heiß, die Nächte aber sehr kühl. Insgesamt gibt es in Indien ca. 100.000 Hektar Weinberge, der weitaus größte Teil allerdings wird zu Rosinen oder Saft verarbeitet oder als Tafeltrauben konsumiert. Auf die Weinproduktion entfallen nicht einmal 3.000 Hektar. Angebaut werden Chenin Blanc, Sauvignon Blanc und Shiraz. Die Weine werden zum größten Teil allerdings exportiert, da aus religiösen Gründen Alkohol in Indien keine so große Rolle spielt wie in Europa. Ca. 90 Wineries erzeugen Wein, und dass sich diese einiges vorgenommen haben belegt auch der Umstand, dass erste Betriebe um die Beratung des bordelaiser Starönologen Michel Rolland ersucht haben.