© Patrick Weichmann

Baba au rhum: Hefeküchlein, getränkt in Orangen-Rum-Sirup mit Vanille Crémeux. Hefeteig auf Basis von Mehl, Zucker, Hefe, Pflanzenöl und Wasser.

© Patrick Weichmann

Eleganz trifft Ethik: worauf es bei der veganen Pâtisserie ankommt

Was, wenn der Geschmack von Schokolade, Mandelcreme und Karamell plötzlich auch ohne tierische Produkte unvergleichlich bleibt? Melanie Kröpfl, die Vorreiterin der veganen Pâtisserie, beweist, dass süße Kunstwerke auch ohne tierische Produkte die höchsten Ansprüche erfüllen können.

von Alexandra Gorsche
24. Dezember 2024

Vegane Pâtisserie – ein Begriff, der vor wenigen Jahren noch Stirnrunzeln hervorrief, ist heute fester Bestandteil moderner Backkunst. Melanie Kröpfl ist Pionierin auf diesem Gebiet. Mit Leidenschaft, Experimentierfreude und einer Prise Mut hat sie klassische Mehlspeisen neu interpretiert und den Grundstein für eine pflanzenbasierte Zukunft in der gehobenen Backkunst gelegt. Doch wie gelingt es, Klassiker wie Millefeuille oder Soufflé in vegane Meisterwerke zu verwandeln? Und welche Herausforderungen bringt die pflanzliche Pâtisserie mit sich? Ein Blick hinter die Kulissen. Aber zuerst ein Blick auf die Zahlen.

Vegane Desserts bieten eine pflanzliche Alternative zu süßen Köstlichkeiten, die traditionell auf tierischen Zutaten wie Butter, Eiern oder Sahne basieren. Ob Kuchen, Torten, Kekse, Pudding oder Eiscreme – vegane Varianten überzeugen mit gesunden Inhaltsstoffen, vollem Geschmack und Genuss. Ihre wachsende Beliebtheit ist auf den steigenden Fokus der Konsument:innen auf Gesundheit, Nachhaltigkeit und ethische Ernährung zurückzuführen.

Die Nachfrage nach Milchalternativen und pflanzenbasierten Zutaten ist ein wesentlicher Treiber des Wachstums der veganen Dessertbranche. Hersteller setzen zunehmend auf innovative Produkte, die traditionellen Desserts in Qualität und Optik in nichts nachstehen. Gleichzeitig trägt ein zunehmendes Gesundheitsbewusstsein dazu bei, dass Verbraucher:innen verstärkt nach Desserts suchen, die weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterin enthalten.

Die wachsende Nachfrage nach pflanzenbasierten Lebensmitteln spiegelt sich nicht nur in Supermarktregalen, sondern auch in der Welt der Pâtisserie wider. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine fleisch­lose Ernährung – sei es vegan, vegetarisch oder flexitarisch. Besonders bemerkenswert: Der Anteil vegan lebender Menschen in Österreich ist seit 2021 von 3 Prozent auf 5 Prozent gestiegen. Damit nimmt Österreich europaweit den Spitzenplatz ein, dicht gefolgt von Deutschland mit 4 Prozent.

Doch es ist nicht nur der reine Verzicht auf Fleisch, der den Wandel vorantreibt. Flexi­tarier:innen – also Menschen, die ihren Fleischkonsum aktiv reduzieren – stellen ein wachsendes Segment dar: rund 37 Prozent der Österreicher:innen und 40 Prozent der Deutschen folgen diesem flexiblen Ansatz. Besonders jüngere Generationen wie die Gen Z treiben diese Entwicklung voran: Während bei den Boomer-Generationen noch 64 Prozent omnivor leben, sind es bei der Gen Z nur noch 58 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich mit einem veganen Anteil von 7 Prozent in dieser Generation ein deutlicher Trend hin zu pflanzenbasierter Ernährung.

Warum pflanzliche Alternativen boomen 

Die Motivation hinter dieser Veränderung liegt vor allem in gesundheitlichen Aspekten sowie in Tierschutz- und Umweltüberlegungen. Diese Gründe beeinflussen nicht nur Essgewohnheiten, sondern auch die Produkt­entwicklung – insbesondere in der süßen Welt der Pâtisserie. Vegane Desserts, Torten und Gebäcke bieten nicht nur geschmackliche Vielfalt, sondern auch die Möglichkeit, Nach­haltigkeit auf genussvolle Weise zu leben.

Very Berry. Bûche Vanille-Buttercreme, Erdbeer-Gelee, Schoko-Mürbteig, Schoko-Biskuit, ­Beeren-Mousse, rote Mirror Glaze, Deko aus Baiser, getrocknete Beeren und temperierter Kuvertüre. Die ­Gelatine für Gelee und Mirror Glaze wird durch Pektine ersetzt. © Patrick Weichmann

Pâtisserie im Wandel: Eine Bühne für pflanzliche Kreativität 

Die vegane Pâtisserie steht exemplarisch für diesen Wandel. Köstlichkeiten wie Schokomousse auf Basis von Aquafaba, Cheesecakes aus Cashewkernen oder Buttercremes aus pflanzlicher Margarine zeigen, dass Genuss keine Kompromisse verlangt. Gleichzeitig eröffnen sie neue kreative Spielräume für Pâtissiers und Pâtissièren, die mit innovativen Zutaten experimentieren.

Dieser Wandel wird auch durch einen europaweiten Trend zu pflanzenbasierten Produkten gestützt: Laut dem Smart Protein Report greifen 28 Prozent der Befragten mittlerweile mindestens einmal wöchentlich zu pflanzlichen Alternativen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2021 (21 Prozent).

