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© Shutterstock/AnnaStills

Forscher fordern: Fleischalternativen brauchen klare Regeln

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Die Nachfrage nach Fleischersatz wächst, doch Transparenz und Regeln bleiben lückenhaft. Europäische Wissenschaftler:innen drängen auf einen politischen Rahmen.

Europäische Forscher:innen fordern, dass die EU strikte Leitlinien für Fleischalternativen vorgibt – von Pflanzen über Insekten bis hin zu im Labor gezüchtetem Fleisch. Konventionelle Fleischproduktion verursacht einen erheblichen ökologischen Fußabdruck. Doch wer auf nachhaltigere Eiweißquellen umsteigen will, bewegt sich derzeit in einem regulatorischen Niemandsland, geht aus einem Bericht der »European Academics Science Advisory Council« (EASAC) hervor. Innovationen müssten gefördert, zugleich aber Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz gewährleistet werden, heißt es darin.

»Europas zukünftige Generationen werden wahrscheinlich mit weniger Fleisch auf ihren Tellern aufwachsen – und das könnte sowohl notwendig als auch vorteilhaft sein«, so Bert Rima, Vorsitzender der EASAC-Arbeitsgruppe. Es gelte, Klima- und Biodiversitätsziele, öffentliche Gesundheit und Ernährungssicherheit in Einklang zu bringen. Der politische Rahmen hinke bisher deutlich hinterher.

Milliardenmarkt im Umbruch

Dass es hier nicht um eine Nische geht, zeigt ein Blick auf den Markt: 2024 betrug das weltweite Volumen für Fleischersatzprodukte 7,24 Milliarden US-Dollar. Europa hält daran einen Anteil von mehr als 42 Prozent. Während europäische Bürger im Schnitt pro Jahr 22 Kilogramm tierische Proteine konsumieren, sind es nur 16 Kilogramm pflanzliche. Der Bedarf an Alternativen wächst aber.

Skepsis bei Konsument:innen

Doch die Hürden sind beträchtlich: Geschmack, Textur, Natürlichkeit und Preis bleiben die entscheidenden Hindernisse. Weiters haben viele Konsument:innen Vorbehalte gegenüber mit neuen Technologien kultiviertem Fleisch. Ohne transparente Regeln drohe das Vertrauen der Öffentlichkeit zu verschwinden, warnen die Forscher:innen in dem Bericht.

Außerdem muss man auch die gesundheitlichen Fragen im Auge behalten. Fleischalternativen könnten zwar zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen, betont die EASAC. Zugleich gebe es aber noch wenig Daten über die langfristigen Auswirkungen neuer Produkte. Bei verarbeiteten pflanzlichen Alternativen bemängeln die Wissenschaftler:innen zu hohe Anteile an Salz und gesättigten Fetten.

Notwendig sei daher vollständige Transparenz: nicht nur bei den Zutaten, sondern auch bei der Verarbeitung und den Umweltauswirkungen. Nur so lasse sich Vertrauen schaffen und eine informierte Wahl ermöglichen.

Gestaltung als politische Aufgabe

»Europa hat die Werkzeuge und die Innovationskraft, um weltweit führend zu sein«, sagt Hanna Tuomisto, Professorin für nachhaltige Lebensmittelsysteme und Mitautorin des Berichts, in einer Aussendung. Der Übergang zu nachhaltigen Proteinen müsse aber sozial und politisch gestaltet werden. Sonst drohe, dass sowohl der ökologische Vorteil als auch das Vertrauen der Konsument:innen verloren gehen.

Die Botschaft an die Politik: Wer den Wandel hin zu alternativen Proteinen gestalten will, darf ihn nicht allein den Märkten überlassen. Ohne klare Leitplanken könnte die große Chance, Fleisch durch umweltfreundlichere Optionen zu ersetzen, ungenutzt bleiben.


 

Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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