Linda Lorenzoni © Gastro Exclusive
Jungunternehmerin im Interview am Weltfrauentag: Linda Lorenzoni erzählt von ihrem Erfolgsrezept
Die 20-jährige Start-up-Gründerin aus Salzburg will die Gastronomiebranche mit »Gastro Exclusive« wieder zu einem attraktiven und fairen Arbeitsplatz für junge Menschen machen. Als Unternehmerin rät sie besonders jungen Frauen, sich untereinander zu vernetzen, gegenseitig zu unterstützen und eigene Ideen umzusetzen.
von redaktion
08. März 2024
Kurz nach der Corona-Pandemie im Jahr 2022 hat Salzburgerin Linda Lorenzoni mit nur 19 Jahren ihr eigenes Start-up gegründet. »Zu der Zeit nach Corona haben Gastronom:innen händeringend um Personal gesucht und ich kannte junge Menschen, die zwar die entsprechende Ausbildung hatten, aber nicht in die Gastronomie gehen wollten. Da habe ich Gastro Exclusive gegründet«, schildert Linda die Ausgangssituation ihrer Unternehmensgründung. »Das hätte aber jeder machen können. Ich habe nur die Chance ergriffen und die Idee umgesetzt«, fügt die heute 20-Jährige ganz bescheiden hinzu.
Als großer Vorteil dabei haben sich ihre bereits aufgebauten Kontakte in der Branche erwiesen. »Durch die Zeit als Schulsprecherin der Salzburger Tourismusschule Klessheim hatte ich bereits viele Kontakte aufgebaut und war mit anderen Schulsprecher:innen vernetzt. Das hat geholfen, junge Leute zu erreichen.« Mit »Gastro Exclusive«, einer Personalvermittlung für Gastronomieberufe, möchte sie die Gastronomie für junge Menschen wieder zu einem attraktiven Arbeitsplatz machen und einen Beitrag zur Lösung des Personalmangels leisten. Dabei stehen neben Professionalität und Qualität vor allem »Wertschätzung, Freundschaft und Fairness an erster Stelle«, betont Linda im Gespräch mit Falstaff.
»Feedback-Kreislauf« garantiert gute Zusammenarbeit
»Die Mitarbeiter:innen schätzen die Beziehung zu uns sehr, einfach weil sie direkte Ansprechpersonen haben und wissen, sie können mit allem zu uns kommen. Außerdem schätzen sie das Arbeiten in einem Team und den Teamgeist der dabei entsteht«, erzählt Linda, die sehr positive Rückmeldungen von jungen Mitarbeiter:innen erhält. Durch Feedback-Bögen oder persönliche Gespräche bei Schulungen und Get-togethers, sollen die Einsätze in den Betrieben bewertet werden, »gleichzeitig erhalten auch wir Rückmeldungen von den Unternehmen, an die wir Personal vermitteln.«
Dieser Austausch und Feedback-Kreislauf sei wichtig für eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Parteien und die Sicherung der Werte, die »Gastro Exclusive« vertreten will, erklärt die Start-up Gründerin. Das wichtigste für das Unternehmen ist das Team: »Ohne unser Team wären wir nichts. Das versuchen wir auch zu kommunizieren und ihnen immer wieder unsere Wertschätzung zu zeigen.«

© Gastro Exclusive
Ein attraktiver Arbeitsplatz macht natürlich auch eine faire Entlohnung aus. Bei »Gastro Exclusive« gibt es deshalb drei Servicestufen. »Je nachdem wie viel Erfahrung die Mitarbeiter:innen mitbringen werden sie einer Kategorie zugeteilt und entweder mit 14, 16 oder 18 Euro netto in der Stunde entlohnt, wobei natürlich auch Aufstiegschancen bestehen.«
Gastro-Branche ist Männerdomäne
Dass die österreichische Gastronomiebranche eine Männerdomäneist, fällt der jungen Salzburgerin in ihrem Job besonders auf. Zwar ist die Anzahl an jungen Frauen und Männern im »Gastro Exclusive«-Team relativ ausgewogen, was für sie auch den guten Teamgeist ausmacht, auf Kundenseite jedoch bemerkt Linda ein starkes Ungleichgewicht. »Food and Beverage Manager sind alles Männer. Ich habe bisher keine einzige F&B Managerin getroffen. Maximal hatte ich mit einer Assistentin der Geschäftsleitung zu tun, aber der Geschäftsführer war ein Mann. Auch Restaurantleiter waren bisher alle Männer. Das ist schon erschreckend.«
Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in den Küchen wider, wo »Spitzenköche vorwiegend männlich« sind. Gründe für das Fehlen von Frauen in der Spitzengastronomie sind wahrscheinlich »der raue Umgangston und oftmals auch die sexistische Umgangsform, die dort herrschen«, meint Linda, die selbst bereits einige Praktika in der Gastronomie absolviert hat und jetzt als Unternehmerin die Branche von einer neuen Seite kennenlernt. Dennoch sieht sie die Gastronomie, als einen sehr vielfältigen und abwechslungsreichen Arbeitsplatz mit sehr vielen Chancen, gerade für junge Menschen. Die Arbeit in der Branche macht in einem »coolen, starken Team richtig viel Spaß«, berichtet sie aus Erfahrung.
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Was Linda auch beobachtet: »Junge Frauen unterschätzen sich und ihre Leistung meistens. Während sich ihre männlichen Kollegen eher überschätzen und in den Servicestufen aufsteigen möchten, sind weibliche Mitarbeiterinnen eher zurückhaltend, was den Aufstieg in die nächste Stufe und Gehaltsklasse betrifft.« Woran das liegen könnte? »Frauen wirken schnell frech oder denken es zu wirken, wenn sie Dinge fordern«, sagt Linda. Das lässt sich womöglich auf gesellschaftliche Strukturen zurückführen, in denen junge Frauen aufwachsen.
Sie selbst ist eine junge, zielstrebige Frau die ihren Beruf mit sehr viel Engagement ausübt und gerne Ideen in die Tat umsetzt. Im Jahr 2023 wurde Linda Lorenzoni für ihr innovatives Start-up von Falstaff ausgezeichnet. Frauen, vor allem junge Frauen, sollen sich »mehr trauen, weniger auf die Meinung anderer hören und gute Ideen wie das für ein Unternehmen einfach umsetzen«, findet die Salzburgerin. Außerdem fände sie es schön, wenn sich Frauen gegenseitig mehr unterstützen und vernetzen würden und nicht in einem »Konkurrenzkampf« gegeneinander arbeiten, wünscht sich Linda für die Zukunft.

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