Burger-Knigge: Isst man ihn mit den Händen oder mit Messer und Gabel?
Isst man Burger eigentlich mit den Händen oder mit Messer und Gabel? Knigge-Expertin Daniela Popp erklärt, wie man den Fast-Food-Klassiker richtig und stilvoll isst.
Es gibt Fragen, die spalten die Gesellschaft. Ananas auf Pizza. Socken in Sandalen. Und: Darf man einen Burger mit den Händen essen oder muss man zu Messer und Gabel greifen?
Spätestens wenn der Burger höher ist als der eigene Mund, die Soße bereits Richtung Handgelenk wandert und der erste Salatstreifen auf dem Teller landet, stellt sich die Frage nach dem guten Benehmen. »Es ist nicht die Größe des Burgers ausschlaggebend, sondern der Rahmen, in dem dieser Burger gegessen wird«, sagt Daniela Popp, Präsidentin der Österreichischen Knigge-Gesellschaft. Heißt übersetzt, auf der Couch darf der Burger so gegessen werden, wie es die Fast-Food-Götter vorgesehen haben, nämlich mit beiden Händen. Beim Business-Lunch sieht die Sache anders aus.
Zwischen Couch und Business-Lunch
Popp unterscheidet dabei nämlich zwischen verschiedenen Situationen. Zuhause gilt eine andere Etikette als beim Geschäftsessen. »Privat, privat – also zu Hause – ganz klar, mit der Hand. Schmeckt einfach besser«, sagt sie. Auf der Couch, beim Grillfest oder Picknick darf der Burger also durchaus so gegessen werden, wie man es aus Fast-Food-Restaurants kennt.
Dazwischen liegt die gesellschaftliche Mitte: das Restaurant, das Treffen mit Freunden oder vielleicht das erste Date. Hier gehe es laut Popp vor allem darum, Rücksicht auf andere zu nehmen und einen gepflegten Eindruck zu hinterlassen. Bei Geschäftsessen wird die Sache noch klarer. »Im Business bitte immer Messer und Gabel verwenden«, empfiehlt die Knigge-Expertin.
Kein Soßenmassaker
Denn dort geht es laut Popp weniger ums Essen als um die Kommunikation. Wer während eines Kundengesprächs versucht, einen Triple-Cheese-Bacon-Burger im Freiflug zu bändigen, setzt möglicherweise die falschen Prioritäten. Ihre Empfehlung ist deshalb klar. Liegt Besteck am Tisch, sollte man es auch benutzen. »Das wirkt einfach souverän, gepflegt und professionell.« Gibt es also Messer und Gabel, dann haben sie wahrscheinlich einen Grund. Gibt es stattdessen Papierverpackung und Tablett, darf man beruhigt zugreifen.
Die wahre Gefahr ist nicht der Burger
Dabei geht es gar nicht darum, besonders vornehm zu wirken. Vielmehr soll das Essen möglichst ohne Kollateralschäden über die Bühne gehen. Daniela Popp empfiehlt einen gepflegten und kontrollierten Umgang mit dem Burger. Der Burger sollte also so gegessen werden, ohne dass die Hälfte des Belags auf dem Hemd, dem Tisch oder dem Schoß des Sitznachbarn landet.
Besonders kritisch wird es bei den modernen Türmen aus Fleisch, Käse, Soße und weiteren fünf Zutaten. »Wenn ich in einen fetten Burger beiße, der größer ist als mein Gesicht, dann patze ich mich natürlich unweigerlich an«, so Popp.
Fingerfood? Ja. Aber nicht immer.
Ganz entspannt darf man dagegen bei Mini-Burgern auf Veranstaltungen bleiben. Die gelten als klassisches Fingerfood. Auch eine Fingerschale mit Zitronenwasser kann laut Popp als Hinweis verstanden werden, dass der Einsatz der Hände ausdrücklich vorgesehen ist. Wer hingegen an einem eingedeckten Restauranttisch sitzt, fährt mit Messer und Gabel meist sicherer.
Die größten Burger-Sünden
Was sollte man vermeiden? Ganz oben auf der Liste stehen laut Popp Burger, die vor dem ersten Bissen so stark zusammengedrückt werden, dass links und rechts die Soße herausquillt. Ebenfalls wenig gesellschaftstauglich ist das Sprechen mit vollem Mund, die Finger an der Kleidung abzuwischen oder sie anschließend genüsslich abzulecken.
Und dann wären da noch die Pommes. Streng nach klassischer Knigge-Etikette gelten Pommes als gebackene Erdäpfel und würden mit der Gabel gegessen. Popp sieht solche Regeln jedoch nicht dogmatisch. »Kenne die Regel, um sie zu brechen«, lautet ihr Grundsatz.
Die wichtigste Regel überhaupt
Am Ende ist die Burger-Etikette deutlich unkomplizierter als ihr Ruf. Ob Hand oder Besteck entscheidet weniger der Burger als die Situation. Oder wie Daniela Popp es zusammenfasst: »Sauber, kontrolliert essen – egal ob mit Hand oder mit Besteck –, dann ist man aus Knigge-Sicht im komplett grünen Bereich.«
Mag. Daniela Popp, Bakk. ist Marketing- und Kommunikationsexpertin sowie Benimm-Beraterin und diplomierte Business- und Knigge-Coach. Sie begleitet Unternehmen und Privatpersonen in Fragen der Etikette, des Auftretens und der modernen Umgangsformen und vermittelt dabei einen zeitgemäßen Zugang zu guten Manieren. Ihr Motto: Grazie und Lockerheit schließen einander nicht aus.
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