Das sind die Benefits von Hot Pilates
Schweißtreibend, kraftvoll, heiß: Hot Pilates hat verschiedenste gesundheitliche Benefits. Pilatesstudio-Gründerin Aimé Breiner erklärt, was das Training in beheizten Räumen wirklich mit Körper und Nervensystem macht.
Kaum ein Fitnesstrend hat sich in den vergangenen Jahren so schnell verbreitet wie das Training in beheizten Räumen. Ursprünglich vom Bikram Yoga geprägt, das in den 1970er-Jahren mit einer festen Übungsfolge bei rund 40 Grad praktiziert wurde, hat sich das Prinzip längst auf andere Disziplinen übertragen. So entstand aus der klassischen Pilates-Methode an der Schnittstelle zwischen traditioneller Bewegungslehre und hochintensiven Trainingspraktiken eine neue, dynamischere Variante, die inzwischen auch hierzulande in immer mehr Studios angeboten wird. Im Interview mit falstaff HappyLife spricht Aimé Breiner, Gründerin des Wiener Pilates-Studios Maité, über die Unterschiede zwischen Hot und Heated Pilates, die gesundheitlichen Effekte der Wärme und darüber, worauf Einsteiger:innen achten sollten.
Aimé Breiner Wojnar
Aimé Breiner Wojnar verwirklichte zusammen mit ihrem besten Freund und Geschäftspartner Mike Sosiashvili im März 2023 gemeinsam ihren Traum: das Pilates-Studio Maité. Mit der Idee, einen Ort zu schaffen, der Barrieren abbaut und Menschen jeden Geschlechts und Fitnesslevels willkommen heißt, folgen sie dem Motto »Join the Reformation (at every level)«. Heute betreiben sie zwei Studios in Wien, in der Margaretenstraße (1040) und der Neubaugasse (1070), die Reformer, Mat Pilates und Yoga unter einem Dach vereinen.
© Sarah Rechbauerfalstaff HappyLife: Welche gesundheitlichen Vorteile bietet das Training in einem beheizten Raum im Vergleich zu klassischem Pilates bei Raumtemperatur?
Aimé Breiner Wojnar: Ein beheizter Raum kann die Muskulatur schneller erwärmen. Dadurch fühlen sich Bewegungen häufig flüssiger an und viele Teilnehmer:innen empfinden Mobilitäts- und Dehnübungen als angenehmer. Gleichzeitig steigt durch die Wärme die Herzfrequenz etwas stärker an als bei einem Training in normal temperierten Räumen, wodurch das Training auch das Herz-Kreislauf-System stärker fordert. Der größte Vorteil liegt für uns jedoch nicht darin, »mehr« zu leisten, sondern den Körper optimal auf die Bewegung vorzubereiten. Viele Menschen erleben die Wärme als unterstützend, um sich freier zu bewegen, Verspannungen zu lösen und bewusster in den eigenen Körper hinein zu spüren.
Darüber hinaus berichten viele unserer Teilnehmer:innen, dass sie nach einer Stunde nicht nur körperlich lockerer sind, sondern sich auch emotional ausgeglichener fühlen. Die Kombination aus Wärme, bewusster Atmung und konzentrierter Bewegung kann dabei helfen, innere Anspannung loszulassen. Die Wärme aktiviert das Nervensystem zunächst stärker, bevor anschließend die Erholungsphase einsetzt. Dieses Wechselspiel kann die Regeneration fördern und zu einem Gefühl von Ruhe, Klarheit und Ausgeglichenheit beitragen. Das ist auch der Grund wieso wir viele verschiedene Formate bei Maité 1040 auf der Matte anbieten: von Heated Pilates, Heated Fusion, Heated Yoga Sculpt, Heated Yin Yoga, Heated Dynamic Sculpt und Co.
Was genau ist der Unterschied zwischen Hot und Heated Pilates?
Aimé Breiner Wojnar: Der Unterschied liegt vor allem in der Raumtemperatur: Heated Pilates bei ca. 28–35 °C, Hot Pilates bei ca. 37 °C und mehr. Wir bewegen uns bewusst in diesem Temperaturbereich, weil wir überzeugt sind, dass Temperaturen zwischen 30 und 37 °C nahezu alle Vorteile eines Trainings in Wärme bieten: angenehm warme Muskulatur, mehr Beweglichkeit, ein intensiveres Körpergefühl und eine höhere Trainingsqualität. Einige klassische Hot-Konzepte arbeiten mit Temperaturen von 40 °C oder mehr. Diese stammen ursprünglich aus dem Bikram-Yoga.
Mittlerweile entscheiden sich jedoch immer mehr Studios bewusst für moderatere Temperaturen, da diese für die meisten Menschen angenehmer, sicherer und langfristig besser verträglich sind, auch für die Trainer:innen. Zusätzlich arbeiten wir mit Infrarot-Heizpaneelen. Im Gegensatz zu klassischen Heizsystemen erwärmen diese nicht in erster Linie die Raumluft, sondern geben eine gleichmäßige Strahlungswärme ab. Dadurch entsteht eine besonders angenehme Wärme, ohne dass sich die Luft stickig oder trocken anfühlt.
Welche Rolle spielt das Schwitzen bei Hot Pilates?
