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Déborah Ruffing Tabbone: Die neue Chef de Cave bei Geldermann im Falstaff-Talk

Interview
Sekt
Deutschland

Die Geldermann Privatsektkellerei in Breisach am Rhein steht seit 1838 für deutsche Sektkultur mit französischem Erbe. Mit der traditionellen Flaschengärung auf der Hefe und einem breiten Portfolio von Premium-Sekten hat sich das Haus einen festen Platz in der Spitzengastronomie und im Fachhandel gesichert.

Seit dem 1. Januar 2025 trägt Déborah Ruffing Tabbone als neue Chef de Cave die Verantwortung für den Keller bei Geldermann. Im Interview spricht sie darüber, wie sie ihren Weg in die Weinwelt fand, was sie an Sekt und Crémant besonders fasziniert und welche Impulse sie für die Zukunft dieses Traditionshauses setzen möchte.

Frau Ruffing Tabbone, Sie treten zum 1. Januar 2025 die Nachfolge von Marc Gauchey als Chef de Cave bei Geldermann an. Erzählen Sie uns etwas über Ihren Werdegang.

Ich komme aus Frankreich, genauer gesagt aus der Region Moselle, nahe der deutschen Grenze. Dadurch habe ich immer die deutsche Sprache gehört und in der Schule gelernt. Meine Großeltern sprachen einen Dialekt, doch nach dem Abitur hatte ich erstmal keinen Kontakt mehr mit Deutsch. Ich habe in Straßburg vier Jahre Naturwissenschaften studiert und anschließend in Reims einen Master in Agrarwissenschaft mit Spezialisierung auf Champagner absolviert. Danach folgte eine zweijährige Ausbildung in Önologie in Reims – dort habe ich meine Liebe zu Schaumwein entdeckt.

Wie entstand Ihre Begeisterung für Aromen und Schaumwein?

Meine Mutter führt ein Parfumgeschäft, und wir spielten oft zusammen: »Was riechst du in diesem Parfum?« Dadurch habe ich mein olfaktorisches Gedächtnis geschult. Wein stand damals nicht im Mittelpunkt, aber Naturwissenschaften und Gerüche faszinierten mich schon immer. Während meiner Ausbildung sammelte ich praktische Erfahrungen in der Champagne, anschließend verbrachte ich zwei Monate in Australien, im McLaren Vale. Nach meinem Studium begann ich 2011 im Elsass bei der Winzergenossenschaft Wolffberger zu arbeiten – und blieb dort zwölf Jahre. Ich hatte das Glück, mich weiterzuentwickeln: Zuerst war ich sechs Jahre im Qualitätsmanagement für den Weinberg tätig, danach leitete ich sechs Jahre lang den Bereich Crémant-Herstellung.

Wie war Ihr Einstieg bei Geldermann?

Seit März 2023 bin ich bei Geldermann, das genau an der Grenze zwischen Elsass und Deutschland liegt. Ich kannte das Unternehmen bereits und hatte einige Sekte vorher verkostet. Mich begeistert die deutsch-französische Geschichte hinter der Marke. Als ich das erste Mal mit Marc Gauchey im Keller war, beeindruckten mich die Bedingungen dort: Die gleichbleibenden Temperaturen sind ideal für die Reifung. Die Premiumqualität von Geldermann hat eine lange Tradition und kommt aus großer Erfahrung und Typizität. Besonders bemerkenswert finde ich die Loyalität der Mitarbeitenden – viele sind seit zwanzig Jahren oder länger hier. Alle sind stolz auf Geldermann und das handwerkliche Können, das hier gelebt wird.

Was zeichnet die besondere Typizität von Geldermann aus?

Ein entscheidender Faktor ist die sorgfältige Auswahl der Grundweine. Wir nehmen uns viel Zeit, um das passende Terroir und die richtigen Rebsorten für jede Cuvée auszuwählen. Durch die traditionelle Flaschengärung und lange Reifezeiten auf der Hefe entsteht unser unverkennbarer Stil – mit eleganten, cremigen Noten und einer feinen Perlage. Die Kunst der Cuvée-Zusammenstellung spielt eine große Rolle. Wir arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen, um die gewünschte Typizität zu erreichen. Geldermann-Sekte passen hervorragend zur Gastronomie und begleiten ein ganzes Dinner harmonisch, weil sie Struktur und eine feine Säure besitzen.

Sekt oder Crémant – worin liegt der Unterschied?

Wir stellen beides her, und die Methode ist dieselbe. Der Unterschied liegt im Terroir: Unsere Crémants kommen aus Baden, während wir Sekte sowohl mit deutschen als auch mit französischen Grundweinen erzeugen. Die unterschiedlichen Rebsorten und Anbaugebiete prägen den jeweiligen Stil. Baden hat oft vulkanische Böden, die subtile rauchige Noten verleihen. Die Reifezeit variiert: Crémants reifen mindestens 12 Monate, unsere Sekte je nach Stil zwischen 12 und 24 Monaten – für Jahrgangs- und Sondercuvées sogar mehr als drei Jahre. Wir legen großen Wert auf Reife und Typizität.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Ich möchte die Typizität unserer Sekte und Crémants bewahren und weiterentwickeln – mit meiner eigenen Handschrift. Mir ist es wichtig, Sensibilität und Kreativität einzubringen, insbesondere bei unseren Sondercuvées. Wir werden Trends beobachten und darauf eingehen, ohne dabei die hohe Qualität von Geldermann zu kompromittieren. Ein Schüsselaspekt ist die Gesamtharmonie – sowohl bei unseren Produkten als auch im Team. Ein Sekt transportiert Emotionen, weil die Menschen, die ihn herstellen, mit Leidenschaft dabei sind. Ich möchte die Teamharmonie weiter vertiefen und durch gezieltes Teambuilding stärken. Geldermann hat bereits eine starke Basis, doch es gibt immer Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.

Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem Team zu gehen.


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Romana Echensperger
Romana Echensperger
Wein-Chefredakteurin Deutschland
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