10 Jahre »Dizzy’s by Rich«: Kultbar zwischen 80er-Charme und Studententreff
Das »Dizzy’s« hat schon ganz schön viel Geschichte hinter sich: Am 1. April feierte es 10 Jahre unter Richard Wurzers Leitung und nächstes Jahr folgt das 50-jährige Jubiläum. Ein persönlicher Einblick in die Grazer Cocktailbar, Pub und Café.
Wer sich im Grazer Stadtzentrum bewegt, kommt an der Färbergasse 9 kaum vorbei – die rote Markise ist längst zu einem Markenzeichen geworden. Täglich treffen hier unterschiedliche Generationen aufeinander – von der Happy Hour bis zur späten Stunde. Was Richard Wurzer 2016 dazu bewegte, ein Lokal über Willhaben zu erwerben? »Das Dizzy’s ist genau so, wie eine Bar aussehen sollte.« Bunte Tapeten und ominöse Figuren schmücken die Wände, Bar und Tische erzählen von Jahrzehnten gelebter Geschichte. Hier musste viel renoviert werden, denn die Kultbar existiert bereits seit 1977.
Kontinuität ist es auch, die das »Dizzy’s by Rich« auszeichnet: Musik aus den Achtzigern, vertraute Stammgäste und langjährige Mitarbeiter:innen. Seit Jahren gilt die Bar als Treffpunkt mitten im Grazer Stadtzentrum – offen für alle, ob Cocktail-Enthusiast:innen oder Biertrinker:innen. Bei Public Viewings und Geburtstagsfeiern erreicht das Lokal seine lebhafteste Form. Einige von Falstaff ausgezeichnete Barkeeper, unter anderen Alexander Knoll und Oltion Mehmetaj, sammelten hinter dieser Bar ihre ersten Erfahrungen. Auch die Autorin dieses Textes lernte hier, Cocktails zu mixen.
Von der LGBTQ+-Szene zur Grazer Institution
Wer im »Dizzy’s by Rich« arbeitet, kommt nicht an den Geschichten vorbei, die erzählt werden. Nicht selten betreten Gäste die Bar mit dem Wunsch, einen Ort wiederzusehen, den sie seit Jahrzehnten nicht mehr besucht haben. Das Lokal entwickelte sich unter dem ersten Besitzer und Namensgeber »Dizz« zu einem wichtigen Treffpunkt der LGBTQ+-Szene. Jedoch wurde an diesem Ort bereits in den 1960er Jahren getrunken und gefeiert.
Richard Wurzer, »Rich«, war 15 Jahre lang im »Monkeys« tätig, einem festen Bestandteil der Grazer Clubszene, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Viele Gäste und Freunde, die er dort kennenlernte, folgten ihm ins »Dizzy’s«. »Am Anfang habe ich von Sonntag bis Donnerstag allein gearbeitet, nach der Corona-Pandemie war das aber nicht mehr möglich. Am Wochenende waren wir immer schon zu dritt«, erklärt er. Seither erlebt die Bar einen regelrechten Ansturm – verbunden mit einer hohen Nachfrage an Cocktails. Für Richard Wurzer ist klar: Der Erfolg steht und fällt mit dem Team. »Gutes Personal ist entscheidend – es trägt die Qualität, für die wir stehen.«
Das Erfolgsrezept des »Dizzy’s by Rich«
In der Happy Hour, zwischen 17 und 20 Uhr, muss jeder Handgriff sitzen: Wenn das Lokal voll ist, werden fast 100 Gäste im kleinen Lokal, inklusive Gastgarten, versorgt. Die Cocktailkarte wurde in den letzten zehn Jahren kontinuierlich erweitert. Neben einer großen Auswahl an Klassikern nach Charles Schuhmann, der seine Originalrezepte in »Schuhmann's Bar« festhielt, orientiert sich das Angebot stets an Trends und Nachfrage der Gäste. Dennoch erinnern auch die traditionellen Colada-Cocktailgläser an vergangene Zeiten.
Das »Dizzy’s« lebt davon, dass Gäste wissen, was sie erwartet: Ein Abend mit echten Begegnungen und eine musikalische Zeitreise in die achtziger Jahre. In Zukunft setzt man auf Weiterentwicklung: »Man kann immer etwas noch besser machen«, betont Richard Wurzer. Vor zwei Jahren übernahm er das Nebenlokal, die »Färberei« in der Färbergasse 7. In Sachen Cocktails wird auf saisonale Zutaten und kreative Eigenkreationen gesetzt. Die Herausforderung entwickelt sich zunehmend zu einem Erfolg – und wird Rich auch in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.
In diesem Lokal soll sich jeder willkommen fühlen. Nach ein paar Drinks oder dem ein oder anderen Fernet, der Shot des Hauses, ist es nur allzu einfach, einen guten und langen Abend zu verbringen.