Zu ambitioniert? Das »Marburger Esszimmer« schließt
Michelin-Stern, Grüner Stern, viel Anerkennung – und dennoch kein dauerhaftes Publikum. Das »Marburger Esszimmer« beendet sein Green-Fine-Dining-Konzept zum 1. März.
Marburg verliert ein ausgezeichnetes Restaurant: Zum 1. März 2026 schließt das »Marburger Esszimmer«, das unter der Leitung von Kathrin und Denis Feix erst vor wenigen Jahren an den Start gegangen war. Das ambitionierte Konzept setzte von Beginn an auf Green Fine Dining – und wurde dafür früh belohnt: Bereits drei Monate nach der Eröffnung folgten ein Michelin-Stern sowie der Grüne Stern für Nachhaltigkeit.
Trotz dieser Anerkennung bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus. Ausschlaggebend für die Schließung ist nach Angaben der Betreibergesellschaft VILA VITA Marburg SE die dauerhaft zu geringe Auslastung. Für ein hoch spezialisiertes Gourmetangebot fehle es in Marburg und Umgebung schlicht an einem ausreichend großen, regelmäßigen Publikum.
Kein Abschied aus qualitativen Gründen
»Inhaltlich und kulinarisch war das Projekt außergewöhnlich stark«, erklärt Michael Hamann, Vorstand der VILA VITA Marburg SE. Die Entscheidung sei entsprechend schwergefallen. Gleichzeitig müsse man realistisch feststellen, dass ein solches Fine-Dining-Konzept eher in Metropolen wie Frankfurt, Berlin, Hamburg oder München tragfähig sei. Am Standort Marburg lasse sich diese Form der Spitzengastronomie langfristig nicht wirtschaftlich betreiben.
Die Unternehmensführung betont ausdrücklich, dass die Schließung nichts mit der Leistung des Teams zu tun habe. Kathrin und Denis Feix hätten das Restaurant über mehrere Jahre mit großer Konsequenz, Kreativität und handwerklicher Präzision geprägt.
Wie die Räumlichkeiten künftig genutzt werden, ist derzeit offen. VILA VITA Marburg prüft verschiedene Optionen und will sich bewusst Zeit für eine tragfähige Neuausrichtung nehmen. Ziel sei ein gastronomisches Konzept, das stärker auf die Bedürfnisse der Region zugeschnitten ist, ohne den eigenen Anspruch an Küche und Gastgeberkultur aufzugeben.