Falstaff-Talk mit André Kaiser: «Trotz der hohen Ansprüche entsteht eine sehr kollegiale Atmosphäre»
Im Rahmen des Gourmetfestivals «Culinary Heights Andermatt» sprach Falstaff mit André Kaiser. Der gebürtige Deutsche ist Director of Culinary des Luxushotels «The Chedi Andermatt» und Mit-Organisator des Events, der am 14. März 2026 zum zweiten Mal 120 Gourmets nach Andermatt brachte.
Falstaff: Es gibt in der Schweiz schon einige Gourmetfestivals. Warum haben Sie beschlossen, noch eines zu gründen?
André Kaiser: Unser Anspruch war, ein neues Format zu schaffen, das sich klar von bestehenden Events abhebt. Gemeinsam mit «The Chedi Andermatt» General Manager Jörg Arnold wollte ich ein einzigartiges Gourmeterlebnis entwickeln, das es in dieser Form in der Schweiz noch nicht gab. Bewusst haben wir das Event wie eine kulinarische Safari konzipiert. Die Gäste sollen an einem einzigen Tag die Möglichkeit haben, unsere aussergewöhnliche Destination und ausgewählte Hotspots kennenzulernen und dabei exklusive Gerichte von Spitzenköchen zu erleben.
Das «Culinary Heights Andermatt» fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Wie war die zweite Ausgabe im Vergleich zur ersten?
Bereits nach der ersten Durchführung war für uns klar, dass wir das Format jährlich weiterführen möchten, nicht zuletzt aufgrund des durchweg positiven Feedbacks von Gästen und Einheimischen. Das hat sich mit der zweiten Ausgabe bestätigt. Umso mehr freut es uns, dass auch renommierte Gastköche wie Christian Jürgens ihre Teilnahme fortsetzen möchten.
Andermatt hat sich in den letzten Jahren als Tourismus- und Luxusdestination stark entwickelt. Welche Rolle spielt dieser Kontext für das Festival – profitiert nur das «Culinary Heights» davon, oder ist das Festival auch umgekehrt ein Motor für den Ort?
Für uns ist es zentral, die Destination Andermatt nicht nur zu repräsentieren, sondern sie auch aktiv weiter zu profilieren. Das Festival steht dabei in einem engen Wechselspiel mit der Entwicklung des Ortes: Natürlich profitieren wir von der gewachsenen Strahlkraft Andermatts als hochwertige Tourismus- und Genussdestination – gleichzeitig trägt das «Culinary Heights» aber auch dazu bei, diese Positionierung weiter zu stärken. Wir verstehen das Festival bewusst nicht als isoliertes Event, sondern als Teil eines grösseren Ganzen. Es bringt zusätzliche Aufmerksamkeit, zieht ein internationales Publikum an und schafft Erlebnisse, die über den Moment hinauswirken. Damit wird Andermatt nicht nur als luxuriöser Rückzugsort wahrgenommen, sondern auch als lebendiger Ort für Kulinarik, Begegnung und Inspiration.
Sie haben hier hochkarätige Köche versammelt. Findet ein Austausch zwischen ihnen statt? Haben Sie etwas besonderes gelernt von den anderen teilnehmenden Köchen?
Der Austausch zwischen den Gastköchen beginnt tatsächlich schon viele Monate vor dem Event. Es geht früh darum, Ideen zu teilen, Konzepte abzustimmen und sich auch persönlich kennenzulernen. Dadurch entsteht bereits im Vorfeld eine besondere Dynamik und Vorfreude. Vor Ort wird dann deutlich, wie inspirierend diese Zusammenarbeit ist. Was mich immer wieder beeindruckt: Auf diesem Niveau arbeiten wir alle mit einer grossen Leidenschaft, aber auch mit viel Freude und viel Witz. Trotz der hohen Ansprüche entsteht eine sehr kollegiale Atmosphäre. Besonders spannend ist, dass man sich auf eine fremde Küche, eine neue Brigade und andere Abläufe einlassen muss. Genau darin liegt ein grosser Lerneffekt – Vertrauen ins Team, Flexibilität und das gemeinsame Ziel, etwas Aussergewöhnliches zu schaffen. Gleichzeitig entstehen neue Ideen, wertvolle Impulse und vor allem persönliche Verbindungen und Erinnerungen, die über das Jahr hinaus bestehen und uns im Austausch halten.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des «Culinary Heights»?
Wir wünschen uns, dass das «Culinary Heights» auch in Zukunft bewusst klein und exklusiv bleibt. Die limitierte Gästezahl – rund 120 Personen – ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts, weil sie es ermöglicht, in kleinen Gruppen von maximal 25 Gästen ein sehr persönliches und intensives Erlebnis an verschiedenen Locations zu schaffen. Genau diese Nähe, Qualität und besondere Atmosphäre möchten wir unbedingt bewahren. So entstanden auch viele neue Freundschaften, die sich im ersten Jahr getroffen haben und das Event nun jährlich zusammen erleben möchten. Und ganz pragmatisch: Natürlich hoffen wir jedes Jahr auch auf bestes Wetter – möglichst ohne Wind für die Gondelfahrt!
Haben Sie einen Traumgast, den Sie gerne einladen würden in den nächsten Jahren?
Ein grosser Wunsch wäre es, einige meiner früheren Weggefährten und Fast-Weggefährten aus Singapur für ein gemeinsames Erlebnis in die Berge zu holen. Besonders denke ich dabei an Yannick Alléno aus Paris, den ich sehr schätze. In Singapur haben wir gemeinsam an einem Pop-up in «Gardens by the Bay» gearbeitet. Dabei war er mir und meinem Team gegenüber sehr wertschätzend, eine Haltung und Menschlichkeit, die mich bis heute beeindruckt und die ihn für mich zu einem ganz besonderen Gast machen würde.
Ebenso würde ich mich freuen, Anne-Sophie Pic einzuladen. Sie ist eine herausragende Köchin und betreibt weltweit mehrere Restaurants mit insgesamt zehn Michelin-Sternen – ein absoluter Rekord. Wir hätten uns damals in Singapur beinahe kennengelernt: Sie sollte im «Raffles» ein Restaurant eröffnen, während ich im «Fairmont Hotel» auf der gegenüberliegenden Seite war, und wir beide für «Accor» gearbeitet haben. Aufgrund von Covid kam es leider nicht zustande uns zu begegnen; umso schöner wäre es, dieses Kennenlernen nun in der Schweiz nachzuholen.
6490 Andermatt
Schweiz