Martin Öfner © Lavender Chang

Martin Öfner verließ das heimatliche Tirol früh und führt heute die Küche des »Zén« in Singapur. Nur wenige Monate nach seinem Start erhielt das Restaurant den dritten Michelin-Stern.

© Lavender Chang

Das ist Österreichs jüngster Drei-Sterner: Martin Öfner im Porträt

Tiroler Wurzeln, Weltkarriere am Herd – und trotzdem noch relativ unbekannt: Martin Öfner kochte mit legendären Ikonen wie Björn Frantzén und und Jonny Boer und führt nun die Küche des »Zén« in Singapur. Falstaff PROFI hat die große Exklusiv-Story.

von Roland Graf
03. September 2025

Stans in Tirol liegt abgeschieden unter den steil abfallenden Felshängen des schroffen Karwendelgebirges und hat rund 2.200 Einwohner. Hier wuchs der 1995 geborene Martin Öfner auf – doch lange hielt es ihn nicht in der einsamen Naturlandschaft. Er wollte in die Welt hinaus, um bei den besten Köchen zu lernen. Eine der ersten Positionen führte ihn ins »Parkhuus« in Zürich. Zurück in der Heimat folgte das »Restaurant Rosengarten« unter Küchenchef Simon Taxacher; hier begann die Auseinandersetzung mit Fermentation und Konservierung. 2017 folgte der Schritt nach Norden, das »Geranium« von Rasmus Kofoed in Kopenhagen. Die Welt des Meeres und der nordische Stil faszinierten den Mann aus den Bergen. Bei seinem nächsten Chef, dem legendären Jonnie Boer im »De Librije« im niederländischen Zwolle verantwortete Martin Öfner Patisserie, Fermentation und Entwicklung.

Ein als Praktikum gedachter Aufenthalt 2018 bei Björn Frantzén (»Frantzén«) in Stockholm führte zum Angebot als Chef de Partie. 2023 wurde er Senior Souschef und sollte auch das Team des geplanten Restaurants in Shanghai leiten. Das Projekt zerschlug sich; dafür bot sich die Möglichkeit, in Singapur als Küchenchef im »Zén« zu arbeiten. Nur wenige Monate nach seinem Antritt 2024 erhielt es den dritten Michelin-Stern.

Das »Zén«: Sterneküche in Wohnimmeratmosphäre

Essen ist allgegenwärtig in Singa­pur. Es gibt wenig in den Food Courts, den legendären »Hawker Centers«, das es nicht gibt. Doch der Stadtstaat zieht auch potentere Gastro­investoren an. Der Eigentümer des »Zén« etwa sitzt im fernen Stockholm. Und sein ­Restaurant in einem ehemaligen Handelshaus, nur drei Querstraßen von Chinatown entfernt, ist für seinen lässigen Stil bekannt. Er beginnt mit einem Aperitif in der offenen Küche des »Zén«, das seit 2018 Teil der Restaurant­-Gruppe von Björn Frantzén ist. Diese umfasst seit der jüngsten Bewertung des Guide Michelin nun drei Lokale mit der Höchstnote. In Singapur erkochte eben Martin Öfner diese drei ­Sterne: Zuerst noch gemeinsam mit TC Chua, seit 2025 ist er alleiniger Chef vor Ort.

Öfner hat kein Problem, mit den »Trois ­Etoiles« auf der Kochjacke selbst Gerichte zu den ­Tischen zu bringen. In der Wohnzimmer-­Atmosphäre, die auch Stoffmuster des österreichischen Architekten Josef Frank prägen, erzählt er dabei Details zu den ungewöhn­lichen alkoholfreien Optionen, die für jedes Gericht kreiert werden. Fermentation ist eine Konstante, die ihn bei Stationen wie dem »Rosengarten« (Kirchberg), »Geranium« (Kopenhagen) oder dem »Frantzén« in Stockholm begleitete. Damit lässt sich sogar einer seiner Lieblingsweine von der Mosel – J. J. Prüms »Graacher ­Himmelreich« – ohne Alkohol nachbauen.