Aimé Breiner Wojnar: Schwitzen ist in erster Linie die natürliche Kühlfunktion unseres Körpers. Es bedeutet nicht, dass dadurch automatisch mehr Fett verbrannt oder der Körper »entgiftet« wird. Beim Hot Pilates zeigt das Schwitzen vielmehr, dass der Körper aktiv seine Temperatur reguliert. Viele Teilnehmer empfinden das intensive Schwitzen als befreiend und berichten von einem besonders angenehmen Körpergefühl nach der Stunde. Für uns steht der Kalorienverbrauch jedoch ganz bewusst nicht im Mittelpunkt. Wir würden niemandem empfehlen, eine Heated- oder Hot-Pilates-Klasse zu besuchen, um möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Unsere Philosophie ist eine andere.
Wir möchten Menschen dabei unterstützen, ihre körperliche und mentale Gesundheit nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt stehen Kraft, Beweglichkeit, Mobilität, Haltung, Stressabbau, Körperbewusstsein und langfristiges Wohlbefinden. Der Kalorienverbrauch ist lediglich ein möglicher Nebeneffekt – niemals das eigentliche Ziel. Viele Teilnehmer:innen berichten außerdem davon, dass sie nach der Stunde das Gefühl haben, nicht nur körperlich, sondern auch emotional Ballast losgelassen zu haben.
Gibt es Risiken oder Kontraindikationen, bei denen ihr von Hot Pilates eher abratet?
Aimé Breiner Wojnar: Ja. Hot und Heated Pilates sind grundsätzlich für gesunde Menschen gut geeignet. Dennoch gibt es Situationen, in denen wir von einem Training in beheizten Räumen abraten, etwa bei Schwangerschaft, akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unbehandeltem Bluthochdruck, fieberhaften Infekten, Kreislaufproblemen, starker Hitzeempfindlichkeit oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen, bei denen Wärme den Körper zusätzlich belasten könnte. Aus Sicherheitsgründen erlauben wir schwangeren Teilnehmerinnen grundsätzlich keine Teilnahme an unseren Heated- oder Hot-Pilates-Klassen. Während der Schwangerschaft verändert sich unter anderem die Temperaturregulation des Körpers. Deshalb möchten wir hier kein unnötiges Risiko eingehen und empfehlen stattdessen speziell auf Schwangere abgestimmte Bewegungsangebote oder ein Training nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Beweglichkeit: Durch die Wärme fühlen sich Muskeln und Bindegewebe oft lockerer an. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Gelenke plötzlich belastbarer sind. Gerade in beheizten Räumen besteht die Gefahr, sich zu stark zu dehnen oder Bewegungen über den individuell gesunden Bewegungsradius hinaus auszuführen, weil sich der Körper beweglicher anfühlt, als er tatsächlich ist. Deshalb legen wir in unseren Klassen großen Wert auf kontrollierte Bewegungen, saubere Technik und die bewusste Wahrnehmung der eigenen Grenzen. Grundsätzlich gilt: Gesundheit steht bei uns immer an erster Stelle. Unser Ziel ist es nicht, möglichst weit oder tief in eine Position zu kommen, sondern langfristig stärker, beweglicher und belastbarer zu werden, ohne den Körper zu überfordern. Deshalb respektieren wir individuelle Grenzen und empfehlen bei Unsicherheiten immer eine ärztliche Abklärung.
Was sollte man vor, während und nach einer Hot-Pilates-Stunde beachten, etwa in Bezug auf Flüssigkeitszufuhr?
Aimé Breiner Wojnar: Eine gute Vorbereitung macht einen großen Unterschied. Wir empfehlen, bereits 1–2 Stunden vor der Stunde ausreichend Wasser zu trinken, nicht mit völlig leerem oder sehr vollem Magen zu trainieren, während der Stunde regelmäßig kleine Schlucke Wasser zu trinken, nach dem Training den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und bei Bedarf auch Elektrolyte aufzunehmen, leichte, atmungsaktive Kleidung sowie ein Handtuch mitzubringen. Gerade bei der ersten Heated- oder Hot-Pilates-Stunde gilt außerdem: auf den eigenen Körper hören, Pausen einlegen, wenn nötig, und sich Zeit geben, sich an die Wärme zu gewöhnen.
Wie schnell merken Teilnehmer:innen erste körperliche Veränderungen, wenn sie regelmäßig Hot Pilates praktizieren?
Aimé Breiner Wojnar: Viele berichten bereits nach den ersten Einheiten von einem besseren Körpergefühl, mehr Beweglichkeit und einer verbesserten Haltung. Bei regelmäßigem Training – etwa zwei- bis dreimal pro Woche – werden häufig innerhalb von vier bis acht Wochen Veränderungen wie mehr Rumpfstabilität, bessere Muskeldefinition, gesteigerte Kraft und eine verbesserte Ausdauer wahrgenommen. Für uns sind diese körperlichen Veränderungen jedoch nur ein Teil des Ganzen. Mindestens genauso wichtig ist, dass sich Menschen im Alltag energiegeladener fühlen, Stress besser regulieren können, sich bewusster bewegen und langfristig etwas für ihre Gesundheit tun.