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© WienTourismus/Paul Bauer

Opernball 2026: Die Stars des Ballabends

Opernball
Ballsaison
Wien

Zum 68. Mal bildet der Wiener Opernball den glanzvollen Höhepunkt der diesjährigen Ballsaison. Bei der Eröffnung treten weltweit
gefeierte Künstler:innen auf, die diesem Abend einen besonderen Zauber verleihen.

Pretty Yende - Sopran

Pretty Yende, in Südafrika geboren, fand ihren Weg zur Oper beinahe zufällig. »Was meinen Weg geprägt hat, waren Momente des Muts – Entscheidungen für Zuversicht statt für die Angst«, sagt sie rückblickend. Diese Haltung hat sie von den ersten Wettbewerben bis auf die größten Bühnen der Welt getragen. Nach ihrem Debüt als Micaëla in Carmen am Lettischen Nationaltheater folgte eine internationale Karriere von außergewöhnlicher Dichte: Royal Opera House, Opéra national de Paris, Metropolitan Opera, Carnegie Hall, La Scala, Staatsoper Berlin, Bayerische Staatsoper, Wiener Staatsoper, Zürich, Barcelona – kaum ein bedeutendes Haus, an dem Pretty Yende nicht gesungen hat.

Ihr Erfolg basiert nicht nur auf der besonderen Virtuosität ihrer Stimme: »In der Oper geht es nicht um Perfektion«, sagt sie, »Oper handelt von Menschlichkeit, Verletzlichkeit und Emotion.« Es ist diese emotionale Offenheit, die viele an ihr so lieben. Wien nimmt in ihrem künstlerischen Leben eine besondere Stellung ein. »Wien hat sich für mich immer wie ein Ort musikalischer Wahrheit angefühlt. Diese Stadt hört genau hin, hier zu singen, drängt mich zu Ehrlichkeit, Verfeinerung und emotionaler Klarheit.« Dass sie den Opernball 2026 musikalisch mit eröffnen wird, empfindet sie als tief bewegend: »Beim Opernball aufzutreten, fühlt sich an, als stünde ich an der Schnittstelle von Vergangenheit und Gegenwart.«

Es ist ein Moment der Dankbarkeit »für das Mädchen, das einst aus der Ferne träumte, und für die Frau, die nun ihre Stimme einem der ikonischsten kulturellen Rituale der Welt schenken darf«, sagt die Künstlerin. An ihrer Seite steht Benjamin Bernheim, mit dem sie bereits bei der Wiedereröffnung von Notre Dame gesungen hat. »Für mich war das gemeinsame Singen von ›Amazing Grace‹ ein Moment, in dem Musik über das reine Aufführen hinausging und zu Gebet, Erinnerung und Hoffnung wurde. Benjamins und meine Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Respekt, aufmerksamem Zuhören und einer gemeinsamen Hingabe, der Musik zu dienen.«

Beim Opernball werden die beiden Künstler gemeinsam »Tonight« aus dem Musical West Side Story singen. Für Pretty Yende nichts Ungewöhnliches: Ihr Repertoire zieht sich durch viele Stilrichtungen. Dabei wechselt sie mit Sorgfalt und Bedacht von einem Fach ins nächste: »Ich höre sehr genau hin, in welcher Lebensphase ich mich stimmlich gerade befinde, und versuche niemals, meine Stimme in eine Kategorie zu zwingen«, sagt sie. »Vielfalt ist bereichernd, doch die Weisheit liegt darin zu wissen, wann es Zeit ist zu ruhen.« Was Pretty Yende ihrem Publikum schenken möchte, fasst sie in einem einfachen Wunsch zusammen: »Ich hoffe, dass die Menschen etwas Echtes empfinden.« Wenn Musik berührt, tröstet und erhebt, wenn sich jemand gesehen fühlt, »dann hat die Musik ihre Aufgabe erfüllt«.


Andreas Spörri

Dirigent des Wiener Opernball-Orchesters

Der Schweizer steht heuer bereits zum 12. Mal am Pult beim Opernball. Der international tätige Dirigent ist Gründer mehrerer Festivals und Wettbewerbe. Das Wiener Opernball-Orchester begleitet etwa den Einzug der Debütant:innen und natürlich den Donauwalzer von Johann Strauss (Sohn), der zum traditionellen »Alles Walzer!« gespielt wird.


