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Unabkömmlich in der Steiermark zu gekochtem Rindfleisch oder zur klassischen Brettljause, weil köstlich und ein natürlicher Virenkiller: Kren.

Unabkömmlich in der Steiermark zu gekochtem Rindfleisch oder zur klassischen Brettljause, weil köstlich und ein natürlicher Virenkiller: Kren.
© Shutterstock

Steirisches Superfood – von Hetschipetschi bis Tofu

Superfood
Gemüse
Steiermark

Superfood mag sexy und exotisch klingen. Regional geht’s aber auch und steirisch sowieso! Ein Auszug heimischer Genusskraftlackeln von Hetschipetschi bis Tofu.

Ein Leben mit ultimativer Energie – davon träumen viele. Der Wissenschaft und dem menschlichen Körper sei Dank: Nicht nur mittels Biohacking, sondern vor allem durch entsprechende Ernährung können Körper, Geist und Leistungsfähigkeit optimiert werden. Potenzielle Lebenskraft steckt vor allem in Superfoods, die vor wertvollen Nährstoffen, Botenstoffen und Vitaminen strotzen sollen. Diese Mehrwerte lassen sich zum Beispiel in wasserintensiv angebauten Avocados, japanischem Matcha oder Acai-Beeren aus dem Amazonas suchen. Menschen mit konsumierender Nähe-Offensive und zurückhaltendem Fußabdruck hingegen haben längst heimische Superfoods aus der Steiermark für sich entdeckt, die frischer und mit kürzeren Transportwegen in Hofläden offeriert werden und mit wachsamem Auge an kommerziellen Verkaufsstellen aufzuspüren sind.

Bohnen ohne Tradition

Familie Janisch bewirtschaftet in Kroisbach an der Feistritz auf eineinhalb Hektar Edamame, die grüne Sojabohne, die am Land durchaus noch Exotik versprüht, im urbanen Raum aber längst zu den Klassikern beim Japaner zählt. Dort wird sie meist gegart mit Sojasauce, Knoblauch oder – wie im »Restaurant Toshi« in Graz – mit Trüffel gereicht und direkt aus der Hülse gezuzelt. Frische Edamame kommt aus Kroisbach bislang nur im August und September. »2025 möchten wir den Fokus auf frische geschälte Edamame legen und sie auch tiefgekühlt anbieten«, suggeriert Denise Janisch. Immer im Sortiment der Oststeirerin: Edamame geröstet, gehüllt in Schokolade, als Hummus, süß-sauer eingelegt im Glas, und verarbeitet in Bandnudeln.

Noch hat Edamame hierzulande große Konkurrenz in Form der Käferbohne. »Die grüne Sojabohne ist in der Steiermark relativ unbekannt gewesen. Die Vermarktung war anfangs schwierig und hat viel Erklärungen benötigt. Wir haben es gewagt, einiges ausprobiert – von Edamame-Eis bis -Falafel – und bleiben weiterhin dran«, unterstreicht Janisch. Auch Peter Draxler setzt auf Soja. In seiner Bio-Manufaktur in der Südsteiermark produziert er Hoftofu. »Die weiße Sojabohne kommt mit den klimatischen Bedingungen und Böden in unserem Land sehr gut zurecht«, erklärt der ehemalige Schafbauer und Käser. Seine einstige 146-köpfige Herde hat er nach 25 Jahren verkauft und 2023 die ersten Bohnen angesetzt.

»Das Schlachten war mir irgendwann zu viel. Ich habe nach einer landwirtschaftlichen Alternative in der Region gesucht, die ich ethisch gut vertreten kann. Mittlerweile ernähre ich mich selbst großteils vegan«, so der Gamlitzer. Regionale Buschenschenken und Gastronomiebetriebe wie Ruediger Dahlkes Veggie-Retreat-Stätte »TamanGa« schätzen die weiche, samtige Textur des Hof-Tofus fern der Industrie. Zurzeit tüftelt Draxler an Rezepturen für Sojajoghurts mit Früchten vom eigenen Hof, speziellem Tempeh und einem Schokomousse aus Naturtofu. »Ich möchte als Manufaktur bewusst langsam wachsen, um keine Kompromisse eingehen zu müssen«, schickt er ein Mantra mit auf den Weg.

Sperminid-Könige

Vom Veganen zum Käse-Veteranen: Als jüngster Käsemeister Österreichs schrieb Vinzenz Stern bereits 2007 Geschichte. Mittlerweile ist sein »Aichsternhof« in Rohrbach-Steinberg, den er mit seiner Frau Julia führt, beliebte Anlaufstelle für Rohmilch-Fans. Eines seiner Signatur-Produkte ist das Steiermark-Camembert-Herz. Die Grundzutat stammt von den eigenen Kühen. »Von außen riecht der Käse frisch und ein bisschen champignon-artig nach dem weißen Edelschimmel. Im Teig selbst ist der Camembert cremig und vielschichtig. Damit ähnelt er einem originalen Camembert aus Frankreich«, erklären die Sterns. Warum ist Camembert ein Superfood? Reich an Probiotika und Vitamin B6 gilt er als Darm-Schmeichler, liefert viel Protein und belastet unser Kalorienkonto kaum.

