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Food for Fuel: Hinter den Kulissen der Olympischen Kantine

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Im Olympischen Dorf filmen Athleten ihre Mahlzeiten für Social Media – manche werden so fast bekannter als für ihre sportlichen Ergebnisse.

Bei Olympischen Spielen entscheidet nicht nur die Hundertstelsekunde über Gold, Silber oder Bronze. Auch das, was auf den Tellern landet, ist Teil der Leistungsstrategie. Nach den Diskussionen rund um die Verpflegung bei den Sommerspielen 2024 in Paris, wo Athlet:innen über zu geringe Proteinmengen, knappe Portionen und lange Wartezeiten klagten und einzelne Delegationen sogar eigene Köche engagierten, stand für die Organisatoren der Winterspiele 2026 fest: Die Kantine darf kein Risiko sein. In Mailand-Cortina wurde sie deshalb von Anfang an als Hochleistungsinfrastruktur gedacht.

Die Dimensionen sind gewaltig. Rund drei Millionen Mahlzeiten werden während der Spiele ausgegeben, allein im Olympischen Dorf in Mailand täglich etwa 3.400 Portionen für rund 1.500 Athleten und Teammitglieder. Zwischen Mittag- und Abendservice werden dort etwa 4.500 Kilo Pasta und 3.000 Kilo Salat verarbeitet. Hinzu kommen weitere Standorte in Cortina, Predazzo, Bormio, Livigno und Antholz, die nach identischen Standards arbeiten. Die Küchen sind rund um die Uhr geöffnet, weil Trainingspläne und Wettkampfzeiten keinen klassischen Rhythmus kennen. Sechs große Selbstbedienungsstationen im Dorf verteilen die Gäste, reduzieren Wartezeiten und erhöhen die Lebensmittelsicherheit – ein sensibles Thema, denn selbst leichte Magen-Darm-Beschwerden können für Spitzensportler:innen das Aus bedeuten.

Essen als Treibstoff

Organisatorisch funktioniert die Kantine wie ein präzise getaktetes Logistikzentrum. Verantwortet wird das Ernährungssystem von Elisabetta Salvadori, Leiterin des Bereichs Speisen und Getränke der Stiftung Mailand-Cortina 2026. Gemeinsam mit Ernährungswissenschaftlern und Sportberatern entwickelt sie die Speisepläne, definiert Nährwertstandards und überwacht Lebensmittelsicherheit sowie Rückverfolgbarkeit. Die tägliche Produktion übernehmen spezialisierte Catering-Unternehmen wie »Elior Ristorazione«, die auf Großverpflegung unter streng kontrollierten Bedingungen ausgelegt sind. Mehrere Produktionslinien, klar getrennte Allergenbereiche, permanente Temperaturkontrollen und dokumentierte Lieferketten sind Standard. Rund 50 Mitarbeitende sorgen allein im Dorf Mailand dafür, dass die Logistik funktioniert.

Das Konzept folgt den Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees und steht unter dem Leitgedanken »Food for Fuel«: Essen als Treibstoff. Komplexe Kohlenhydrate für Ausdauer, klar definierte Proteinquellen für Regeneration, kontrollierte Fettanteile für Bekömmlichkeit. Gleichzeitig müssen unterschiedlichste Ernährungsweisen berücksichtigt werden – vegetarisch, glutenfrei, zertifizierte Halal- und Koscher-Gerichte, individuelle Allergien. Für Spitzensportler:innen ist selbst eine leichte Unverträglichkeit ein Risiko; entsprechend hoch ist die Sensibilität für Hygiene und Standardisierung.

Viraler Wettkampf

Auf den Tellern zeigt sich dennoch Italien. Pasta (auch in Form der olympischen Ringe) ist zentraler Bestandteil, nicht als Klischee, sondern als pragmatische Lösung: universell akzeptiert, gut verträglich, flexibel kombinierbar. Dazu kommen Risotto, Polenta, Hülsenfrüchte, Geflügel, Fisch, Gemüse und Käse, teilweise aus biologischem Anbau oder mit geschützter Ursprungsbezeichnung.

Dass diese Strategie aufgeht, zeigt sich weniger in offiziellen Statements als in sozialen Medien. Die Kantine ist in diesen Tagen einer der meistgezeigten Orte auf TikTok. Und anders als 2024 dominieren keine Beschwerden die Feeds, sondern spontane Videos von Athlet:innen mit Tabletts voller Lasagne, Gnocchi oder Tiramisu. Manche probieren erstmals Büffelmozzarella oder stehen staunend vor einem ganzen Parmesanlaib. »Epic lasagna«, »best pasta ever«, »this is insane«, heißt es dann, als wäre die Kantine zur eigenen Sportstätte geworden. Die goldene Medaille würde dort ganz klar an die Kanadische Eishockeyspielerin Natalie Spooner gehen, die mit ihren Test-Videos viral gegangen ist. Plötzlich ist das Essen im Olympischen Dorf nicht nur zur Energiequelle, sondern zum viralen Wettkampf geworden, bei dem jede Gabel, jeder Bissen zählt.

 


Redaktion
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