Daniel Dukic und Geri Tsai © Falstaff/Weninger

Daniel Dukic und Geri Tsai © Falstaff/Weninger

Ein »Bar-Austausch« zwischen Wien und Kärnten als innovatives Ausbildungsmodell

Daniel Dukic, stellvertretender Barchef des »Hotel Schloss Seefels«, verbrachte den gesamten Februar in der »Tür 7« in Wien und kehrt mit einer neu entwickelten Barkarte an den Wörthersee zurück.

von Julia Weninger
28. März 2024

Ein Barkeeper vom Wörthersee, der ein Monat in einer bekannten Wiener Bar arbeitet und dann mit neuen Erfahrungen wieder zurück nach Kärnten in seinen Stammbetrieb zurückkehrt? Daniel Dukic, stellvertretender Barchef des »Hotel Schloss Seefels«, verbrachte den gesamten Februar in der »Tür 7«, einer bekannten Adresse in der Wiener Barszene. Doch anstatt sich in der Pause zu entspannen, die üblicherweise außerhalb der Saison gemacht wird, tauschte er seine Position, um sich weiterzubilden.

Das Modell, das dieser Idee folgt und sicherlich Schule machen könnte, erinnert an die alten Traditionen der Walz. Die Idee kam von Geri Tsai, Mitinhaber der »Tür 7«, der betont, wie wichtig es sei, dass junge Talente in der Branche über den Tellerrand hinausschauen. »In der ›Tür 7‹ verfolgen wir ein spezielles Konzept, bei dem der Service am Gast im Mittelpunkt steht. Ich möchte die jungen Talente ermutigen, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen«, erklärt Tsai im Gespräch mit Falstaff PROFI.

Umfassende Lernreise

Dukics Aufenthalt sei als eine umfassende Lernreise zu sehen: Von der Herstellung klassischer Drinks bis hin zu komplexen Bartechniken und dem Entwerfen der Bar-Sommerkarte für das »Schloss Seefels«. »Für das Jahr 2024 und darüber hinaus konzentrieren wir uns auf klassische Drinks, die wir jedoch mit einem eigenen Twist versehen«, so Dukic. So will man die Bedürfnisse der Gäste erfüllen und eine persönlichere Bindung aufbauen. In Betrieben wird auch dem Alkoholfrei-Trend Rechnung getragen: »Die Bedürfnisse variieren je nach Betrieb, aber beide Bars haben sich dafür entschieden, auch individuelle alkoholfreie Kreationen anzubieten.«

Als »Tür 7« sei man eher klassisch ausgerichtet und hat keinen Außenbereich, die Öffnungszeiten beschränken sich zudem auf den Abend. Im Gegensatz dazu hat ein Hotel wie das »Seefels«, das direkt am See liegt und einen Strand vor der Tür hat, eine ganz andere Dynamik. »Dort ist die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken möglicherweise höher, insbesondere am frühen Nachmittag im Sommer«, sagt Tsai.

Eine Ausbildungs-Partnerschaft wie die zwischen »Schloss Seefels« und »Tür 7« sei sicher nicht für jeden Betrieb geeignet. Es erfordert Engagement und eine starke Verpflichtung von beiden Seiten. Tsai unterstreicht: »Es ist wichtig, dass die Lernenden nicht nur das Konzept unserer Bar übernehmen, sondern auch Fähigkeiten erwerben, die in verschiedenen Umgebungen anwendbar sind.« Sein Ziel ist es, dass der Praktikant nicht nur den Betrieb kennenlernt, sondern auch wirklich etwas lernt. »Wir haben also beschlossen, ihm die komplette Bandbreite der klassischen Drinks beizubringen, inklusive ihrer Hintergrundgeschichten. Wir machen auch eine Art Warenkunde und bringen ihm grundlegende Bartechniken sowie unser spezielles Freestyle-Arbeiten bei. All das kombiniert mit intensiver Gästebetreuung«, sagt Tsai.

