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Sexismus in der Sterneküche: 70 female chefs aus Großbritannien fordern Gleichberechtigung

Großbritannien
Gastronomie

#MeToo in der Sterneküche: Der britische Sternekoch Jason Atherton entfachte mit seiner Aussage, dass es Sexismus in der Branche »nicht wirklich« gäbe, eine hitzige Diskussion rund um die Machtstrukturen in der Gastronomie.

Es war ein Satz, der Wellen schlug: »I haven't seen any sexism in the kitchen« (»Ich habe in der Küche noch keinen Sexismus gesehen«). Diesen Kommentar machte Jason Atherton, der Sternekoch und Unternehmer, in einem Interview mit der The Times – und löste damit einen Sturm der Empörung aus. Der 53-Jährige, der mit seinen Restaurants wie »City Social« und »Pollen Street Social« Berühmtheit erlangte, wurde von vielen kritisiert, weil er das Problem des Sexismus in der Gastronomie herunterspielte.

Poppy O'Toole, bekannt als die »Queen of Potatoes« und Food-Influencerin mit über einer Million Followern auf Instagram, war eine der lautstärksten Kritikerinnen. »Es ist enttäuschend, einen führenden Mann der Branche zu sehen, der so tut, als ob Sexismus nicht mehr existiere«, schreibt sie dort. O'Toole teilte ihre eigenen traumatischen Erfahrungen aus der Küche – Belästigung, unangemessene Kommentare, körperliche Übergriffe: »Was meine Erfahrungen in der Sterneküche angeht, so hat mir ein Arbeitgeber bei einer öffentlichen Veranstaltung an den Hintern gefasst, mir vor meinem gesamten Team, das geschwiegen hat, gesagt, in welchen sexuellen Stellungen er mich haben möchte, und mir dann außerhalb der Arbeitszeit weiterhin sexuelle Angebote gemacht.« Sie stellt klar: Sexismus ist in der Branche nach wie vor ein großes Problem.

Neben Poppy O'Toole unterzeichneten über 70 Frauen einen offenen Brief, der die Entschlossenheit und die Stimme der Gastronominnen unterstrich. Ihr Appell war klar: Schluss mit dem Schweigen – die Veränderung muss von den führenden Köpfen kommen.

Atherton, der sich rasch für seine missverständliche Bemerkung entschuldigte, versuchte, den Ball flachzuhalten. »Ich habe nicht gesagt, dass es keinen Sexismus gibt, sondern dass ich ihn persönlich nicht erlebt habe«, erklärte er auf Instagram. Atherton verwies darauf, dass ein hoher Prozentsatz seiner Mitarbeiter Frauen seien, und er erklärte, dass Sexismus weder in seinem Team noch in seiner eigenen Sichtweise Platz habe.

Was sich in dieser Auseinandersetzung mal wieder abzeichnet: Die Strukturen scheinen immer noch männlich dominiert, hierarchisch und veraltet zu sein. Professionelle Küchen sind auch heute oftmals noch immer Orte, an denen Macht und Aggression als Führungskompetenz gelten. Und in diesem System bleibt für Frauen oft wenig Platz, um sich zu beweisen, ohne auf eine harte und häufig toxische Arbeitsumgebung zu stoßen. »Es ist nicht so, dass Frauen nicht talentiert sind. Sie sind es, aber sie kommen nicht in die Positionen, die ihnen zustehen«, sagte eine andere Köchin in den sozialen Medien. Nur 26% der Führungskräfte in britischen Gastronomiebetrieben sind Frauen, und die Zahl der weiblichen Chefköche liegt bei erschreckend niedrigen 17%. Das hat nichts mit Können oder Hingabe zu tun. Es ist ein Systemproblem.

Klar, es gibt Fortschritte. Plattformen und Initiativen wie Ladies of Restaurants in Großbritannien oder female chefs in Österreich setzen sich aktiv für mehr Sichtbarkeit und Gerechtigkeit in der Kulinarikbranche ein. Diese Bewegungen setzen wollen Frauen eine Stimme geben – doch Athertons Interview zeigt auch, wie viel Arbeit noch zu tun bleibt. Der Austausch auf sozialen Medien hat gezeigt: Frauen in der Gastronomie haben keine Lust mehr, sich zu verstecken oder zu schweigen. Die nächste Generation von Köchinnen und Gastronomen ist längst dabei, ihre eigenen Regeln zu schreiben. Sie fordern Gleichberechtigung und sind nicht mehr bereit, in einem System zu arbeiten, das sie klein hält. Denn eines ist klar: Die Zeit, über Sexismus hinwegzusehen, ist vorbei.


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Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
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