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Die heilende Kraft des Wassers

Gesundheit

Es macht uns nicht nur schön, sondern auch gesund: Wasser. Der heilenden Kraft des Elixiers werden wahre Wunder zugeschrieben. Durchaus zu Recht. Man darf sich wieder auf alte Methoden wie Kneippen und Thalasso besinnen, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Seit geraumer Zeit erfreut sich ein besonderer Trend unglaublicher Beliebtheit: Eis­baden. Ob seiner gesundheitsfördernden Einflüsse auf den Körper ist man sich meist einig, ­obwohl es – bei genauer Betrachtung – nur für gesunde Menschen geeignet ist. Dem ­regelrechten Hype um das kalte Nass stehen Kardiolog:innen kritisch gegenüber, so auch der Arzt Markus Wallner von der Med Uni Graz, der betont, wie viel Stress das eiskalte Wasser für den Organismus darstellt: »Das ist sofort eine massive Belastung für den Körper und das Herz.« Eine unkontrollierte Hyperventilation, Herzrasen und ein in die Höhe schnellender Blutdruck können die Folge sein – ein Schock, der selbst für gesunde Personen lebens­bedrohlich sein kann.

Vom Eisbaden bis Kneipp

Menschen mit Herzerkrankungen oder Durchblutungsstörungen wird demnach vom Eisbaden ­dringlich abgeraten, aber auch alle anderen mahnen Expert:innen zur Vorsicht. Glücklicherweise muss man nicht jedem Hype folgen aka Extremsport frönen, um die heilende Kraft des Wassers zu spüren. Man darf sich auch auf bewährte Therapieformen berufen, die es schon seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden gibt. So wusste man bereits in der Antike um die heilende Kraft des Wassers. Der ­griechische Philosoph Thales von Milet ­bezeichnete Wasser sogar als »achre«, den Ursprung alles Seins: »Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück.« Warum sich also nicht auf alte Tugenden besinnen, die seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrhunderten erprobt sind? In heimischen Gefilden zählt etwa das Kneipp-Becken zum obligatorischen Standardinterieur öffentlicher Thermen. So gewöhnt ist man den Anblick, dass man kaum an seinen offensichtlichen Benefit denkt – und an die Möglichkeiten, die dahinterstecken.

Kälteschocks durch Eisbaden sind nicht für jeden Organismus geeignet.

Gefäßtraining mit Wasser

Sebastian Anton Kneipp hätte der Trend Eisbaden wohl nicht gefallen, betonte er doch stets: »Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen, schwitzen und soll das Wasser in seiner mildesten Form gebrauchen.« Der Pfarrer aus Schwaben, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts aufgrund seiner nach ihm benannten Kneipp-Medizin beziehungsweise Kneipp-Therapie zu Bekanntheit ­gelangte, erkannte schnell, dass tägliche Wasser­anwendungen Teil ­einer ganzheitlichen ­Behandlung sein sollten. Während seine Lehre neben Wasseranwendungen auch ­Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen beinhaltet und sich ­aller Naturfaktoren ­bedient, werden heute vor allem das bereits erwähnte Wassertreten und Kneipp-Güsse praktiziert. Auch wenn Ärzt:innen wie Prof. Dr. med. Bernhard Uehleke darauf hinweisen, dass erst alle fünf Säulen der Kneippschen Medizin zu »einer erstaunlich deutlichen Stärkung der Gesundheit und einer Heilwirkung« führen, verhelfen auch schon kleine Schritte zum Erfolg. So kann etwa Barfußlaufen in seichtem Wasser schnell zu einer lieb gewonnenen Routine im Tagesablauf werden und die Gesundheit nachhaltig ­positiv beeinflussen. (Tipp: Im Winter ­genügt auch schon ein Ausflug auf die verschneite Terrasse). Denn die Kneippschen Kaltwasseranwendungen funktionieren ­gerade dank der kurzen Reize, die einzelne Körperteile in den Fokus rücken und so gesundheitsfördernde Mechanismen auslösen. »Dabei wird das Wasser nicht nur kalt, sondern auch im Wechsel von warm und kalt oder ausschließlich warm oder heiß angewandt«, erklärt Prof. Dr. med. Bernhard Uehleke in seinem Buch »Das große Kneipp-Gesundheitsbuch«. Insbesondere die kurz andauernden Kaltanwendungen, die wir heute als typisches Wassertreten kennen, haben gefäßtrainierende und durchblutungsfördernde Wirkungen: Durch wiederholte Kaltanwendungen lassen sich die Blutgefäße trainieren, zeitgleich wird die Neigung zu Verhärtung und Verkalkung der Gefäße erheblich herabgesetzt. In Folge kann auch Bluthochdruck ­gemindert werden.

