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Die Steiermark – ein Skitourenparadies, das sich zwischen den Niederen Tauern, dem Hochschwab- und dem Wechselgebiet aufspannt.

Die Steiermark – ein Skitourenparadies, das sich zwischen den Niederen Tauern, dem Hochschwab- und dem Wechselgebiet aufspannt.
© Steiermark Tourismus / photo-austria.at

Es muss nicht immer Skifahren sein: Ideen für Wintersport in der Steiermark

Winter
Wintersport
Wintererlebnis

Eisklettern, Fatbike oder Biathlon: Falstaff präsentiert die actionreichsten Aktivitäten für alle, denen normaler Pistenzauber zu wenig ist und verrät auch, wo man sich danach kulinarisch stärken kann.

Wie man die Kenner erkennt? Sie sitzen bei der Bergfahrt immer gegen die Fahrtrichtung. Denn egal, auf welchen Skiberg hochgegondelt wird – ob Hauser Kaibling, Schladminger Planai, Hochwurzen oder Reiteralm: Den besten Blick bekommt man, wenn man quasi rückwärts Richtung Gipfel fährt. Dann hat man nämlich freie Sicht auf das Dachsteinmassiv auf der anderen Talseite. Die fast senkrechten Kalksteinwände strahlen majestätisch herüber – und wenig später vom Handybildschirm. Ein Foto­motiv, das fast keiner auslässt, den die Gipfelbahn oben auf der Hochwurzen »ausspuckt«. Das eigentliche Abenteuer beginnt aber auf der anderen Seite, zwischen Hochwurzen Hütte und Hochwurzen Alm: Die mit sieben Kilometer längste Rodelbahn der Steiermark startet von hier aus kurvenreich Richtung Tal. Das mit dem Aussichtgenießen hat sich nach wenigen Fahrsekunden schnell erledigt. Lenken, Bremsen, Überholen, Lachen – man ist ausreichend beschäftigt …

Cool und abenteuerlich 

Ähnliche Vollbeschäftigung, andere Talseite. Die Ruhe, zu der der Instruktor im Langlaufstadion von Ramsau rät, will nicht so recht in den Körper. Gerade ist man noch eine Runde auf der Langlaufloipe dahingehastet, jetzt liegt man schnaufend am Bauch im Schnee und fummelt an einem Gewehr herum. Biathlon nennt sich diese Kombinationssportart, in der zwischen Drama und Triumph oft nur ein Treffer liegt. Zum Zuschauen eine Mordsspannung, zum Selbstausprobieren ein spaßiges Scheitern. Ein Auge ist zugekniffen, das andere hat den kleinen Ring vorne am Gewehrlauf und die Zielscheibe weiter draußen fest im Visier. Nur Arme und Atmung spielen nicht mit. Die aufgestützten Ellenbogen geben zu wenig Stabilität, jedes Mal Luftholen sorgt für ungewünschte ­Bewegung. Der Finger am Abzug zögert, was das Zittern nur noch verstärkt. Trefferquote? Ja eh …

Am nächsten Tag ist eher Ausdauer als Zielsicherheit gefragt. Die Österreichische National-Skitour startet von der Bergstation der Dachstein-Seilbahn auf 2700 Meter Seehöhe, ist 18 Kilometer lang, führt über das Gletscherplateau und vorbei an der »Seethaler Hütte« und der »Simonyhütte« bis nach Obertraun auf der oberösterreichischen Dachsteinseite. Die Rückfahrt zum Ausgangspunkt in Schladming oder Ramsau erfolgt mit vorab organisierten Shuttlebussen. Bei dieser Tour geht es zwar teilweise über präparierte Abschnitte und fast nur bergab, eine Grundportion Kondition kann aufgrund der Höhenlage aber nicht schaden.

Die Tour ist jedenfalls ein gutes Aufwärmen für ein Abenteuer mit einem Sportgerät, das man nicht vorrangig mit Winter in Verbindung bringt: ein Fahrrad. Exakter: ein Mountainbike. Noch exakter: ein Fat­bike. Der Name leitet sich von den Reifen ab, die diesfalls tatsächlich globig-aufgeblasen – also »fett« – sind. Sie erweisen sich aber als ideal für Fahrten auf verschneiten Winterwander- oder Pferdeschlittenwegen, Skipisten oder Rodelabfahrten. Insgesamt 180 Kilometer umfasst das Netz, das die »Alpine Fatbike«-Crew zwischen Dezember und April von der Ramsau am Fuße des Dachsteins bis zur Hochwurzen für Touren anbietet. Darunter sind unter anderem Downhill-Trails, Nachtausfahrten oder Almentouren, beispielsweise E-Motor-unterstützt auf Pferdeschlittenwegen hinauf zur über 400 Jahre alten Hütte auf der »Halseralm«, wo flambierter Kaiser­schmarren die Energiespeicher wieder auftankt.

