Maximilian Riedel: »Champagnerflöten verwende ich gar nicht mehr«
Maximilian Riedel, CEO des Glasherstellers Riedel, stellt Schaumweingläser in verschiedenen Formen her – mitunter für legendäre Champagnerhäuser. Der Weinliebhaber hat eine klare Haltung zum richtigen Glas für maximalen Schaumweingenuss.
Falstaff: Maximilian Riedel, Sie sind bekannt für Ihren exklusiven Weingeschmack. Was ist Ihr liebster Schaumwein?
Maximilian Riedel: Ich bin eher der traditionelle Typ – ich liebe klassischen Champagner.
Aus welchem Glas trinken Sie ihn am liebsten?
Das kommt auf den Champagner an. Es ist wie beim Stillwein: Der Weintyp entscheidet über das richtige Glas. Für einen Jahrgangschampagner verwende ich ein anderes Glas als für eine Standard-Cuvée.
Sie haben Glasserien für Champagnermarken wie Krug oder Dom Pérignon entworfen. Wie meistert man die Herausforderung, für solche Legenden Gläser zu designen?
Begonnen hat alles mit Dom Pérignon. Der damalige Kellermeister, Richard Geoffroy, kontaktierte mich, weil er für den Dom Pérignon Rosé ein anderes Glas haben wollte. Seine Wahl fiel auf unser Pinot-Noir-Glas, ein Rotweinglas, das war bahnbrechend und hat für hohe Wellen in der Weinwelt gesorgt. Aber er hatte recht! Er lud mich später wieder ein, als er das Zepter an den jetzigen Kellermeister Vincent Chaperon übergeben hat. Gemeinsam haben wir dann das Riedel-Dom-Pérignon-Glas entworfen. Wir haben in mehreren Workshops viele Jahrgänge weit zurück verkostet und so ein Glas entwickelt, das tatsächlich allen Dom-Pérignon-Jahrgängen gerecht wird – auch den Rosés.
Und zu allen anderen Champagnern passt es auch, nehme ich an?
Es ist natürlich ein hervorragendes Champagnerglas, aber wirklich auf das einzigartige Profil von Dom Pérignon zugeschnitten. Es war die erste Champagnermarke, die klar sagte, dass man an Champagner auch riechen soll. Der Duft macht den großen Unterschied!
Folgerichtig ist der Kelch die richtige Form für Champagner und hochwertige Schaumweine allgemein – warum haben Sie bei Riedel noch Flöten im Sortiment?
Ganz ehrlich – ich persönlich verwende die Flöte nicht mehr, weil es einfach nur das halbe Erlebnis ist. Doch die Glasform wird nach wie vor stark nachgefragt. Leider zeigt die Flöte beim Champagner immer das Aroma, das die Champagnerhäuser eigentlich nicht zeigen wollen: die Hefe. Egal, von welcher Marke das Glas ist. Wenn man die Nase in eine Flöte zwingt, hat man praktisch nur das getoastete Brotaroma.
Warum wird sie dann noch verwendet?
Die Flöte hat Vorteile, die nichts mit dem Weinerlebnis zu tun haben. Es ist das einzige Weinglas, das bis oben gefüllt wird, das macht die Gäste – vor allem in der Gastronomie – glücklich. Es ist auch logistisch interessant; es passen weitaus mehr Flöten auf ein Serviertablett als kelchförmige Gläser.
Was ist mit der Champagnerschale? Ist die besser geeignet für den Schaumweingenuss?
Wer aus so etwas Champagner trinkt, ignoriert das Produkt. Ich erinnere mich an das erneute Aufkommen der Schalen im Zuge von Sofia Coppolas Film »Marie Antoinette« im Jahr 2006. Plötzlich schlürften gefühlt alle aus Champagnerschalen. Etwas anderes kann man damit auch nicht tun, denn wenn man aus einer Schale nicht schlürft, hat man Angst, sich zu bekleckern. Doch das Saugen führt nicht nur zum Aufstoßen der Kohlensäure, sondern verstärkt auch den Säureeindruck. Ich mag keinen sauren Wein, entsprechend ist die Champagnerschale für mich ein absolutes No-Go. Ich bin Weinliebhaber – Fashion interessiert mich hier nicht.
Wenn man mal kein modernes Schaumweinglas zur Hand hat, kann man ein normales Weinglas für Schaumwein verwenden?
Ein Riesling- oder ein Sauvignon-Blanc-Glas passt meist bestens, je nach Wein auch ein Pinot-Noir-Glas. Auf keinen Fall sollte man ein Chardonnay-Glas verwenden. Die breite Öffnung führt zum selben Effekt wie bei der Champagnerschale. Die Säure wird überbetont.
Immer wieder hört man, dass man Schaumwein auch dekantieren kann – ist das wahr?
Grundsätzlich ja – aber nicht generell. Man muss die Frage stellen, warum man das tut. Gerade junge Jahrgangschampagner profitieren davon, genauso wie jüngere, große Chardonnay-Weine – sie werden fruchtbetonter. Wichtig ist, dass man das beim Schaumwein sehr vorsichtig macht und darauf achtet, dass die Temperatur erhalten bleibt. Es muss also eine Karaffe sein, die in den Kühlschrank oder noch besser ins Eisbad passt. Ich erinnere mich, wie Piper Heidsieck die Tête de Cuvée Rare auf den Markt gebracht hat, da lag jeder Flasche ein Riedel-Amadeo-Decanter bei. Ein gewaltiges Statement! Sie waren die Ersten, die gesagt haben, dass man Schaumwein dekantieren kann.
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