Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Transparenz auf Speisekarten: Kommt das Tierhaltungslabel in Restaurants?

Tierhaltung
Fleisch
Restaurant

Was im Supermarkt längst Standard ist, könnte bald auch auf Speisekarten erscheinen: die Kennzeichnung der Tierhaltung. Die Bundesregierung plant, das System auf Restaurants, Kantinen und Imbisse auszuweiten.

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung steht vor dem nächsten Schritt: Künftig soll sie nicht nur im Einzelhandel gelten, sondern auch dort sichtbar werden, wo Fleisch außer Haus konsumiert wird. Ein entsprechender Entwurf aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium sieht vor, dass Restaurants, Kantinen und Imbisse ihre Fleischgerichte mit dem bekannten Haltungslabel versehen – geplant ist die Einführung ab Anfang 2027.

Das System selbst ist bereits im Supermarkt etabliert. Es unterscheidet fünf Stufen, die Auskunft über die Haltungsbedingungen der Tiere geben – von »Stall« bis »Bio«. Eingeführt wurde die Kennzeichnung im Jahr 2023 zunächst für frisches, unverarbeitetes Schweinefleisch im Handel. Eine spätere Ausweitung auf weitere Bereiche war von Beginn an vorgesehen.

Kennzeichnungspflicht im Detail

Neu ist nun der Fokus auf die Gastronomie. Für Gäste würde damit auch im Restaurant nachvollziehbar, aus welcher Haltungsform das verarbeitete Fleisch stammt. Vorgesehen ist, die Angaben direkt auf Speisekarten, Preisverzeichnissen oder Aushängen zu platzieren. Auch importiertes Fleisch soll einbezogen werden.

Gleichzeitig versucht der Entwurf, die praktische Umsetzung zu berücksichtigen. So sollen Aktualisierungen der Angaben in der Regel wöchentlich ausreichen. Zudem sind Ausnahmen geplant: Betriebe, die kein Schweinefleisch anbieten, wären ebenso wenig betroffen wie Gerichte mit stark verarbeiteten Fleischbestandteilen, etwa Saucen oder gefüllte Teigwaren wie Maultaschen.

Die Vor- und Nachteile des Tierhaltungslabels in Restaurants

In der Branche wird das Vorhaben differenziert bewertet. Der Branchenverband DEHOGA und weitere Organisationen sehen vor allem organisatorische Herausforderungen. Sie verweisen auf wechselnde Lieferketten, kurzfristige Anpassungen im Einkauf und die damit verbundenen Dokumentationspflichten. Gerade kleinere Betriebe könnten dadurch stärker belastet werden.

Auf der anderen Seite steht das Ziel, Verbraucher:innen mehr Transparenz zu bieten. Die Kennzeichnung soll eine informierte Entscheidung erleichtern und das Thema Tierhaltung auch außerhalb des Einzelhandels sichtbarer machen.

Ob und wie sich das System in der Praxis bewährt, wird maßgeblich davon abhängen, wie gut sich die Anforderungen in den Arbeitsalltag der Gastronomie integrieren lassen. Klar ist: Die Diskussion über Herkunft und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln erreicht damit eine weitere Ebene.


Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 12