Wer im Ortskern von Schwarzach im Pongau nach gepflegter Gastronomie Ausschau hält, findet allerlei Kneipen, Pubs und Imbisse. In anderen nahen Gemeinden drunt im Tale ist die Versorgungslage nicht anders. Die einzige Chance – ein paar Kurven hinauf ins pittoreske St. Veit mit prächtigem Marktplatz, Greißlerei, diversen Einkehrstationen und einem quasi neuen alten Wirtshaus. Vitus Winkler, weithin bekannt für sein Gourmet-Restaurant »Kräuterreich«, baute sein äußerlich modernes Hotel um eine Gaststube herum, die seine Großmutter 1928 als Teil einer Café-Pension eröffnet hatte. Lange diente die historische Zirbenstube der Verpflegung der Hausgäste, seine Menüs servierte Winkler im Wintergarten. Die Übersiedlung des »Kräuterreich« in einen neuen Bereich gab den Anlass, die historische Stube und die rekonstruierte schwarze Stube mit extravagantem kohlrabenschwarzem Mobiliar zum »Wirtshaus« zu erklären. Mit teils ganz »normalem« Angebot. So kann man hier ebenso auf Rindsuppe, Schwammerl-Gulasch (von Flachgauer Bio-Pilzen) oder Cordon bleu (vom Fritztaler Freilandschwein) einkehren wie auch für Elaborierteres. Schon beim Gedeck fällt auf: Kräuteraufstrich, oftmals eine blasse Convenience-Spachtelmasse, ist hier eine tiefgrüne Köstlichkeit. Kalbsleberparfait kommt mit Portweinkirschen, Kakaoerde, Mädesüß und Buttermilch-Kräuteremulsion. Die »Alpine Bouillabaisse« ist ein kraftstrotzender, paprizierter Sud mit ordentlich Lachsforelle, Alpengarnele und Fencheltascherl. Originell: eine Interpretation des Clubsandwich mit Rote-Bete-Focaccia, natürlich ganz vielen Kräutern und Pastrami. Und Pflicht, wenn zu haben: Moosbeernocken.