Fahrradfahren im Winter? Auf Schneewegen? Extrabreite Reifen und ein E-Motor machen Fatbikes zu einer Alternative
zu Pferdekutschen.
© alpinefatbike.com
Fahrradfahren im Winter? Auf Schneewegen? Extrabreite Reifen und ein E-Motor machen Fatbikes zu einer Alternative zu Pferdekutschen.

Genuss und Natur 

Ganz ohne Anspannung und Anstrengung, dafür mit viel Naturgenuss, lässt sich der Winter weiter östlich im Gesäuse ­erleben. Abseits von Skipisten ziehen sich hier Winterwanderwege wie kleine Lebensadern durch die schroffe Gebirgslandschaft. Mit Schneeschuhen geht es durch das wattige Weiß. Bei jedem Schritt stieben die feinen Schneekristalle auf und funkeln im Sonnenlicht. Die Route schlängelt sich hoch über Johnsbach nach oben und gibt Blicke auf die umgebenden Gipfel frei. Wie eine mächtige Krone rahmen Großer Buchstein, Admonter Reichenstein, Großer Ödstein, Hochtor und Lugauer die Kulisse ein. Diese Touren in Österreichs kleinstem Nationalpark sind in enger Abstimmung mit dem Naturschutz erarbeitet und sichern ein faires Auskommen von Flora, Fauna und Wintersport. Wer dabei auch noch Wissenswertes über die richtige Schneeschuhtechnik und Lawinenkunde lernen möchte oder mehr aus erster Hand über die hier lebenden Tiere erfahren will, kann sich für das »Schneeschuh BaseCamp« anmelden oder sich einer geführten Schneeschuhwanderung in Begleitung eines Berufsjägers und Rangers anschließen. Diese inkludiert eine Beobachtung der größten freilebenden Säugetiere Österreichs, der Hirschen.

Während man am Talboden des Gesäuses an der Enns oder Salza erleben kann, was Wildwasser in seiner reinsten Form bedeutet, liefert im Ausseerland die ruhigere See-Variante ein verträumtes Landschaftsidyll. Von Bad Aussee startet die Panoramatour entlang der Traun flussaufwärts zum größten See der Steiermark, dem Grundlsee. Entschließt sich der Winter noch dazu, ein besonders kalter zu werden, stehen hier die Chancen für ein dramatisches Naturschauspiel nicht schlecht. Bei sehr tiefen Temperaturen bildet sich nämlich sogenanntes Spiegeleis. Es begeistert Eisläufer und Spaziergeher nicht nur ob seiner besonderen Klarheit, sondern auch durch eine gruselig anmutende Geräuschkulisse. Liegen Teile des Sees nämlich im Schatten und Teile in der Sonne, kommt es zu Spannungen im Eis. Sie entladen sich lautstark durch grollendes Krachen, Knarren und Quietschen. Einheimische mit Hang zur Naturromantik haben dafür die Bezeichnung »Das Eis singt« im Sprachrepertoire.

Wenn Seen im Ausseeerland »singen«: Die Spannungen der Eisdecke entladen sich durch lautes Krachen und Knirschen.
© Shutterstock
Wenn Seen im Ausseeerland »singen«: Die Spannungen der Eisdecke entladen sich durch lautes Krachen und Knirschen.

Eisige Welten 

Apropos Eis, apropos kalter Winter: Gibt es Zweiteren, kann man Ersteres im Tiefenbachgraben »bekraxlen«. Den Graben zwischen Breitenau am Hochlantsch und der Teichalm zeichnen dank Nordseite und Höhenlage besondere Kühlschrankqualitäten aus. Beste Bedingungen für »Alice«, wie die 18 beziehungsweise 23 Meter hohen Eisfälle genannt werden, die die Naturfreunde zu einer beliebten Adresse für Eiskletterer gemacht haben. Mit viel Liebe, Umsicht und Fachwissen wurde der Eisfall mit Baumstämmen hinterlegt, sodass er den gesamten Winter hindurch eine hervorragende Stabilität aufweist. Das optimal dosierte Wasser wird vor dem Klettern umgeleitet, weshalb einem unangenehm durchnässte Kleidung erspart bleibt. Fix vorhandene Sicherungen erlauben auch Anfängern einen stressfreien Einstieg in die Faszination Eisklettern.

