Cholesterin im Check: Das müssen Sie wissen
Sein schlechter Ruf als Inbegriff des Herzinfarktrisikos begleitet das Cholesterin bereits seit den 1950er-Jahren. Dabei hat der »Fettstoff« nicht nur eine schlechte, sondern auch eine gute Seite – der Lebensstil bestimmt, welche überwiegt.
Kaum ein Stoff hat ein so zwiespältiges Image wie Cholesterin: Mal gilt der polyzyklische Alkohol als Übeltäter, dann wieder als lebenswichtiger Stoff. Die Wahrheit liegt dazwischen. Denn der fettartige Stoff stabilisiert die Zellmembran und ist eine essenzielle Vorstufe von Gallensäuren, Hormonen und Vitamin D. Um über das Blut von A nach B zu gelangen, benötigt Cholesterin allerdings sogenannte Lipoproteine; hier hat die bekannte Unterscheidung in »Gut« und »Schlecht« ihren Ursprung. »Das ›gute Cholesterin‹ – das Lipoprotein hoher Dichte (HDL-C) – transportiert überschüssiges Cholesterin zur Leber, während Lipoprotein niedriger Dichte (LDL-C), das ›schlechte Cholesterin‹, den Fettstoff in die Zellen bringt«, erklärt Biochemiker Michael Wäger. LDL-C gilt als Hauptursache für Arterienverkalkungen, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.
Zu viel des Schlechten: LDL senken
Erhöhte LDL-C-Werte können genetisch bedingt sein, entstehen aber häufig auch durch ein Zusammenspiel aus Bewegungsmangel sowie einer zucker- und fettreichen Ernährung und werden durch Tabak- und Alkoholkonsum befördert. »Cholesterin aus der Nahrung, etwa aus Eiern, hat hier kaum Einfluss«, ergänzt der Biochemiker zum Mythos »ungesundes Ei«. Wie hoch die Werte sein dürfen, hängt von der persönlichen Risikokategorie – die Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen berücksichtigt – ab, so Wäger: »Je höher die Risikokategorie, desto niedriger sollte der LDL-Cholesterin-Wert sein.« Erhöhtes LDL-C behandeln Ärzt:innen je nach Risikokategorie zunächst mit einer Lebensstiländerung. Medikamente schließen dann etwaige Lücken zu den gesunden Zielwerten. »Eine seriöse Ärztin oder ein seriöser Arzt sollte nicht nur auf den ›einen‹ Laborwert vertrauen, sondern das Risiko infolge einer umfangreichen Anamnese beurteilen«, betont der Experte.
Wer Ernährung und Bewegung anpasst, kann hohen LDL-C-Werten aktiv vorbeugen. Dreimal 30 Minuten Sport pro Woche, etwa in Form von moderatem Laufen, »können das gute Cholesterin um rund fünf Prozent erhöhen und das schlechte um rund fünf Prozent reduzieren«. Hinsichtlich der Ernährung empfiehlt Wäger, Fleisch, Wurstwaren sowie fette Milchprodukte zu reduzieren und stattdessen zu Ballaststoffen sowie Fisch oder Fischöl zu greifen. Außerdem rät er zu Phytosterinen, die in angereicherter Margarine oder Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind: Durch ihre chemische Ähnlichkeit zum Cholesterin behindern sie dessen Aufnahme im Körper. Seine Empfehlung für jene, die von der Ärztin oder vom Arzt erstmalig »ermahnt« werden: »Berberin aus der Berberitze hilft dabei, das Cholesterin vom Blut in die Leber zu transportieren und kann dabei den LDL-Spiegel senken.« Von Präparaten mit Rotem Reis rät der Wissenschaftler aufgrund von Sicherheitsbedenken klar ab. So kann das Cholesterin vom Übeltäter zum Verbündeten werden – wenn wir seine »gute Seite« durch eine gesunde Lebensführung aktiv stärken.