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Rainer Schnaitmann: Sein Trollinger hat nahezu die Tiefe eines Spätburgunders.

Rainer Schnaitmann: Sein Trollinger hat nahezu die Tiefe eines Spätburgunders.
© Arnt Haug

Die Sieger der Trollinger Trophy

Tasting
Deutschland
Weißwein

Dünn, süß und nach Bonbon duftend – so wurde der Name »Trollinger« in den letzten 20 Jahren fast zum Schimpfwort. Doch die Falstaff-Trophy belegt einen Imagewandel: Süffig ist der Trollinger immer noch, aber mit Niveau.

Stellen Sie sich vor, Sie träfen einen alten Freund oder eine alte Freundin wieder, die oder der beim letzten Zusammentreffen vor ein paar Jahren mit Furchen auf der Stirn über das Leben geklagt hat. Und jetzt tritt ihnen dieselbe Person mit Lebensfreude und Selbstvertrauen entgegen. Ist das keine schöne Erfahrung? Genau so ging es der Falstaff-Verkostungsjury beim Wiedersehen mit der Rebsorte Trollinger.

Die letzte umfangreiche Verkostung dieser Sorte liegt genau zehn Jahre zurück. Damals deuteten einige Weine bereits darauf hin, dass Württembergs Winzer neue Ambitionen mit ihrer einstigen Cash Cow verbanden. Doch das Gros der Weine war eher korrekt als begeisternd. Denn der Trollinger beschenkt den Winzer einerseits mit hohen Erträgen, andererseits foltert er ihn mit seiner Empfindlichkeit gegen Mehltau, mit Frostempfindlichkeit und später Reife. Es ist ein Wein, der perfekt ins ökonomische Umfeld der Nachkriegszeit passte, aber Gefahr lief, den Sprung in die Gegenwart zu verpassen.

Doch wie das Falstaff-Team mit großer Freude bemerkt, fließt gerade sehr viel Kreativität in den Umgang mit der Sorte. Sven Ellwanger und Rainer Schnaitmann, die in der Falstaff-Blindprobe – in der Feinwertung nur um Zehntelpunkte getrennt – die Plätze eins und zwei errangen, arbeiten beide mit ganzen Trauben in der Vergärung. Wie bei manch hochkarätigem Burgunder wird also das (zuvor zu perfekter Reife geführte) Stielgerüst mitvergoren! Die Aldingers wiederum lassen mit ihrem ungeschwefelten »sine« die Naturweinbewegung anklingen, dies aber mit der handwerklichen und technischen Perfektion, die man von echten schwäbischen Tüftlern erwartet.

Auch auf den Folgeplätzen findet man wahre Perlen: Die »Black Edition« des Projekts »Wein vom Haigst« stammt von zwei engagierten Quereinsteigern, die ihren Beitrag zum Erhalt der Steilterrassen im Degerlocher Scharrenberg leisten. Das Weingut Warth aus Untertürkheim wiederum punktet mit einem acht Jahre gereiften Trollinger. Und, und, und...

1. Platz

Duftig in der Nase, Rosenblätter, feine Reduktionsnote, Zwetschge, rote Kirsche, Mandeln, Kirschkern, Hibiskusblüten, Zimt. Zeigt im Mund gute Substanz und eine Spannung, die...
Württemberg, Deutschland

2. Platz

Der Duft hat reduktive Noten wie ein moderner Pinot. Dann kommt eine Kirschfrucht in verschiedenen Schattierungen. Der Gaumen macht Druck und spielt dennoch mit Saftigkeit, die...
Württemberg, Deutschland

3. Platz

Ein Hauch von animalischer Würze liegt als Oberton über Kirschfrucht und kräuterwürzigen Noten. Der Gaumen setzt dicht an, zeigt einen sehr ausgewachsenen Gerbstoff, viel...
Württemberg, Deutschland

Sortenprofil


»Tirolinger«

Die Sorte stammt vermutlich aus dem Etschtal und ist heute noch in Südtirol unter dem Namen (großer) Vernatsch (italienisch Schiava grossa) verbreitet.

Weintyp

Da der Trollinger große Beeren mit nur schwach gefärbten Beerenschalen hat, ist die Farbausbeute beim Keltern typischerweise gering. Der Wein indes glänzt im Indealfall mit einer pikanten Kirschfrucht und mit floralen Aromen sowie mit saftiger Eleganz am Gaumen.

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Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 8/2024

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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