Als Gründer der »Senger’s Genussmanufaktur« hat auch Gerald Senger sich der Kultivierung und Produktion hochwertigster lokaler Lebensmittel verschrieben. Der Koch und Ernährungsexperte weiß, was er tut. Nicht erst seit zellverjüngendes Spermidin als Autophagie-Booster in aller Munde ist, stehen die rohen, ölhaltigen Weizenkeime des südsteirischen Betriebs in der Auslage. »Unsere noch nicht gekeimten Keimlinge im Weizenkorn – eigentlich ein Abfallprodukt der Mehlherstellung – stammen zu 100 Prozent aus österreichischer Landwirtschaft, sind frei von Pestiziden bzw. Gentechnik und garantieren frische Rohkostqualität«, verspricht der Unternehmer. Seine Prämisse: unbehandelte Produkte mit der vollen Kraft der heimischen Natur anzubieten. Funktioniert bei Weizenkeimen besonders gut: Sie sind als Könige unter den spermidinhaltigen Lebensmitteln gepriesen. Reich an Proteinen und Vitamin E tragen sie dazu bei, unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Gesunde Wurzelbehandlung

Auch Käferbohne, Kastanie, Kürbis, Kernöl und Kren statten uns mit Superkräften aus. Letzterer neutralisiert nicht nur üppige Schinkenfettränder. Er gilt ob seiner antibakteriellen Wirkung als pflanzliches Antibiotikum. Die Wurzel enthält nämlich doppelt so viel Vitamin C wie eine Zitrone. Ein scharfes Geschäft, das nicht nur rund ums Osterfest floriert, wie Franz Tappauf bestätigt. 95 Prozent des österreichischen Krens wird in der Steiermark angebaut. »Kren will jeden Tag seinen Herrn sehen«, verweist der Landwirt aus Studenzen auf die arbeitsintensive Kulturpflanze. Bis zu 1000 Arbeitsstunden fallen für einen Hektar an. Die Tappaufs sind als Kren-Pioniere bekannt, pflanzen das Wurzelgemüse bereits seit den 70er-Jahren an. Fritz Stibor setzt im Almenland noch einen drauf und packt den Steirischen Kren g.g.A. in Flaschen. Mit »KrenBlem« hat er eine Kren-Spirituose aus steirischen Äpfeln und Biokräutern entwickelt. Seinen »Krenquila« empfiehlt er, statt mit Salz oder Zimt, mit einer Apfelspalte und einem Tupfer Kren zu genießen. Vertical-Farmerin Eszter Simon mag es ebenfalls scharf und kultiviert an der steirisch-südburgenländischen Grenze in einer Indoor-Farm japanischen Meerrettich. Besagtes Wasabi ist als Frischware, als Pulver oder im eigens kreierten Dry Gin erhältlich.

Die Power der Wildrose

Nicole Reiter setzt seit 2021 auf die Kraft der Wildrose. Als erste Hagebuttenbäuerin Österreichs produziert die ehemalige Buchhalterin in Werndorf Hetschipetschi-Köstlichkeiten aller Art. Vom Oxymel über Saucen, Aufstriche, Essig, Senf sowie Müslipralinen, sogenannte Hetschiballs, in vier Geschmacksrichtungen. »Etwa acht Hagebutten decken bereits den Tagesbedarf einer erwachsenen Person an Vitamin C«, so Reiter. Die darin enthaltene Kieselsäure unterstütze die Bildung von neuem Gewebe und regeneriere die Zellen. Das schreit nach Bärenkräften, die Katharina und Fritz Jeitler in Form ihres südoststeirischen Unternehmens »Beerenkräfte« in Flaschen pressen. Hauptdarstellerin ist die Aroniabeere, ein echter Kraftlackel und Immunbooster, um uns vor Erkältungen zu schützen, den Blutdruck zu senken und Zellschäden zu reduzieren. »Wir wollten etwas schaffen, das die Natur wertschätzt und den Zeitgeist trifft.«

Die Adressen

Gemüsebau Janisch
Kroisbach an der F. 76, 8265 Kroisbach an der Feistritz
T: +43 650 5908550
gemuesebau-janisch.at

Sie haben sich im Vulkanland der japanischen Glücksbohne Edamame verschrieben: Denise und Matthias Janisch feiern das vermeintlich Exotische am Acker.

Tappauf
Erbersdorf 6, 8322 Studenzen
T: +43 664 4420761
kren-tappauf.at

Kren und Knoblauch für den Großhandel, Milchprodukte, frisches Obst,
Gemüse und Selchware im Hofladen. Familie Tappauf ist vielseitig. In Sachen Kren sind sie Pioniere.

Hoftofu
Grubtaler Grenzstraße 58, 8462 Gamlitz
T: +43 664 1517691
hoftofu.at

Peter Draxlers Bio-Tofumanufaktur in der Südsteiermark besteht seit 2024. Tofu-Variationen, Aufstriche und auf Anfrage Sojamilch erhältlich.

Aichstern
Rohrbach 80, 8151 Rohrbach-Steinberg
T: +43 664 1304716
aichstern.at

Vinzenz Stern offeriert in seiner Käserei mit angeschlossenem Hofladen und Käseautomaten von Schnittkäse bis Camembert solide Rohmilch-Kreationen.

Senger's
Ludwig-Anzengruber-Straße 34, 8435 Leitring
T: +43 664 75052107
sengers.at

Altes Wissen und Wertschätzung für heimische Rohstoffe bestimmen den Weg von Gerald Senger. Produziert wird von Bärlauchöl über Popcorn-Mais bis Lupinenmehl.

Die steirische Hagebutte
Bundesstraße 150, 8402 Werndorf
T: +43 664 1565384
steirischehagebutte.at

Herbsüße Genüsse von Nicole Reiter, der ersten Hagebuttenbäuerin Österreichs. Ihre Hetschipetschi-Köstlichkeiten reichen von Oxymel bis Müslipralinen.

Beerenkräfte
Berndorf 162, 8324 Kirchberg an der Raab
beerenkraefte.at

Die Aroniabeere gibt die unternehmerische Richtung der Familie Jeitler ganz klar vor: Naturnah im Saft und Gin ist sie in Bio-Qualität stets die Hauptakteurin.


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Erschienen in
Steiermark Special 2024

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Tina Veit-Fuchs
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