Blumen als Stargäste

Doll's Blumen verzaubert die Ballbesucher:innen

Erneut werden viele fleißige Helfer:innen die Wiener Staatsoper mit aufwendigem Blumenschmuck dekorieren. Dafür verwendet Doll’s Blumen heuer üppige Rottöne und dunkelviolette Akzente von »Red Naomi Futura«-Rosen, Amaranthus, Hortensien, Orchideen, Clematis, Ranunkeln und vielen anderen. 40.000 Blumen werden arrangiert, über 300.000 Blütenblätter händisch aufgefächert.

Pablo Heras-Casado

Dirigent der Wiener Staatsoper

Der spanische Dirigent leitet das Orchester der Wiener Staatsoper (siehe auch Interview auf der letzten Seite). Neben Werken von Verdi und Schostakowitsch werden erstmals bei der Eröffnung auch Broadway-Stücke aufgeführt: »Maria« und »Tonight« aus dem berühmten Musical West Side Story von Leonard Bernstein. Seine Botschaft von Toleranz und Liebe ist gerade in diesem Jahr für Gäste und Künstler bedeutsam.


Das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Unter der Leitung von Markus Henn

Auch das Bühnenorchester ist bei der Gestaltung des Opernballs im Einsatz. Es ist das Orchester der neuen Staatsopern-Spielstätte im »NEST«, spielt u. a. die Bühnenmusiken auf der Hauptbühne, sowie Kinderopern und bei verschiedenen internationalen Festivals.

Benjamin Bernheim

Benjamin Bernheim zählt zu den Künstlern, deren Präsenz eine besondere Erwartung erzeugt. Die »Süddeutsche Zeitung« bezeichnete ihn mal als »die schönste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti«. Seine Superkraft ist die seltene Balance zwischen stimmlicher Strahlkraft, stilistischer Eleganz und einer starken Nähe zum Wort: Bernheim meint, was er singt, und das kommt bis zur letzten Reihe bei den Zuschauer:innen an. Für Bernheim ist Oper ein umfassendes kulturelles Ereignis. »Es geht nicht nur um Gesang«, sagt er. »Jedes Opernhaus ist eine Institution aus Stein, die über Jahrhunderte hinweg Komponisten, Dirigenten und Sänger getragen hat.« Diese Perspektive verleiht seinen Auftritten eine besondere Tiefe: Sie stehen nicht für den Moment allein, sondern für eine Tradition, die weitergetragen wird von Generation zu Generation.

Der Wiener Opernball, bei dem Benjamin Bernheim 2026 gemeinsam mit Pretty Yende unter der Leitung von Dirigent Pablo Heras-Casado singt, verkörpert für ihn diese Verbindung von Kunst, Ritual und Gesellschaft in besonderer Weise. »Beim Opernball zu singen, hat eine ganz eigene Magie«, sagt er. »Man erlebt an diesem Abend, wie ein ganzes Opernhaus lebendig wird: Alle Ebenen – Mitarbeiter, Orchester, Techniker – sind Teil dieses Abends und dieses einzigartigen Erlebnisses.« Zugleich versteht Bernheim den Opernball als bewusst gepflegtes gesellschaftliches Ritual: »Wer auf einen Ball geht, wählt ganz bewusst Kleidung und Schmuck und geht vorher zum Friseur.« Diese Vorbereitung ist für ihn Ausdruck von Respekt gegenüber der Kunst, dem Anlass und den Menschen, denen man begegnet. Besonders hebt er die Debütant:innen hervor, deren feierlicher Auftritt an alte Übergangsriten erinnert. Der Opernball bewahre diese Tradition und mache sie in zeitgemäßer Form erlebbar.

»Traditionen sind etwas Heiliges, weil sie Familien und Freunde verbinden«, sagt Bernheim. Gerade in einer Zeit beschleunigter Kommunikation und digitaler Distanz komme solchen Abenden besondere Bedeutung zu. »Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil Menschen einander brauchen.« Der Opernball wird so zu einem Ort realer Begegnung – festlich, offen und verbindend.

