Insolvenzrekord seit 2011: Deutschlands Gastronomie steht unter Druck
Restaurantbesuche werden seltener, Kosten bleiben hoch – und die Zahl der Insolvenzen steigt weiter. Die Gastronomie steckt in einer Entwicklung, die sich zunehmend zuspitzt. Eine schnelle Entlastung ist derzeit nicht absehbar.
Es sind leider keine Einzelfälle mehr, sondern eine klare Entwicklung: Immer mehr gastronomische Betriebe in Deutschland müssen schließen. Laut einer aktuellen Auswertung der Wirtschaftsauskunft »Creditreform« sind die Insolvenzen in der Branche 2025 das vierte Jahr in Folge gestiegen. Mit mehr als 2.900 betroffenen Betrieben wurde der höchste Stand seit 2011 erreicht – ein Plus von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit entwickelt sich die Gastronomie deutlich schlechter als die Gesamtwirtschaft, in der die Insolvenzen zuletzt nur moderat zunahmen.
Anhaltende Belastung
Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass es sich nicht um eine kurzfristige Schwächephase handelt. Zwischen 2020 und 2025 wurden mehr als 11.200 Insolvenzen in der Gastronomie registriert. Insgesamt stellten in diesem Zeitraum rund 69.000 Restaurants, Cafés, Bars und Gaststätten ihren Betrieb ein.
Als Ursachen gilt eine Kombination mehrerer Faktoren: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, gestiegene Energiepreise und eine anhaltend hohe Inflation haben die Branche stark belastet. Staatliche Hilfen konnten während der Pandemie zwar viele Betriebe stabilisieren, haben die strukturellen Probleme jedoch nicht gelöst.
Hinzu kommen deutlich gestiegene Kosten. Vor allem Ausgaben für Personal, Waren und Energie haben seit 2022 teils erheblich zugenommen. Gleichzeitig bleibt der Spielraum für Preisanpassungen begrenzt.
Zurückhaltende Gäste
Auch auf Seiten der Konsumenten zeigt sich eine Veränderung. Viele Menschen geben derzeit weniger Geld für Freizeitaktivitäten aus – dazu zählen auch Restaurantbesuche. Laut einer »YouGov«-Umfrage sparen 42 Prozent der Befragten insbesondere in diesem Bereich.
Das wirkt sich unmittelbar auf die Umsätze aus. Neben selteneren Besuchen wird außerdem vor Ort sparsamer konsumiert – etwa durch den Verzicht auf zusätzliche Gänge wie Nachspeise oder Getränke. Parallel dazu gewinnt der Außer-Haus-Verzehr in Form von Lieferdiensten weiter an Bedeutung. Für viele Haushalte stellt dies eine günstigere und flexiblere Alternative dar.
Maßnahmen zeigen begrenzte Wirkung
Zu Jahresbeginn wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder auf sieben Prozent gesenkt, um die Branche zu entlasten. Eine deutliche Senkung der Preise für Verbraucher blieb jedoch aus. Viele Betriebe nutzen die steuerliche Entlastung vor allem, um gestiegene Kosten aufzufangen.
Die wirtschaftliche Lage bleibt demnach angespannt: Branchenexpert:innen gehen davon aus, dass sich der Trend auch 2026 fortsetzen könnte. Die Kombination aus hohen Kosten, zurückhaltender Nachfrage und strukturellen Veränderungen stellt viele Betriebe weiterhin vor große Herausforderungen.