Das »Zén« in Singapur fühlt sich nach einem gemütlichen Wohnzimmer an – und das ist beabsichtigt. | © Lavender Chang
Das »Zén« in Singapur fühlt sich nach einem gemütlichen Wohnzimmer an. Hier gilt das Credo: »Luxus muss nicht steif sein.« | © Lavender Chang

Er erinnert sich aber auch in bewegender Form an seinen bereits verstorbenen Mentor, den Spitzenkoch Jonny Boer: »Wir sind für seine Vision durchs Feuer gegangen. Das ­verstehen wahrscheinlich die Wenigsten«. ­Lediglich bei österreichischen Einflüssen auf die ausgezeichnete Küchenlinie winkt Öfner ab: »Tafelspitz funktioniert bei dem schwülen Wetter eher schwer«, hat er den Schmäh auch in Singapur nicht verloren. Es steckt also vielleicht wenig Österreich in den ­Menüs (ab 270 Euro). Aber zweifellos viel von Martin Öfner!

Mehr über Martin Öfner:

Lesenswert

ARCHE NOAH Paul Ivic EU-Saatgut - Falstaff PROFI

Paul Ivić (2.v.r.) war bereits zu Gast beim Gartensommer von »ARCHE NOAH« in Langenlois, nun hat er den offenen Brief an die EU unterzeichnet.

© Bernd Kajtna (ARCHE NOAH), Alwin Jurtschitsch

»Zukunft des Geschmacks in Gefahr«: 122 Spitzenköche kritisieren EU-Saatgutgesetz

Kurz vor dem Ende der Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht wächst der Widerstand aus der Gastronomie. 122 Küchenchefs und Gastronomen aus 19 Ländern warnen vor negativen Folgen für Vielfalt, Geschmack und Ernährungssicherheit.

Thomas Bühner - Falstaff PROFI

Thomas Bühner möchte zu seinen westfälischen Wurzeln zurückkehren – und sucht bereits Personal für sein neues Restaurant.

© Sabine Meier

Nach Hamburg-Rückschlag: Spitzenkoch Thomas Bühner startet neues Gastroprojekt

Noch sind viele Details offen. Fest steht jedoch: Spitzenkoch Thomas Bühner arbeitet an einem neuen Restaurantprojekt im Münsterland und sucht bereits Führungskräfte für Küche und Service. Was bisher bekannt ist.

Rawlston Williams Karibik Rezept - Falstaff PROFI

So bunt wie die Karibik sind auch die Rezepte in Rawlston Williams »Caribbean Cookbook«.

© Phaidon Verlag, canva.com

Buch der Karibik: Rawlston Williams exotisches Koch-Kompendium

Am Image kann es nicht liegen! Und doch erfuhr die Karibik als eine der wenigen Weltgegenden kaum Beachtung als Kücheninspiration. Der New Yorker Chef Rawlston Williams ändert das. Bunte Rezepte, die ideal für den Sommer sind und die er in 28 Inselnationen sammelte.

Mitarbeiter-Benefits Top-Betriebe - Falstaff PROFI

Spa nutzen wie die Gäste: Das dürfen die Mitarbeiter im »Naturhotel Forsthofgut« in Leogang.

© canva.com / Vasyl Dolmatov

Attraktive Benefits: Was vier Hotelbetriebe ihren Mitarbeitern bieten

Personal ist rar in der Branche, daher müssen Betriebe etwas bieten. PROFI hat recherchiert und bei vier Top-Hotels nachgefragt, mit welchen konkreten Vorteilen sie ihre Mitarbeiter begeistern und langfristig binden.

Vina Graz - Falstaff PROFI

Hommage an die Mama: Thi Ba Nguyen (links) und ihre Suppe dürfen auch auf dem Top-Level nicht fehlen!

