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Rum und Ehre

Wie jede andere Spirituose auch, kann Rum in so ziemlich jeder Qualität produziert werden. Es kostet ein wenig Mühe, diese zu unterscheiden.

Spirituosen ist es schwer anzusehen, ob sie es sind, die sich entwickelt haben oder man selbst. Noch vor fünf Jahren haben es nur eingefleischte Liebhaber des Zuckerrohrschnapses nach Miami geschafft, um sich an den Festival-Abfüllungen des Miami Rum Festival zu laben. Da dachte man auch, das German Rum Festival bedürfe des Bar Convents, um genügend Besucher anzulocken. Der Verdacht, dass es hier in den letzten Jahren zu Änderungen kam, liegt nah – und das nicht, weil sich der eigene Fokus von Whisky auf Rum ausgedehnt haben mag, sondern weil lauter darüber gesprochen wird. Doch auch hier ist die Frage nach der Henne und dem Ei nicht so klar.

Silbermedaille für 
Rum an der Theke

Immerhin gibt es Fachleute, die den Markt beobachten und mit Zahlen hantieren können, wie beispielsweise die Weinquelle Lühmann. Und zwar ziemlich konkret: »Die Nachfrage nach Rum steigt seit über 10 Jahren, in den letzten drei Jahren noch stärker. Rum und Rum-Spirituosen werden in den nächsten zwei Jahren Whisky und Gin ablösen«, so Jens Lühmann, Sohn des Geschäftsführers, der Rum übrigens am liebsten in Form eines Daiquiri im Hamburger »Le Lion« zu sich nimmt. Seine Kunden sprechen am besten auf Rum aus spanischsprachigen Ländern an. Jene aus englischsprachigen Ländern wie beispielsweise Jamaika seien allerdings im Kommen, da seine Kunden die geringe Süßung der Spirituose schätzen.

Jens Lühmann von Weinquelle Lühmann, Hamburg
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Jens Lühmann von Weinquelle Lühmann, Hamburg

Auch Markus Altrichter von Old Judge Spirits freut sich, dass Rum nun auch bei den Jüngeren angekommen ist, »sei es der Barkeeper, der Gastronom oder der junge Hobby-Rum-Sammler.« In Österreich hält er Rum derzeit für die zweitwichtigste Spirituose an der Theke, laut ihm scheint Rum den Whisky dort also schon überholt zu haben. Und das ist ein deutlich größerer Schritt als ursprünglich gedacht. Denn dass Ron Zacapa längst kein Geheimtipp mehr ist und man ihn verschenken kann, ohne sich einem ausgeprägten Rum-Hobby verschrieben zu haben, hat sich herumgesprochen. Auch für Altrichter sind die derzeit interessanteste Rum-Regionen die Westindischen Inseln, also die Antillen, die Bahamas und die Turks- und Caicosinseln, unter anderem also auch das bereits erwähnte Jamaika. Deren älteste und durchgehend produzierende Destillerie ist im übrigen Appleton. Seit 230 Jahren verbrennt, vermählt und veredelt man hier Zuckerrohr. Mitunter sind es sogar 22 Jahre, in denen man achtjährigen Rum in den kühlen Lagerhallen aufbewahrt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und hat seinen entsprechenden Preis. Der allerdings bezahlt wird, und das ist neu.

Ambivalente Ansichten

Was Rum-Konsum in der deutschsprachigen Region derart spannend macht, ist doch, dass wir – und das gilt vor allem für die Deutschen – alles gerne selber machen wollen. Das können wir mit Gin ganz einfach, mit Whisky auch, mit Rum allerdings wird es schwierig. Denn was fehlt, ist Zuckerrohr. Diese Problematik lässt sich nicht umschiffen, und was in anderen Segmenten dazu geführt hat, dass wir nachahmen und selbst innovative Hand anlegen, führt in puncto Rum dazu, dass wir neugierig schnuppern, während wir stets wissen, dass wir es nicht besser können und dennoch eine Form der exotischen Anziehung verspüren.

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Dieses Zögern hat es dem Rum lange Zeit schwer gemacht, den Stein beim Rollen gestört, nicht aber verhindert. Rum kommt – das ist nicht mehr abzuwenden, und Lühmann ist keine Einzelstimme, die Rum in Zukunft Whisky und auch den Gin ablösen sieht. Den Schnaps aus Zuckerrohr sieht er zwar nach, aber nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen: »Der Blick auf heimischen Rum lohnt sich eigentlich nicht. Die Nachfrage ist sehr gering, da die Preise zu hoch sind. Deutscher Rum spricht nur wenige Endverbraucher an, da wir kein typisches Zuckerrohr-Land sind«, so Lühmann.

Altrichter hat da eine ziemlich andere Sicht: »Wie man sieht, funktioniert es durchaus in Deutschland – man siehe beispielsweise Revolte Rum. Aber auch in Österreich, wo wir mit unserem Likör Old Judge Spirits Falernum gute Zahlen erreichen, oder der bekannte Schnapsbrenner David Gölles mit seinem Ron Johan – für mich ein absoluter Geheimtipp!« Jetzt nicht mehr. Da wächst doch aber auch kein Zuckerrohr, möge da manch einer einräumen. Stimmt, aber der lässt sich ja importieren. So macht das beispielsweise Señor Rum aus dem Hause Macardo mit Kontakten nach Indien und Nicaragua.

Falstaff Rum Trophy

Die besten Rums der Welt, von Falstaff verkostet und bewertet, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Falstaff Magazins 07/2019.


Erschienen in
Falstaff Nr. 07/2019

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