Kaltes Wasser als Immunkur

Regelmäßig praktiziert, kann die Kneippsche Lebensweise, wie Ärzt:innen es lieber nennen, vielen Zivilisationskrankheiten vorbeugen, selbst chronischer Bronchitis und Störungen des Stoffwechsels. Man wird auf sanfte Art abgehärtet, langfristig auch gegen Stress. Damit erklärt sich auch der umfassende ­Erfolg der Kneipp-Kur bei völlig verschiedenen Erkrankungen, etwa Magengeschwüren, Herzproblemen oder überforderten »Nerven«, die jedoch alle den gemeinsamen Faktor ­haben: übermäßigen Stress. Während Eisbaden den Körper in Stress versetzt, macht die Kneippsche Kur uns ­dagegen resistent. Was will man mehr? ­Natürlich kann man tiefer in die Materie eintauchen und sich mit Wickeln, Packungen in Form von Kompressen und Bädern einer ausgedehnten, bis zu vierwöchigen Kur unterziehen. Aber wer will das schon? ­Wassertreten und Kneippsche Güsse, Wasserstrahlen mit geringem Druck auf Arme, Beine, Rücken oder Gesicht, bringen langfristig viel. Und dies ganz schonend.

Kaltes, klares Wasser ist einer der Säulen der Kneipp-Kur.

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Thalasso oder die Heilkraft des Meeres

Ein ähnliches Prinzip offerieren Thalasso-Therapien. »Thalasso« wird abgeleitet von dem altgriechischen Begriff »thálassa«, was zu Deutsch »Meer« bedeutet und den größten Unterschied zur Kneippschen Therapie bereits inkludiert: Hier wird die Kraft des Meeres zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten angewandt. Viele Spa-Hotels am Meer nutzen diese Möglichkeit und bieten ihren Gästen mit einem Meerwasserbecken einen besonderen Benefit. So lässt sich ein entspannter Urlaub mit sanfter -Genesung verbinden. Vorausgesetzt, man nimmt es ernst: Der Verband deutscher Thalasso-Zentren empfiehlt für nachhaltige Verbesserungen mindestens drei Einzelbehandlungen täglich. Während das Kneippen hauptsächlich aus Wassertreten und Güssen besteht, beinhaltet Thalasso auch Packungen mit Algen und Schlick sowie Inhalationen und Wassergymnastik. Das mag anstrengend klingen, vor allem wenn man gerade in der wohlverdienten Auszeit weilt, aber während sich die gesundheitlichen Benefits bei Rheuma, Rückenproblemen und Durchblutungsstörungen vielleicht nicht ad hoc einstellen, profitiert das Hautbild schnell vom Meerwasser beziehungsweise Meersalz. Neurodermitis und Schuppenflechte – keine kosmetischen Probleme, sondern dermatologische Krankheiten – verbessern sich rasch und merklich. Warum also nicht sofort starten mit einer Do-it-yourself-Therapie? Egal, ob man den Sommer in den Bergen oder am Meer verbringt, das sprudelnde Lebenselixier steht überall zur Verfügung. Und so halten wir
es mit einem anderen Weisen aus längst vergangener Zeit, Konfuzius, der da meinte: »Die Weisen erfreuen sich am Wasser.«

Erschienen in
Falstaff Happy Life Magazin 2/2024

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Melanie Gleinser-Moritzer
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