© Roland Graf

Fine Dining auf Vietnamesisch: Das »Vina« Graz schwimmt gegen den Strom

Es ist ein Statement gegen Spar-Wahn. Und eines, das dem Gästewunsch folgt: Zusätzlich zu den Streetfood-Klassikern bietet Robert Nguyen ein aufwändiges Sechs-Gang-Menü. Mit dabei natürlich auch: die Suppe von seiner 85-jährigen Mutter.

Schnell, kalkulierbar und günstig: Fast Food in Österreich legt ordentlich zu.

© canva.com

Gäste sparen beim Essen gehen – Fast Food profitiert massiv

Steigende Preise in der klassischen Gastronomie verändern das Konsumverhalten spürbar. Viele Gäste setzen zunehmend auf günstigere Alternativen – und bescheren Fast-Food-Anbietern in Österreich ein starkes Umsatzplus.

Meist gelesen

Meinl - Falstaff PROFI

Mit der neuen personellen Verstärkung investiert »Julius Meinl« in die persönliche Betreuung seiner Kunden in ganz Österreich.

© Julius Meinl

»Julius Meinl« baut sein Vertriebsteam in Österreich aus

Der Wiener Traditionsröster »Julius Meinl« verstärkt seinen Außendienst in Österreich mit mehreren erfahrenen Branchenexperten. Damit soll die persönliche Betreuung von Gastronomie- und Hotelbetrieben weiter ausgebaut werden.

Zeigen Sie der Welt Ihr Kochtalent. Bewerbungen sind bis zum 9. Juni möglich.

© Foto beigestellt

»S.Pellegrino« Young Chef Academy – Bühne frei für Talente und ihre Förderer

Advertorial

Jetzt bewerben oder nominieren – und gemeinsam den nächsten Karriereschritt anstoßen.

Royal Savoy Lausanne Alexis Ribes - Falstaff PROFI

Soll das Angebot der »Brasserie du Royal« weiterentwickeln: der neue Chef Alexis Ribes.

© LABON3

Interne Karriere: Alexis Ribes übernimmt Brasserie im »Royal Savoy Lausanne«

Das 5-Sterne-Haus setzt bei der Neuausrichtung seiner Brasserie auf Kontinuität: Alexis Ribes übernimmt die kulinarische Leitung. Zugleich steht die Besetzung für die Weiterentwicklung des gastronomischen Angebots.

Marius Pieper Louis Hotel München Küchenchef - Falstaff PROFI

Soll das kulinarische Angebot des Hauses weiter schärfen: der neue Küchenchef Marius Pieper.

© Tony Gigov

Neuer Chef im »Louis Hotel München«: Marius Pieper führt die Küche

Vom Arlberg auf den Münchner Viktualienmarkt: Der 30-jähriger Küchenchef übernimmt die Verantwortung im 5-Stern-Haus. Er soll das bestehende kulinarische Konzept weiterentwickeln.

Koch des Jahres Halbfinale - Falstaff PROFI

Die sechs Finalisten des Halbfinales kämpfen im November um den Titel »Koch des Jahres«.

© Julio Arellano

Live-Wettbewerb »Koch des Jahres«: Diese sechs Talente stehen im Finale

Im Halbfinale in München setzten sich sechs Kandidaten durch: Mit emotional aufgeladenen Interpretationen ihrer Kindheitsgerichte überzeugten sie die Fachjury – und das Publikum in der »Chefs Challenge Night«.

BiBi in London - Falstaff PROFI

Präzision ist angesagt: Bei den Rezepten sollten Sie aufs Gramm genau wiegen.

© unsplash.com/Birmingham Museums trust; Eleonora Boscarelli

Londons Lokal-Liebling: Im »BiBi« definiert Chet Sharma die indische Küche neu

Wenn man Glück hat, bereitet im »BiBi« ein Doktor der Festkörperphysik das Essen zu. Seinen wissenschaftlichen Drang lebt Chet Sharma heute in Mayfairs offener Küche aus: Er bringt indische Küche aus dem Ethno-Eck‘ in die Moderne.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!