Bereicherung für beide Seiten

Die Bereitschaft, Mitarbeiter zu fördern, zeigt sich auch in der Offenheit beider Betriebe, dieses Modell weiterzuführen und anderen Interessierten die Möglichkeit zu geben, ihre Mitarbeiter in die Ferne zu schicken. »Wir sind offen dafür und freuen uns, wenn andere Betriebe sich dafür interessieren, ihre Mitarbeiter zu uns zu schicken. Wir integrieren sie sofort in unser Team, damit sie sich nicht wie Fremdkörper fühlen. Das Praktikum soll eine Bereicherung für beide Seiten sein. Unsere Gäste wissen, dass wir kontinuierlich in die Ausbildung investieren und dass wir stets bestrebt sind, die Qualität zu sichern. In einer Zeit wie dieser, in der die Branche mit Herausforderungen konfrontiert ist, müssen wir alle zusammenarbeiten, um die Qualität zu gewährleisten«, ist Tsai überzeugt.

»Der Beruf des Bartenders wird oft unterschätzt, da er nicht so klar definiert ist wie andere Berufe in der Gastronomie«, merkt Dukic an. Es sei also überaus wichtig, die Ernsthaftigkeit und die Professionalität dieses Berufs hervorzuheben und den Menschen zu zeigen, dass hinter der Bar echte Experten am Werk sind. »Weiterbildung spielt daher eine überaus wichtige Rolle«, so die Beiden unisono.

Wie man einen von den beiden Barkeepern für den Sommer 2024 kreierten Cocktails, den »Smoky Lake«, mixt, sehen Sie hier im Video:

Lesenswert

Young Talents Day - Falstaff PROFI

Der »Young Talents Day« bietet eine Rallye durch zehn Wiener Top-Hotels, fünf Challenges pro Route und ein Abend mit Sternekoch Silvio Nickol.

© Daniel Taladrid

60 Lehrlinge beim »Young Talents Day«: Die Wiener Top-Hotels investieren in Nachwuchs

Der »Young Talents Day« von »tophotels.wien« bringt 60 Lehrlinge zusammen und zeigt, wie die Wiener Spitzenhotellerie aktiv in ihren Nachwuchs investiert.

„Superior Hotels Mühlviertel“ - Falstaff PROFI

Das sind die Vertreter der zehn Mitgliedsbetriebe der neuen Hotel-Allianz »Superior Hotels Mühlviertel«.

© TVB Muehlviertel

Neue Hotel-Kooperation in Österreich: »Superior Hotels Mühlviertel« vereinen ihre Kräfte

Zehn Vier-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels schließen sich zur neuen Allianz zusammen. Das Ziel ist dabei, die Region gemeinsam zu vermarkten, neue Märkte zu erschließen und die Interessen der Mühlviertler Hotellerie geschlossen zu vertreten.

Sommergetränke - Falstaff PROFI

Sommer-Hit: Glaubt man den Statistiken, sind 40 Prozent aller Cocktail-Bestellungen ein »Spritz«.

© Marti Sans/Stocksy

Äußerst Spritz-findig: Wie der Aperitivo die Getränkewelt eroberte

Die lange Vorgeschichte des »Spritz« macht Entdeckungen möglich. PROFI hat die neuen Geschmacksrichtungen ebenso wie die historischen Servier­arten: Ob mit Passionsfrucht, Bier oder Eiweiß – beim ­Sommer-Regenten der Bar ist vieles möglich!

Scandic - Falstaff PROFI

Ohne Tageslicht, dafür in zentraler Lage: In Stockholm entstehen 135 unterirdische Zimmer.

© Scandic Hotels Group

»Scandic« plant neues Hotel-Konzept – unter der Erde

Direkt unter einer der belebtesten Einkaufsstraßen der schwedischen Hauptstadt: Vier Stockwerke unter der Erde entstehen 135 Zimmer ohne Fenster. Das Konzept der Hotelgruppe »Scandic« trifft einen wachsenden Gästetrend.

Der Österreichischen Nationalbibliothek nachempfunden: das künftige Wiener »Crowne Plaza«.

© IHG

Neues Hotelprojekt: »IHG« eröffnet erstes »Crowne Plaza« in Wien

Mit dem ersten »Crowne Plaza« in der Bundeshauptstadt bringt die »IHG«-Gruppe eine international etablierte Businesshotel-Marke in den heimischen Markt zurück – mit klarem Fokus auf Geschäftsreisenden und dem wachsenden Bleisure-Trend.

Accor Handwritten Collection - Falstaff PROFI

Das »Château de Mazan« in Frankreich ist eines von 50 Hotels der »Handwritten Collection« weltweit.