Eine Chance für Gastronomie und Handwerk 

Für die Gastronomie und Pâtisserie bieten diese Entwicklungen eine echte Chance: Wer auf vegane und pflanzliche Alternativen setzt, erreicht nicht nur eine wachsende Zielgruppe, sondern positioniert sich auch als zukunftsorientiert und nachhaltig. Denn eines ist klar: Der Wunsch nach genussvollen, pflanzenbasierten Alternativen ist mehr als ein kurzfristiger Trend – er ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels.

Die vegane Pâtisserie zeigt eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit und Genuss Hand in Hand gehen können. Sie bringt nicht nur neue Geschmackserlebnisse, sondern auch eine bewusste Haltung auf den Teller – und vielleicht sogar auf den nächsten Kaffeetisch.

Ein starkes Zeichen. Mit ihren innovativen Neuinterpretationen von Klassikern wie Eclairs und Tartes inspiriert Melanie Kröpfl die ­Branche. Ihr Ziel: Eine neue Generation von Pâtisserieschaffenden zu ermutigen, eine neue Ära einzuschlagen. © Melanie Kröpfl

Vegane Alternativen

Die vegane Küche erfordert Kreativität, um tierische Zutaten durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen. Dabei ist es wichtig, die Funktion der Zutat im Rezept zu verstehen. Hier ein Überblick über gängige Ersatzmöglichkeiten:

Eier ersetzen
Eier sind aufgrund ihrer vielseitigen Funktionen oft die schwierigste Zutat, um sie vollständig zu ersetzen. Ei-Ersatz-Tipps, die sich oft im Internet finden, wie Apfelmus, Leinsamen oder Sojamehl können die komplexen Eigenschaften von Eiern nicht ersetzen. Die passende Alternative ist also meistens abhängig vom jeweiligen Rezept.
In Grundteigen (Rührteig, Mürbteig, Hefeteig, Plunderteig etc.) wird kein besonderer Ei-Ersatz benötigt, sofern das Verhältnis der anderen Zutaten angepasst wird. Hierfür ist es gut, zu veganen Basis-Teigrezepten zu greifen.
Eiweiß: Wenn reiner Eischnee benötigt wird, kann dieses durch pflanzliches Protein, wie Kartoffelprotein oder Aquafaba (Abtropfwasser von Kichererbsen) ersetzt werden. Somit sind Desserts wie Soufflé, Meringue, Kokosbusserl und Co. möglich.

Butter ersetzen
Butter gibt Rezepten Geschmack und Textur. ­Diese Alternativen sind hilfreich:
Pflanzenöle: Wird kein festes oder cremiges Fett benötigt, eignen sich Pflanzenöle, ideal sind geschmacksneutrale Sorten wie Raps- oder Sonnenblumenöl. Kokosöl (80 % Öl, 20 % Wasser) oder Traubenkernöl sind ebenso Alternativen, allerdings ist Achtsamkeit beim Schmelzpunkt gefordert: (z. B. Butter: ca. 30 °C, Kokosöl: 25 °C).
Pflanzliche Margarine: Eine klassische Wahl, bestehend aus einer Emulsion von Wasser und Öl. Diese sollte einen Fettgehalt von ca. 80 % haben.
Kakaobutter: Besonders für Schokoladenrezepte geeignet, da sie einen ähnlichen Schmelzpunkt wie Butter hat, allerdings unterscheidet sie sich backtechnisch von tierischer Butter und kann nicht 1:1 ersetzt werden.
Auch Nussmuse wie Erdnuss- oder Mandelmus können Butter ersetzen, wobei sie dem Gericht eine markante Geschmacksnote verleihen und sich ebenso backtechnisch von tierischer Butter unterscheiden, um sie 1:1 zu ersetzen.

Kuhmilch ersetzen
Kuhmilch lässt sich leicht durch Pflanzendrinks ersetzen. Beispiele:
Neutraler Geschmack: Hafer- und Reisdrink.
Aromatisch: Kokos- und Mandeldrink. Cremige Sorten wie Mandelmilch oder Sojamilch sind zu bevorzugen. Die Dosierung bleibt dabei identisch zur Kuhmilch. Bei Grundteigen (Rührteig, Biskuitteig, Mürbteig, Hefeteig, Crêpeteig) kann Leitungs­wasser als Ersatz verwendet werden.

Sahne ersetzen
Für pflanzliche Sahne gibt es viele Optionen, die einfachste ist: Vegane Alternativen auf Basis von pflanzlichen Fetten zu verwenden. Weiters gibt es:
Kokoscreme: Fettiger und dickflüssiger, ideal für reichhaltige Gerichte.
Sojacreme: Leicht verfügbar und vielseitig ­einsetzbar.
Für Schlagsahne eignen sich pflanzliche Alternativen mit Emulgatoren, die eine stabile Schaumbildung gewährleisten.

Gelatine ersetzen
Gelatine, die tierischen Ursprungs ist, lässt sich durch pflanzliche Alternativen wie Agar-Agar oder Pektine ersetzen. Die Wahl hängt von der gewünschten Konsistenz und dem Rezept ab.

Honig ersetzen
Für Honig bieten sich Ahornsirup, Agavendicksaft oder Zucker an. Zu beachten ist, dass flüssige Alternativen die Konsistenz leicht verändern ­können.

Schokolade ersetzen
Milchschokolade und weiße Schokolade ­enthalten tierische Bestandteile.
Alternative: Dunkle Schokolade, die oft keine Milchprodukte enthält (auf die Zutatenliste ­achten!).
Professionelle Alternativen: Vegane Kuvertüren.

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