Der TGV zeigt, wie köstlich Zugfahren sein kann
Zugfahren kann schon etwas Feines sein. Ganz wörtlich gesprochen. Mit dem «Grand Concours Culinaire» wird die Première Signature Klasse des TGV Lyria nämlich zu einer rollenden Gourmetbühne. Seit diesem Herbst reist zwischen Paris und Genf nicht nur der Schnellzug mit 320 Stundenkilometern, sondern auch die Haute Cuisine.
Am Mittwoch, dem 15. Oktober wurde der Pariser Bahnhof Gare de Lyon zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Finales: vier junge Kochtalente, drei Stunden Zeit, eine offene Küche mitten im Trubel des Bahnhofs. Vor den Augen der Reisenden, Passanten und einer Jury aus Spitzenköchen galt es, den Geschmack der französisch-schweizerischen Küche in ein Gericht zu bringen, das nicht nur am Bahnhof überzeugt, sondern später auch im Bordservice von «TGV Lyria» funktioniert.
Der Wettbewerb «Grand Concours Culinaire», eine Initiative von «TGV Lyria» gemeinsam mit Michel Roth (Sternekoch, Bocuse d’Or, Meilleur Ouvrier de France) und dem jungen Küchenstar Danny Khezzar (Bayview im Hotel Président Wilson), suchte gezielt Nachwuchstalente, die Tradition, Technik und Kreativität auf einen Teller bringen. «Wir wollten jungen Talenten eine Bühne geben, damit sie ihre Kreativität voll zum Ausdruck bringen können. Die Idee war auch, neue Wege zu gehen, aus dem Gewohnten auszubrechen und am Bahnhof für Überraschung zu sorgen», sagt Michel Roth.
Das ist gelungen. 45 Bewerbungen gingen aus Frankreich und der Schweiz ein, vier Finalisten durften in Paris an den Herd. Inmitten von Bahnhofslärm, Kameras und neugierigen Blicken schnippelten, flambierten und glasierten die jungen Profis unter Hochspannung. Manchmal war gar Improvisation gefragt. So etwa musste beim Zerkleinern der Nüsse kurzerhand der Kochtopf als Mörser herhalten. Trotz der ungewohnten Bedingungen entstanden Gerichte, die nicht nur mit Kreativität, sondern auch mit Präzision und Feingefühl überzeugten. Denn einfach schön oder schmackhaft reichte hier nicht – die Jury prüfte mit scharfem Blick und feinem Gaumen nach klaren Kriterien.
Im Mittelpunkt stand die Qualität des Gerichts, geschmacklich wie ästhetisch. Ebenso wichtig: seine Verwurzelung in der französisch-schweizerischen Kochkultur, die Herkunft und Saisonalität der Zutaten sowie die nachhaltige Herangehensweise der jungen Köch:innen. Auch die Persönlichkeit der Finalisten spielte eine Rolle: Ausbildung, beruflicher Werdegang und Motivation flossen in die Bewertung ein. Und weil das Gewinnergericht später an Bord des TGV serviert wird, musste jede Kreation nicht nur am Bahnhof, sondern auch bei 320 km/h überzeugen – technisch umsetzbar, transportfähig und trotzdem delikat.
Ein Stück Gourmet an Bord
Drei Stunden später dampften die Teller und die Jury wählte die zwei Finalisten: Lorenzo Demirboga, Cooking Instructor im «Hitl Zürich», überzeugte mit einem in Portwein gereiften Rindfleisch mit Zwiebeln und Herbstpilzen, und Juliette Dufêtre, Chefköchin des «Botani Café» in Lyon, mit ihrem Hähnchen-Supreme mit Kartoffel, Walnuss, Greyerzer, Estragon und Weisswein. Mit diesen beiden Gerichten ging die Reise buchstäblich weiter, denn sie wurden direkt im Anschluss an Bord des TGV Lyria Nr. 9781 nach Genf serviert, wo die Reisenden selbst zu Juror:innen wurden. Parallel dazu konnten die Follower von «TGV Lyria» auf Instagram über das ansprechendste Gericht abstimmen.
Am Ende setzte sich Juliette Dufêtre durch. Ihr zartes Hähnchen überzeugte durch Harmonie und Bodenständigkeit. Das Gericht der Siegerin wird ab Herbst 2026 auf der Menükarte «La Table» der Première Signature Klasse stehen und so zwischen Frankreich und der Schweiz mit 320 km/h reisen. «In einem so symbolträchtigen Ort wie dem Gare de Lyon zu kochen und mein Gericht anschliessend an Bord des ‹TGV Lyria› zu sehen, ist ein wahr gewordener Traum», betonte Juliette.