Zum Inhalt springen
© Gina Mueller/ CarolineSeidler.com

Essen in Indien: Tipps und Mittel gegen den Dehli-Belly

Indien
Wissenschaft
Kulinarik
Gesundheit
Gesunde Küche

Exotische Früchte, köstliches Streetfood und aufregende Geschmäcker: Reisen in ferne Länder sind nicht zuletzt kulinarisch ein Erlebnis. Damit der Genuss nicht durch Bauchschmerzen und Co. getrübt wird, gilt es aber einige Regeln zu beachten.

Reisen in ferne Länder sind aufregend und bereichernd, sie bergen aber immer auch gewisse Risiken. Ein recht unangenehmes, meist aber harmloses Problem, auf das auch Indien-Urlauber häufig stoßen, sind Krankheiten des Verdauungstrakts, die durch verunreinigtes Essen oder Wasser verursacht werden – umgangssprachlich auch als »Delhi Belly« bekannt. Durchfall-Erkrankungen sind die häufigste Gesundheitsstörung bei Interkontinentalreisenden – gut ein Drittel ist davon betroffen. Das Risiko variiert dabei je nach Destination, Jahreszeit, Herkunftsland, Reisestil und Essverhalten. Verursacht wir die Reisediarrhoe durch Bakterien wie Escherichia coli, Salmonellen, Shigellen und Campylobacter, die häufig durch mangelnde Hygiene in Nahrung und Wasser gelangen.

Eine Erkrankung vermeiden können Reisende daher vor allem durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Diätrichtlinien. Ein bewährter Slogan lautet: »Boil it, cook it, peel it or forget it« – also Wasser und Lebensmittel (ab-)kochen, Früchte und Gemüse schälen oder sie ganz vermeiden. Weitere wichtige Tipps, um Krankheitserregern aus dem Weg zu gehen, finden Sie in der Auflistung unten. Übrigens: Die alte Empfehlung, doch Hochprozentiges vor jeder Mahlzeit einzunehmen, wird vielleicht Spaß machen, wirksam ist das Stamperl vor dem Essen aber nicht. Eine Impfung zum Schutz vor Reisedurchfall gibt es leider auch (noch) nicht.

Im Fall der Fälle

Am häufigsten treten die Verdauungsbeschwerden in der ersten Aufenthaltswoche auf und dauern circa drei bis vier Tage an. Nur wenn die Symptome schwerwiegend sind oder ungewöhnlich lange anhalten, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei der Behandlung sollten Betroffene vor allem auf Rehydrierung, also den Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts, achten. Die WHO empfiehlt zu diesem Zweck eine ORS-Lösung (ORS = Orale Rehydratationslösung). Sie besteht aus 2,6 Gramm Natriumchlorid (Kochsalz), 1,5 Gramm Kaliumchlorid, 2,9 Gramm Natriumcitrat sowie 13,5 Gramm Glukose. Falls Sie diese Bestandteile nicht in der Reiseapotheke mitführen: Die Mischung gibt es in ­Apotheken unter verschiedenen Handelsnamen fertig abgepackt, teils mit Ge­­schmacksstoffen versetzt.

© Gina Müller/caronlineseidler.com

Gerade bei Kindern sollte auf die genaue Zusammensetzung geachtet werden, denn bei ihnen gilt besondere Vorsicht: Während Durchfall für Erwachsene meist eine unangenehme, aber harmlose Erscheinung ist, kann er für Kinder gefährlich sein. Ihr empfindlicherer Organismus kann schnell austrocknen, was lebensbedrohlich werden kann. Zögern Sie auch nicht, mit Ihrem Kind bei schweren Symptomen einen Arzt aufzusuchen.

Was hilft, was nicht?

Völlig ungeeignet zur Behandlung von Durchfallerkrankungen ist das wohl vielen bekannte Duo »Cola und Soletti«, das vor allem viel Zucker enthält. Darüber hinaus werden eine Vielzahl von »Hausmitteln« und nicht antibiotisch wirksamen Medikamenten angeboten wie etwa Probiotika, die den Darm wieder »einrenken« sollen. Gut gemeint, aber leider kaum wirksam. Schnelle Erleichterung im Notfall bieten sogenannte Peristaltikhemmer – beispielsweise Imodium –, die den Darm beruhigen und damit vorübergehend dafür sorgen, dass man sich einigermaßen sicher in der Öffentlichkeit bewegen kann. Diese Mittel dürfen aber nur kurzzeitig angewandt werden, sonst besteht die Möglichkeit ernsthafter Nebenwirkungen. Eine gute Alternative zu den Peristaltikhemmern ist Racecadotril, erhältlich zum Beispiel als Hidrasec.

Das Fazit: Der »Delhi Belly« ist eine lästige, aber meist harmlose Erkrankung. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen und einer guten Vorbereitung kann das Risiko jedoch minimiert werden – so steht einer genussvollen und unbeschwerten Indien-Reise nichts im Wege!

Tipps: Verzichten Sie bei Reisen nach Indien auf:

  • Leitungswasser als Trinkwasser
  • Eiswürfel und Eiscreme, besonders von »fliegenden« Eisverkäufern
  • Salate und rohe Gemüseprodukte
  • Ungeschälte Früchte
  • Rohe Fisch- und Fleischzubereitungen, vor allem von Buffets

Nichts mehr verpassen!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.

Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 7/2024

Zum Magazin

Jetzt bestellen

Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
Mehr zum Thema
1 / 12