Die gleiche Designeruhr zeigt in Worten die Zeit. Das gleiche Altrosa taucht das Gewölbe in ein dezent schummriges Licht. Annett Poussin schafft wie seit jeher Speis und Trank heran. Nur Walter Bauer ist seit Ende 2022 weg. Der Bayer Marcus Duchardt übernahm damals – als Küchenchef und Patron – ein Lokal, das über Jahrzehnte von seinem Patron geprägt worden war. Ein schwieriges Unterfangen, doch Duchardts Entscheidung, den alten Kurs zu halten, scheint aufgegangen zu sein. Nur eine größeres À-la-carte-Angebot tut sich der Mann nicht an. Aus zwei Menüs – einem recht altmodisch »Fantasie« genannten und einem kleinen »Champagner-Menü« – stehen insgesamt acht Gänge zur Wahl, zuzüglich Käse und Dessert. Die Idee, Foie gras mit einer Schicht Chorizo Pep und Würze zu verleihen, geht voll auf. Stimmig: Atlantikrochen als Brandade mit Zitrone und Kapern. Back Angus kommt in zwei Gängen – geschmort unter Nudelblatt mit Kräuter-Koji-Jus und gebraten mit Karotte und Schalotte. Käse von Antony ist stets vorrätig. Und danach Baba au Rhum. Im besten Sinn althergebrachte Klassik mit Niveau wie hier findet man in Wien sonst nirgendwo. Dazu die 28-seitige Weinkarte mit allen vier Seiten Champagner, vielen Halbflaschen und – auch das blieb – sehr fairer Kalkulation.