© Accor

Auch in Wien: »Handwritten Collection« von »Accor« erreicht 50 Hotels

»Accor« feiert mit seiner »Handwritten Collection« einen Meilenstein: 50 Hotels in 20 Ländern. Das Konzept zeigt, wie unabhängige Betriebe ihre Identität behalten und trotzdem von einer globalen Hotelgruppe profitieren können.

Meist gelesen

Prüfungsessen - Falstaff PROFI

Für die praktische Prüfung im MODUL haben sich die Schüler ins Zeug gelegt: Paul Knoll und Franziska Wagner sind zuversichtlich.

© Falstaff PROFI

Prüfungsessen im »MODUL«: Wenn junge Talente wie Profis arbeiten

PROFI war bei den praktischen Prüfungen der »Tourismusschulen MODUL« in Wien dabei und konnte sich von den Fähigkeiten des Gastro-Nachwuchses überzeugen. Es wurde auf jedes Detail und jeden Handgriff geachtet.

Café Schwarzenberg Torte Jubiläum - Falstaff PROFI

Geburtstagsfeier im »Schwarzenberg« mit (v.l.n.r.) Herbert Fuchs (Geschäftsführer »GOURMET«), Christian Pannosch (Betriebsleiter »Café Schwarzenberg«) und Stephan Glas (Leitung Restaurants & Kulturstätten bei »GOURMET«).

© GOURMET

Seit 1861 erfolgreich am Ring: »Café Schwarzenberg« feiert Jubiläum – mit Torte!

165 Jahre am Markt und noch immer einer der meistbesuchten Gastronomiebetriebe der Stadt: Das »Café Schwarzenberg« zeigt, wie sich Tradition, klare Positionierung und zeitgemäße Angebotsentwicklung erfolgreich verbinden lassen.

Daniel Bhogal Fesslers Lenggries - Falstaff PROFI

Zurückgekehrt, um zu bleiben: Daniel Bhogal ist neuer Direktor des »Flesslers Lenggries«.

© Signo Hospitality

Rückkehr nach Lenggries: Daniel Bhogal übernimmt das »Flesslers«

Nach der Neupositionierung des Hauses stellt »Signo Hospitality« die Führung des »Flesslers Lenggries, a Tribute Portfolio Hotel« neu auf. Mit Daniel Bhogal übernimmt dabei ein Manager das Haus, der den Standort bereits kennt.

Lamee Rooftop - Falstaff PROFI

Die neue Karte im »Lamée« macht mit eigenen Cocktailkreationen wie »Cocombre« oder »Sunrise« Lust auf Sommer.

© Lamée Rooftop

Bar

Overtourism und mixologischer Anspruch: die neue »Lamée«-Karte

Man könnte es sich leicht machen: Der Ausblick der »Lamée«, auf Augenhöhe mit dem Stephansdom, ist sichtlich ein Touristen-Magnet. Wie man diesen außergewöhnliche Drinks nahebringt, lehrt das kluge Cocktail-Menü.

Hotel Neptun goldene Balkone - Falstaff PROFI

Sehen Sie die goldenen Balkone glänzen? Davor (v.l.): Künstler Joerg Waehner, Silke Greven (PR) und Guido Zöllick (GM »Hotel Neptun«).

© Hotel Neptun

Trump lässt grüßen: Was Hoteliers vom »vergoldeten« Hotel Neptun lernen können

Mit einer Kunstaktion will das »Hotel Neptun« in Warnemünde zu seinem 55-jährigen Bestehen Aufmerksamkeit erzeugen. Die Inszenierung zeigt, wie Hotels mit ungewöhnlichen PR-Ideen Sichtbarkeit, Social-Media-Reichweite und ihr Markenprofil stärken können.

Airbnb Regelungen 2026 - Falstaff PROFI

Auf sich gestellt: Nicht nur bei Check-in und Check-out ist man auf sich gestellt, Hotel-Services ­fehlen in Airbnbs.

© pexels/cottonbro

Nie mehr Ärger mit »Airbnb«: Welche Regeln wo für Kurzzeitvermietung gelten

Wien, Salzburg oder Innsbruck haben die Vorgaben verschärft, die EU-Regelung tritt im Mai in Kraft. Doch die Umsetzung läuft recht ­unterschiedlich an. PROFI hat den Überblick.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!