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Bethlehemer Küche für die Feiertage

Weihnachten
Kochbuch
Israel

Der Krieg im Nahen Osten hat auch Jesus' Geburtsstätte Bethlehem zugesetzt. Mit seinem Kochbuch »Bethlehem« hat Fadi Kattan der christlich-palästinensischen Stadt eine kulinarische Hommage gewidmet, die in die Welt getragen wird.

In normalen Zeiten würde der französisch-palästinensische Koch Fadi Kattan Besucher durch Bethlehems lokalen Markt führen, sie im Dezember Erdbeeren aus Gaza probieren lassen, Thymian aus Jenin, Sumac aus Hebron. In normalen Zeiten wären die Gassen der Altstadt zur Adventszeit voller Touristen, die in den kleinen Handwerksläden vielleicht Tatriz-Stickereien, aus Perlmutt geschnitzte Kreuze, christliche Figuren aus Olivenholz und Bienenwachskerzen als Souvenirs aus dem Heiligen Land mitnähmen. Vor dem Krippenplatz würde ein großer Weihnachtsbaum aufgestellt, und zur Christmette würden sich die Pilger dicht bis in den Hof der Geburtskirche drängen.

Über zwei Millionen Touristen sind jedes Jahr in die Geburtsstadt Christi gekommen – und viele von ihnen in Kattans Gästehaus und in sein Restaurant »Fawda«. Doch dann kam die Pandemie und nun hält der Krieg viele Besucher fern. Die Straßen sind leer, die eisernen Tore der Geschäfte geschlossen.

Ein Geschmack von Heimat

Chef Fadi ist derweil so etwas wie ein kulinarischer Botschafter Palästinas in der Welt geworden. Er hat gleich zwei Restaurants eröffnet, das »Akub« in London und das »Louf« in Toronto. Mit seinem Kochbuch »Bethlehem«, das im Herbst auch auf Deutsch erschienen ist, hat er seiner Heimatstadt kulinarische Hommage gezeugt. Die englische Erstausgabe war schon im Druck als der Krieg ausbrach, und das Buch erschien in einer Zeit, in der Palästinenser in Gaza hungerten. »Doch meine jüdische Herausgeberin hat insistiert, dass es jetzt umso bedeutsamer ist«, sagt Kattan.

Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 07. Oktober 2023 und dem Ausbruch des Krieges in Gaza leidet vor allem die Zivilbevölkerung in der Küstenenklave. Fast die gesamte Bevölkerung ist nach Angaben internationaler Hilfsorganisationen von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. Und auch im Westjordanland leiden die Menschen, weil Touristen fernbleiben, Arbeitsmigration kaum noch möglich ist, und Blockaden und Siedlergewalt die Bewegungsfreiheit einschränken. Doch Fadi Kattan will mit seiner Arbeit dazu beitragen, der Entmenschlichung von Palästinensern entgegenzuwirken. Auch deswegen will er in der ganzen Welt über unser palästinensisches Essen als Kulturgut sprechen.

»Wir haben eine tief verwurzelte kulinarische Geschichte im Heiligen Land, die auch mit der Geburt Christi verbunden ist. Das Weihnachtswunder hat sich hier zugetragen, darauf sollten wir uns besinnen«, so Kattan. Für Kattans Familie, die aus Jaffa und aus Bethlehem kommt, beginnt die Weihnachtszeit schon Anfang Dezember. In seinem historischen Haus in der Altstadt beginnt er schon in den ersten Dezembertagen, weihnachtliches Früchtebrot nach dem Rezept seiner Großmutter zu backen. Das und viele andere Rezepte aus Bethlehem hat er auch in seinem Kochbuch verewigt.

Fest der Aromen

»Das ganze Haus füllt sich dann mit dem Geruch weihnachtlicher Gewürze, es riecht nach Zimt, Anis, Muskatnuss und Nelken, nach Wärme und Großzügigkeit«, sagt der Koch. Zwanzig Früchtebrote hat er für die ganze Familie gebacken, die erst am Heiligabend ausgepackt und serviert werden. Anschließend geht es mit der ganzen Familie in die Geburtskirche, die nur Minuten von Kattans Haus entfernt ist. Dabei vergisst er auch die Situation seiner Mitmenschen nicht: Fast den ganzen Monat ist er für Buchpräsentationen und Benefiz-Dinner gereist, hat in Genf und London gekocht, um mit den Erlösen Menschen in Gaza zu unterstützen.

Geburtskirche in Bethlehem.
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Geburtskirche in Bethlehem.

Besonders an den Feiertagen denkt Fadi Kattan, der aus einer christlich-palästinensischen Familie stammt, auch an die Christen in Gaza, die seit mehr als einem Jahr zu Hunderten in den zwei alten Kirchen in Gaza-Stadt ausharren und die Feiertage unter prekären Bedingungen begehen müssen. »Wenn wir an palästinensische Essenskultur und christliche Traditionen im Heiligen Land denken, dann müssen wir auch an die Würde unserer Mitmenschen denken«, mahnt Chef Fadi zu den Feiertagen.


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Quynh Tran
Autorin
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