Eine große Mehrheit der Schweizer Lernenden ist stolz auf ihr Handwerk.
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Gastgewerbe: Lernende müssen bei der Stange gehalten werden
Die Hotel & Gastro Union warnt: Seit mehr als zehn Jahren sinkt die Zahl der Lernenden im Gastgewerbe, gleichzeitig wächst in einigen Berufsfeldern die Zahl jener, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden. Der Branche fehlt der Nachwuchs merklich – was soll man also tun? Die Branchenorganisation für die Mitarbeiter:innen im Schweizer Gastgewerbe und der Bäckerei-Konditor-Confiseur-Branche fordert attraktivere Arbeitszeiten, mehr Wertschätzung und mehr Lohn auf allen Stufen.
von redaktion
09. November 2022
Haben junge Menschen noch Bock auf das Gastgewerbe? Eine Antwort liefert das Schweizer Bundesamt für Statistik. 2010 entschlossen sich 3.901 Schulabgänger:innen für eine gastgewerbliche Lehre, 2021 waren es nur noch 2.785. Ein Minus von rund 30 Prozent in zehn Jahren. Darüber hinaus ist die Zahl der Lehrabbrüche in der Gastronomie und Hotellerie überdurchschnittlich hoch gegenüber anderen Branchen – und das seit Jahren. Die Arbeitsmarktdaten der Hotelleriesuisse sprechen Klartext: In den letzten Jahren hat fast jeder dritte lernende Restaurationsangestellte die Ausbildung vorzeitig hingeworfen. Bei den Küchenangestellten lag die Quote bei rund 20 Prozent. Alle gastgewerblichen Berufe zusammengefasst, haben fast 14 Prozent der Lernenden noch vor dem Qualifikationsverfahren der Branche den Rücken gekehrt.
Nach der Lehre folgt die Abwanderung
Doch was sind die Gründe? Die Hotel & Gastro Union befragte dazu rund 1.400 Lernende. Die diesjährige Umfrage kommt zum Schluss, dass eine große Mehrheit der Befragten stolz auf ihr Handwerk ist. Zufrieden sei man zudem mit der Qualifikation ihrer Berufsbildner. Bitterer Beigeschmack: 43 Prozent der Lernenden sind jedoch entschlossen oder ziehen es in Erwägung, nach der Lehre in andere Branchen abzuwandern.
Jene, die abwandern, geben vor allem drei Punkte an, die gegen eine berufliche Zukunft im Gastgewerbe sprechen:
- Da sind zum einen die unattraktiven Arbeitszeiten und die vielen, infolge des Personalmangels geforderten Überstunden.
- Zum anderen sind es mangelnde Wertschätzung der Vorgesetzten und Gäste, die schlechte Führung und manchmal ein schlechtes Arbeitsklima in den Betrieben. Es gebe leider immer noch Berufsbildner:innen, die ihre Lernenden wie billige Arbeitskräfte behandeln und ihrem Ausbildungsauftrag ungenügend nachkommen, so die Union.
- Und dann die Sache mit dem Lohn. In anderen Branchen sehen abwanderungswillige Lernende bessere Verdienstmöglichkeiten.

© Hotel & Gastro Union
Unterschriften gegen Abwanderung
Dem will die Hotel & Gastro Union nicht länger zusehen und die Probleme an der Wurzel packen. Mit einem Manifest will der Branchenverband Wege aus der Krise aufzeigen und schildert Lösungsvorschläge, die gemeinsam mit den Verbänden der Arbeitgeber:innen umgesetzt werden müssen. Konkret stehen Arbeitszeiten, der Führungsstil – »Mitsprache statt Ansprache« – und eine Erhöhung des Lohns auf der Agenda. »Unsere Dienstleitung darf etwas kosten!«, lautet der gemeinsame Tenor an die Konsument:innen.
Nicht zuletzt organisierte die Berufsorganisation die Unterschriftensammlung »Gemeinsam gegen Personalmangel« als eine der ersten Maßnahmen. Ziel ist, die Unterschriftensammlung Ende 2023 an Gastrosuisse zu übergeben, »damit der Arbeitgeberverband endlich seine Verantwortung wahrnimmt und an den vor drei Jahren von ihm verlassenen L-GAV-Verhandlungstisch zurückkehrt«. 2.792 Personen haben bereits unterzeichnet (Stand: 9. November 2022).
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