Wien nimmt für Bernheim, der bereits viele Male an der Wiener Staatsoper gesungen hat, eine herausgehobene Stellung ein. »Ich fühle mich in Wien als Künstler zu Hause«, sagt er. Die außergewöhnliche Dichte musikalischer Institutionen und die selbstverständliche Präsenz klassischer Musik prägen die Atmosphäre dieser Stadt. »Wenn ich erzähle, dass ich an der Wiener Staatsoper singe, reagieren die Menschen mit ehrlicher Freude und Respekt – nicht mir persönlich gegenüber, sondern der Oper an sich.« Für Bernheim ist Wien daher nicht nur Bühne, sondern kultureller Resonanzraum: »Für uns Künstler ist Wien eine wirklich heilige Stadt.« So ist sein Auftritt beim Opernball 2026 mehr als ein musikalischer Auftakt. Er steht für die Feier der Oper selbst – als Kunstform, als Tradition und als lebendiger Teil einer Gesellschaft, die sich an diesem Abend im Glanz der Musik versammelt.

Das Wiener Staatsballett

Das Wiener Staatsballett zählt zu den traditionsreichsten und renommiertesten Tanzinstitutionen der Welt und ist als eigenständige Arbeitsgemeinschaft in der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien zu Hause. Seit der Spielzeit 2025/26 ist die Primaballerina assoluta Alessandra Ferri Ballettdirektorin des Wiener Staatsballetts (siehe Porträt ab Seite 62). Als Künstlerin von weltweiter Strahlkraft versteht sie die Compagnie als ein international sichtbares, tief in der Tradition verwurzeltes und zugleich zukunftsorientiertes Ballettensemble, das das klassische Ballett im Heute manifestiert und in seiner gesamten Bandbreite abbildet.

Auf beiden Bühnen sowie auf internationalen Gastspielen zeigt das 101 Tänzer:innen umfassende Ensemble ein reiches vielseitiges Repertoire – von den großen abendfüllenden Klassikern über stilprägende Meisterwerke bedeutender Choreografinnen und Choreografen bis zu zeitgenössischen Ballettkreationen. Darüber hinaus gestaltet es in den Opern-, Operetten- und Musicalvorstellungen seiner beiden Heimatbühnen sowie beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und beim Opernball der Wiener Staatsoper die Tanzeinlagen.


Jessica Lang

Choreografin des Wiener Staatsballetts

Jessica Lang ist eine amerikanische Regisseurin und Choreografin mit Sitz in New York City. Sie ist Resident Choreographer des Pacific Northwest Ballet und Artist in Residence beim Sarasota Ballet. Seit 1999 hat Lang mehr als 100 Werke für renommierte Compagnien geschaffen, darunter das American Ballet Theatre, Royal Ballet London, Alvin Ailey American Dance Theater, Birmingham Royal Ballet, National Ballet of Japan und ihre eigene Compagnie Jessica Lang Dance.

Für die Oper inszenierte und choreografierte sie Stabat Mater für Glimmerglass und das White Light Festival des Lincoln Centers. Sie choreografierte neue Produktionen von Aida für die San Francisco Opera, Washington National Opera, Seattle Opera, LA Opera, Lyric Opera of Chicago sowie Salome für die Des Moines Metro Opera. Weiterhin arbeitete sie für das Kennedy Center mit dem National Symphony Orchestra, das Harris Theater und die Chicago Architecture Biennial, das Dallas Museum of Art und das Guggenheim Museum für die Reihe Works and Process.

Im Modebereich war Lang als Bewegungsberaterin für die Pre-Fall-2022-Kollektion von Carolina Herrera tätig. Lang ist Preisträgerin des Bessie Award, Arison Award, Martha Hill Award und erhielt Stipendien am NY City Center und am NYU Center for Ballet. Sie ist Absolventin der Juilliard School und ehemaliges Mitglied von Twyla Tharps Compagnie.

Mit ihrer Kreation für die Eröffnung des 68. Wiener Opernballs gibt sie ihr Wien-Debüt. Im Mai 2026 zeigt das Wiener Staatsballett Langs Choreografie Let Me Mingle Tears With Thee im Mehrteiler American Signatures an der Volksoper Wien.


Erschienen in
Falstaff Opernball Special 2026

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Stefanie Hellge
Autorin
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