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Wenn Essen zur Beziehungsprobe wird: Stecken Sie in einer »Food-Gap«-Partnerschaft?

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Liebe kann durch den Magen gehen – doch manchmal sind Geschmäcker so unterschiedlich, dass der Teller zum Test wird. Wenn Essensvorlieben zur Beziehungskrise führen, können Paare trotz sogenannter »Food Gap« zusammenfinden?

Waren Sie schon einmal auf Dating-Plattformen unterwegs? Dann könnte Ihnen aufgefallen sein, dass Nutzer:innen äußerst gerne Essensvorlieben in ihren Profilen erwähnen. Sätze à la »Leidenschaftliche Sauerteigbrot-Bäckerin«, »Immer für gutes Essen und ein Glas Wein zu haben« oder »Wenn du Ananas auf deiner Pizza isst, swipe weiter« stellen keine Seltenheit dar. Schließlich sind kulinarische Präferenzen ein guter Indikator dafür, ob es matchen könnte.

Die Annahme vertritt ebenfalls Bonnie Winston, eine New Yorker Match Makerin, die damit ihr Geld verdient, Menschen zu verkuppeln. Ihr Business scheint zu boomen: Wer ihren Service in Anspruch nehmen möchte, muss mit einer drei-monatigen Wartezeit rechnen. Beim Screening ihrer Klienten fragt sie unter anderem nach ihrem liebsten Zeitvertreib, um Menschen mit gleichen Interessen verknüpfen zu können. Die mit Abstand beliebteste Antwort lautet »Essen gehen«, verriet sie gegenüber der New York Times. Dass Liebe durch den Magen gehen soll, kommt schließlich nicht von ungefähr.

Willkommen in einer inter-kulinarischen Beziehung

Und doch gibt es sie zuhauf: Paare, deren Mägen offenbar unterschiedliche Sprachen sprechen. Sie haben weder den gleichen Geschmack noch teilen sie dieselben Vorlieben auf dem Teller – und führen damit, bewusst oder nicht, eine »Food Gap«-Beziehung. In Anlehnung an »Age Gap«-Partnerschaften, in denen der Altersunterschied eine Rolle spielt, beschreibt der Begriff eine spürbare Kluft in kulinarischen Fragen. Während sich beispielsweise die eine Person am Fine-Dining-Menü erfreut, ist für die andere das Baguette und die Butter zu Beginn das kulinarische Highlight – und ein Teller Pommes hätte es auch getan.

Ob sich jemand vegan ernährt sei laut Winston erfahrungsgemäß der größte »Streitpunkt«. Hinzu kommen unzählige andere Faktoren, die die Gemüter spalten können. Trinkt man Alkohol, gönnt man sich zuweilen teures Sushi, möchte man auf Reisen traditionelles Essen kosten oder reichen einem die Chicken Nuggets vom Hotel-Buffet, wie oft in der Woche wird beim Lieferservice bestellt, kauft man Bio – oder ist das für jemanden eine Bezeichnung, die man nur im Kontext mit Mülltrennung kennt.

Meal Breaker: Kann Essen ein Trennungsgrund sein?

Eine Food-Gap kann so gravierend sein, dass manche Menschen sogar auf Foren wie Reddit um Rat suchen und fragen, ob so etwas schon als Trennungsgrund zähle. »Er ist extrem wählerisch und möchte im Grunde nur Hähnchen, Steak, Reis und Gemüse essen. Ansonsten ist er ein toller Typ – aber ich bekomme den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass es deshalb wohl doch nicht passt.« schreibt eine Userin.

Der Rat, der auf ihren Beitrag folgt, könnte unterschiedlicher nicht auffallen. Schließlich ist das Thema Essen eines, das alle Menschen betrifft – und das täglich. Während einige davon überzeugt sind, dass unterschiedliche Essgewohnheiten und Vorlieben legitime Trennungsgründe seien, sind andere gegenteiliger Meinung: »Wenn Sie fest entschlossen sind, diese Beziehung zum Funktionieren zu bringen, und diesen Menschen lieben, werden Sie einen Weg finden, die Unterschiede auszugleichen«, rät ein User.

Eine Frage des Geschmacks

Natürlich spielt auch die Größe des Grabens eine Rolle. Wie stark unterscheidet man sich im Bezug auf Essen tatsächlich? Können zwei Menschen unterschiedliche Vorlieben und Prioritäten nicht nur akzeptieren, sondern dem anderen sogar seinen individuellen Genuss lassen, ohne dass sich jemand dauerhaft eingeschränkt oder allein fühlt? Und muss man die Leidenschaft fürs Essen zwingend mit dem Partner teilen – oder reicht dafür ein Kreis Gleichgesinnter? Am Ende sind all dies Entscheidungen, die persönlich getroffen werden müssen. Eine Frage des Geschmacks.

Vielleicht hat die Antwort darauf weniger damit zu tun, was auf dem anderen Teller liegt, und mehr mit dem Umgang miteinander. Aus psychologischer Sicht sind es nicht die Unterschiede selbst, die Beziehungen brüchig machen, sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben: Wird Essen zum Stellvertreter für Nähe, Interesse und gemeinsame Zeit, kann eine »Food Gap« schnell wie ein emotionales Defizit wirken. Bleibt jedoch Raum für gegenseitige Neugier und eigene Genussräume, verleiht das der Partnerschaft wieder Schärfe. Vielleicht ist demnach das beste Rezept eine Prise Gelassenheit, etwas Kompromissbereitschaft und gegenseitiges Freude für einander – und eine große Portion Verständnis.


Célin Röser
Célin Röser
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