Emilia Montz gewinnt Regionalfinale des »S.Pellegrino Young Chef Academy Awards«
Im Wettlauf gegen die Zeit: Auch in diesem Jahr kämpften zehn junge Talente um den Einzug ins Finale des »S.Pellegrino Young Chef Academy Awards«. Mit ihrem Signature Dish »Russian Ballett« konnte Emilia Montz die Jury von sich überzeugen und darf ihr Können 2025 in Mailand unter Beweis stellen.
»Uhr läuft!« – um Punkt 9 Uhr geht der erste Timer los. An den Kochzeilen der »Taste Academy« starten nun im 15-Minuten-Takt die Teilnehmenden des diesjährigen deutsch-österreichischen Vorentscheids des »S.Pellegrino Young Chef Academy Awards«.
Mario Ludwig steht allein an seiner Küchenzeile in der Kölner Kochschule. Der 20-Jährige ist nicht nur der jüngste der Teilnehmenden, zu allem Unglück ist kurzfristig auch noch sein Mentor abgesprungen. Ludwig ist einer der zehn Teilnehmenden, die um den Einzug in das Finale 2025 in Mailand um die Wette kochen. Unbeobachtet bleibt der Salzburger an seiner Station dennoch nicht, denn Ludwig streamt seine Vorbereitung live auf Instagram. Auf die Frage, ob er generell aktiv auf Social Media sei, entgegnet er: »Nicht wirklich, aber meine Freunde wollten zuschauen.«
Bühne für junge Talente
Im zweijährigen Rhythmus findet der »S.Pellegrino Young Chef Academy Award« statt, ein Wettbewerb, bei dem junge Talente im Alter von 18 bis 30 Jahren ihre handwerkliche Expertise, Kreativität und persönliche Vision unter Beweis stellen können. Übersetzt wird das kulinarische Können in ein individuelles »Signature Dish«, welches die Teilnehmenden anschließend der Jury präsentieren. In diesem Jahr bestand das Komitee aus den Spitzenköchen The Duc Ngo (»le duc«, »Madame Ngo«), Heinz Reitbauer (»Steirereck«**, Wien), Rosina Ostler (»Restaurant Alois«**, München), Daniel Gottschlich (»Ox & Klee«**, Köln) und Julia Komp (»Sahila«*, Köln).
Als Patrik Ködel die wuselige Küche der Kölner Kochschule betritt, ist seine positive Ausstrahlung sofort spürbar. Der 30-jährige Stuttgarter, der an diesem Tag seinen roten Beanie nur in der Küche und für die Präsentation abnimmt, winkt freundlich und stellt sich den Juroren, Reportern und Veranstaltern vor. Begleitet wird er von seinem Mentor Ivan Lazarenko. Der gebürtige Russe hat vor zwei Jahren bereits Anton Lebersorger ins Finale des Wettbewerbs gecoacht und hofft in diesem Jahr auf eine Wiederholungstat.
Wer die Jury überzeugt, zieht ins Welt-Finale des Wettbewerbs ein, das 2025 in Mailand stattfindet. Hier gilt es sich unter 14 weiteren regionalen Gewinnerinnen und Gewinnern zu behaupten, um den Titel »S.Pellegrino Young Chef« tragen zu dürfen. Neben dem Einzug in das Mailänder Finale gibt es am Dienstag aber noch drei weitere Preise zu gewinnen: Einen für den besten Nachhaltigkeitsansatz, einen Publikumspreis und einen für die Verbindung kulinarischer Traditionen.
Vom Tanzsaal in die Küche
Um kurz vor zehn schreitet Emilia Montz an die Kochzeile. Die 24-jährige Chef de Partie im Restaurant »TROYKA« in Erkelenz hatte ursprünglich eine Karriere als Balletttänzerin im Blick. Doch über den Umweg eines Studiums der Ernährungswissenschaften fand sie ihren Weg in die Gastronomie – und hängte die Spitzenschuhe, zumindest beruflich, an den Nagel.
Ihr Signature Dish »Russian Ballett« ist eine Hommage an ihr Lieblingsballett, Tschaikowskis Schwanensee, und vereint ihre jahrelange Ausbildung in der Tanzkunst mit ihrer kulinarischen Expertise. Doch nicht nur die Kreation auf dem Teller strahlt Eleganz aus: Montz‘ Arbeitsweise an der Küchenzeile ist ebenso filigran und leichtfüßig – eben wie die, eines anmutigen Schwanes.
Nach und nach laufen die Timer ab, die ersten Teilnehmenden übergeben nach fünf Stunden ihre kunstvoll angerichteten Teller an die wartenden Kellner. Ludwig überreicht den Juroren im Vorfeld einen Flyer, der die Herkunft seiner Produkte detailliert beschreibt – von den regional bezogenen Zutaten bis hin zu den vor Ort hergestellten Holzschälchen und der Steinplatte, auf der sein Gericht »A Duck walking through the Forest« präsentiert wird.
Dann ist Ködel an der Reihe. Sein Signature Dish »Heart of the Mountain« repräsentiert das Herz der schwäbischen Esskultur. Eindrucksvoll schildert er seinen persönlichen Bezug zu den verwendeten regionalen Produkten und deren Erzeugern, wie dem »Käse von der Susi« und lobt das regionale Netzwerk aus Produzenten, Lieferanten und Köchen, welche die neue Generation der Gastronomie bilden.
Montz serviert ihr Gericht auf feinstem Porzellan – das Servies der Traditionsmarke Meissen trägt den passenden Namen »Schwanenservice«. Zu ihren Tellern reicht die 24-Jährige zudem eine Lampe. Auf die Frage, was es mit dem Leuchtmittel auf sich habe, gibt sie überrascht wieder: »Ach ja genau, ich wollte am Anfang sagen ›Bühne auf, Licht an!‹«. Das ist wohl bei aller Aufregung untergegangen.
Preisverleihung im »Ox & Klee«
Nach dem kulinarischen Teil des Wettbewerbs zieht die Belegschaft des Wettbewerbs weiter ins Zwei-Sterne-Restaurant »Ox & Klee« von Juror Daniel Gottschlich. Dort werden zunächst die Sonderpreise verliehen: Patrick Ködel wird mit dem »S.Pellegrino for Social Responsibility Award« für den besten Nachhaltigkeitsansatz ausgezeichnet, Marc-Dominik Stern (29, Sous Chef im »The Charles Hotel Munich«) gewinnt mit dem »Fine Dining Lovers Food for Thought Award« den Publikumspreis und der »Acqua Panna for Connection in Gastronomy Award« geht an Yvonne Rauscher (26, Chef de Partie im »Landhaus Bacher«) für die Verbindung von Tradition und Moderne in ihrem Signature Dish. Dann folgt das Grande Finale: Siegerin des Vorentscheids ist Emilia Montz.
Unter tosendem Applaus nimmt die junge Köchin den Award entgegen, betont in ihrer Dankesrede jedoch: »Ich weiß, dass ich es noch besser kann«. Das unterschreibt auch Jurorin Rosina Ostler, die die junge Köchin aus Erkelenz in ihrer Vorbereitung auf das Mailänder Finale unterstützen wird: »Ihr Vorteil war die Fantasie und Kreativität in ihrem Konzept. Sie ist ein ungeschliffener Diamant, mit ein paar Stellschrauben können wir da geschmacklich und handwerklich noch einiges herausholen.«