Nicht gefroren, aber dennoch eiskalt präsentiert sich der Lurbach etwas weiter im Süden seinen Wintergästen. Zwar ist man eigentlich wegen der Tropfsteinformationen hier, steht aber trotzdem gerade knietief und in voller Montur im gerade einmal acht Grad »warmen« Wasser. ­»Abenteuertour« nennt sich dieses ­Angebot treffend, das nur während der Wintermonate verfügbar ist, weil da die ­Gefahr von schnell ansteigenden Pegelständen des unterirdischen Bachs durch Regenfälle nicht besteht. So krabbelt und klettert man abseits der üblichen Besucherstege durch die »Lurgrotte«. Der Untergrund wechselt ansatzlos von rutschig auf kantig auf glitschig auf trocken. Gerade noch ein paar Felskanten hinaufgekraxelt, schiebt man sich im nächsten Augenblick durch enge Spalten wieder nach unten. Österreichs größte Tropfsteinhöhle geizt dabei nicht mit spektakulären Gesteinsformationen. Eine schneeweiße Kalksedimentwelle drückt sich von links durch die dunkle Felswand. Von der Decke hängt ein dichter Wald von dünnen bis dicken, stachelartigen Stalaktiten. Dort das Skelett eines Höhlenbären, da eine Fledermausgroßfamilie, die mit ihren zarten Füßen an der Decke klebt und eingehüllt in ihre Flügel Winterschlaf hält.

Es muss nicht immer eine Felswand sein: Klettern auf tiefgefrorenen Eiswänden erfordert Kraft und Technik.
© TVB Oststeiermark / Heinz Topercer
Es muss nicht immer eine Felswand sein: Klettern auf tiefgefrorenen Eiswänden erfordert Kraft und Technik.

Später hängt man selbst in der Luft. Über eine kleine Felskante wartet eine Abseilpassage. Die Lichtkegel der Stirnlampen huschen noch eine Spur nervöser durch die Stockdunkelheit, verfangen sich in einem unterirdischen See. Auch er wird zu Fuß durchquert. Das Wasser drückt den Overall an die Haut und steigt innen wie außen bis über die Knie. Bis über den Nabel. Bis knapp unter die Schultern. Wie man hier die Kenner erkennt? Sie atmen an dieser Stelle tief und ruhig. Schnappatmung und unterdrücktes Schreien bringt dagegen wenig, wie sich herausstellt. Bevor einen der Berg nach sechs Stunden wieder ausspuckt, noch eine letzte Prüfung: Lampen aus, Griff auf die Schulter des Vordermannes und in völliger Dunkelheit durch kniehohes Wasser einen engen Kanal entlang hinaus in den steirischen Winter.

 

Die besten Restaurants der Steiermark finden Sie hier.

Die beliebtesten Ausflugsziele gibt es hier.

Actionreiche Adressen

Rodelbahn Hochwurzen
Gipfelbahn Hochwurzen

Rohrmoosstraße 218, 8971 Schladming
T: +43 3687 22042, planai.at

WM Langlaufstadion Ramsau
Sportbüro Ramsau

8972 Ramsau am Dachstein
T: +43 3687 81101, ramsausport.com

Österreichische National-Skitour am Dachstein-Gletscher
(Gletscherbahn bis Mai 2024 gesperrt)
Dachstein-Gletscherbahn Ramsau

8972 Ramsau am Dachstein
T: +43 3687 22042, derdachstein.at

Alpine Fatbike

T: +43 676 9367907, alpinefatbike.com

Nationalpark Gesäuse

Weng 2, 8913 Admont
T: +43 3613 2116020, nationalpark-gesaeuse.at

Panoramatour Bad Aussee
Tourismusverband Ausseerland

Salzkammergut
Pratergasse 388, 8990 Bad Aussee
T: +43 3622 540400, ausseerland.at/touren

Tiefenbachgraben, Eisfall Alice
Naturfreunde Breitenau am Hochlantsch

T: +43 699 18703753, naturfreunde-breitenau.at

Lurgrotte Peggau

Lurgrottenstrasse 1/2, 8120 Peggau
T: +43 680 2324281, +43 3127 2580, lurgrotte.com


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Klaus Höfler
Autor
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