Preisschock im Einkaufswagen: Wer stoppt die Teuerung?
Während Regierung und Opposition über Preiseingriffe bei Lebensmitteln ringen, wächst die Not in vielen Haushalten: 339.000 Erwachsene können sich nicht jeden zweiten Tag eine Hauptmahlzeit leisten.
Die anhaltend hohe Inflation in Österreich sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen über mögliche Gegenmaßnahmen – insbesondere im Bereich der Lebensmittelpreise. Während Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) Preiseingriffe ins Spiel bringt, äußern sich Experten, Gewerkschaften und Sozialorganisationen unterschiedlich zu den Chancen und Risiken solcher Schritte.
Was ist der Inflationstreiber?
Laut Statistik Austria lag die Inflation im Juli bei 3,5 Prozent. Hauptverantwortlich waren dabei weniger Lebensmittel, sondern vor allem steigende Energiepreise (WIFO). Dennoch sind die Lebensmittelkosten ein spürbarer Belastungsfaktor: Zwischen 2019 und 2024 sind die Preise für Grundnahrungsmittel laut Eurostat teils drastisch gestiegen – etwa Mehl um 50 Prozent, Kartoffeln um 42 Prozent und Brot um 31 Prozent.
SPÖ-Klubobmann Philip Kucher wirft der bisherigen Regierung Untätigkeit vor. Während fünf Jahren grüner Regierungsbeteiligung habe es keine einzige konkrete Maßnahme gegen zu hohe Lebensmittelpreise gegeben. Dabei sei längst bekannt, dass österreichische Haushalte pro Jahr im Schnitt rund 1.000 Euro mehr für Lebensmittel ausgeben als in Deutschland – unter anderem, weil dem heimischen Handel höhere Großhandelspreise verrechnet werden.
Anti-Teuerungskommission
Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE unterstützt den Vorstoß des Finanzministers, Preiseingriffe einzuführen. Für Bundesvorsitzenden Reinhold Binder ist klar: »Eine anhaltend hohe Teuerungsrate schwächt Kaufkraft und Wettbewerbsfähigkeit.« Er fordert eine Anti-Teuerungskommission, die Supermarktpreise überwacht und ungerechtfertigten Erhöhungen entgegenwirkt. Besonders problematisch sei, dass sinkende Erzeugerpreise oft nicht an Konsumenten weitergegeben werden, während Handelskonzerne ihre Marktmacht zulasten von Produzenten und Käufern ausnützen.
Mehr Menschen können sich keine Hauptmahlzeit leisten
Abseits der politischen Debatte warnt »Die Tafel Österreich« vor den dramatischen sozialen Folgen der Teuerung. Laut der jüngsten Erhebung »So geht’s uns heute« können sich 339.000 Erwachsene in Österreich nicht jeden zweiten Tag eine Hauptmahlzeit leisten – darunter auch 104.000 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Menschen in absoluter Armut hat sich seit 2021 verdoppelt.
Tafel-Geschäftsführerin Alexandra Gruber kritisiert, dass die derzeit diskutierten Maßnahmen zu spät bei den Betroffenen ankommen. Stattdessen müsse die karitative Lebensmittelweitergabe erleichtert und finanziell unterstützt werden. »In Ländern, in denen die Arbeit der Tafeln gesetzlich gestärkt wird, können deutlich mehr Lebensmittel gerettet und verteilt werden. Österreich hinkt hier stark hinterher.«