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 © Shutterstock KI

Sieben Typen, die man in einem Drei-Sterne-Restaurant trifft

Restaurant
Interview

Vom hoffnungslosen Romantiker bis hin zum Sternesammler: Der Instagram-Account »The Jaded Euro« liefert Einblicke in einen exklusiven Mikrokosmos – und zeichnet ein satirisches Panorama der Haute Cuisine.

Zwischen kunstvoll angerichteten Tellern, gedämpftem Licht und leisen Stimmen entfaltet sich in einem Drei-Sterne-Restaurant eine eigene Welt. Präzision und Perfektion liegen in der Luft, jeder Gang ist Teil eines sorgfältig komponierten Abends – und jede Person im Raum eine kleine Geschichte für sich.

Der professionelle Menschenbeobachter

Der Instagram-Account »The Jaded Euro« beobachtet genau dieses Phänomen. Er nennt sich selbst Professional People Watcher – ein professioneller Menschenbeobachter. Seine Posts sind kleine soziologische Miniaturen über das Leben zwischen Statussymbolen, Privilegien und Eigenheiten des guten Geschmacks.

Die Idee dazu kam ihm, erzählt er gegenüber Falstaff, in der Fondation Maeght im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence: Dort sah er die Skizzenbücher von Künstlern, die Menschen porträtierten und mit kurzen Notizen versahen. »Ich mochte diesen Gedanken, flüchtige Menschentypen einzufangen«, sagt er. »Also begann ich, dasselbe für die Welt zu tun, die ich kenne.«

Einer seiner jüngsten Beiträge trägt den Titel »The 7 Diners you’ll meet at a Michelin 3-Star Restaurant« – sieben Typen, die man, so meint er, fast immer in einem Drei-Sterne-Restaurant antreffen kann. Ein satirisches Gesellschaftspanorama zwischen Haute Cuisine, Eitelkeit und echter Leidenschaft für gutes Essen.

Der Sternesammler

Er besucht Restaurants, um Michelin-Sterne zu »sammeln« und spricht ausgiebig mit den Küchenchefs, um später damit anzugeben. Beruflich ist er Senior Principal in einer Pharma-Boutiqueberatung. Er bestellt das komplette Degustationsmenü, achtet dabei besonders auf die Spezialität des Hauses. Am nächsten Tag teilt er seine »Errungenschaften« auf LinkedIn, während Kollegen höflich gratulieren.

Die, die den Sponsor nicht taggt

Sie fotografiert ihr Essen für Instagram-Storys in einem »casual wealth«-Stil und schneidet dabei ihren Begleiter aus den Bildern heraus. Außerhalb des Restaurants ist sie eine desillusionierte Frau Mitte zwanzig auf Raya (Dating-App). Sie bestellt Kaviar, Trüffel und Wagyu und wird beim Bezahlen nicht so tun, als müsste sie nach der Handtasche greifen. Nach dem Dinner bedankt sie sich beim Date, küsst ihn auf die Wange und teilt die Fotos des Essens dann später mit dem nächsten Verehrer.

Der übertrieben großzügige Romantiker

Er ist hier, um beim ersten Date seine Begleitung zu beeindrucken. Außerhalb des Restaurants ist er ein wohlhabender Mann um die 30, der glaubt, Geld könne Charme ersetzen. Er bestellt das Degustationsmenü und die schwer auszusprechende Weinflasche, um seine Weinkenntnisse zu präsentieren. Am Ende bestellt er ein Taxi, begleitet die Frau zur Haustüre, erwartet mehr – und fährt nach einem Kuss auf die Wange allein nach Hause.

Der Preisunempfindliche

Warum er hier ist? Weil Freitag ist und er sich ein wenig niedergeschlagen fühlt, dass er in seinen besten Jahren nicht viel Zeit mit seiner Familie verbracht hat. So versucht er, es wiedergutzumachen. Außerhalb des Restaurants ist er ein pensionierter CEO, der seine Zeit zwischen Essen, Backgammon, Infinity-Pool und Sauna verbringt. Er bestellt Krug Vintage 2011 für den Tisch, das Überraschungsmenü mit extra Kaviar und einen 2016er Château Cheval Blanc zum roten Fleisch.

Die kulinarische Touristin

Sie hat das Restaurant nach gründlicher Recherche ausgewählt und ist sogar extra angereist. Außerhalb des Restaurants ist sie eine junge Berufstätige aus Singapur, die hart arbeitet, um das Leben mit ihrem Freund genießen zu können. Sie bestellt das komplette Degustationsmenü mit Weinbegleitung. Danach bestellt sie das off-menu pochierte Birnen-Dessert, das im letzten Jahr in den Bewertungen besonders hervorgehoben wurde und verbringt anschließend die Nacht in einem nahegelegenen »Relais & Châteaux«-Haus, bevor es weiter zum nächsten Fine-Dining-Ziel geht.

Die, die etwas feiern

Sie sind seit 20 Jahren verheiratet und feiern diesen besonderen Anlass. Außerhalb des Restaurants sind sie ein glückliches Ehepaar mit einer Tochter, einer Katze und einem Süßwasseraquarium. Sie lassen sich vom Kellner empfehlen, was sie essen – das Menü ist Nebensache. Anschließend spazieren sie Hand in Hand zurück zum Auto; er scherzt, dass er overdressed war, sie bemerkt, dass die Gäste vor fünfzehn Jahren noch formeller gekleidet waren.


Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
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