Trinkgeld-Diskussion bei der WM: Gastronomie kämpft mit internationalen Gästen
Volle Restaurants, ausgebuchte Bars – die Weltmeisterschaft bringt den Gastgeberstädten beste Umsätze. Doch ausgerechnet beim Bezahlen prallen Kulturen aufeinander. Nun ziehen einige Restaurants ihre Konsequenzen.
Die Fußball-Weltmeisterschaft füllt nicht nur die Stadien in Nordamerika, sondern auch Restaurants, Bars und Pubs. Für viele Gastronomiebetriebe bedeutet das Hochbetrieb. Hinter den Kulissen wächst jedoch ein Problem, das mit Fußball wenig zu tun hat: Internationale Gäste lassen häufig deutlich weniger Trinkgeld zurück, als es in den USA üblich ist – mit direkten Folgen für das Servicepersonal.
Während in vielen europäischen Ländern Trinkgeld als freiwillige Geste der Wertschätzung gilt, funktioniert das nordamerikanische System grundlegend anders. Dort ist das sogenannte »Gratuity« ein fester Bestandteil des Einkommens vieler Servicekräfte. Üblich sind Zuschläge zwischen 15 und 20 Prozent.
Gerade während der Weltmeisterschaft treffen deshalb unterschiedliche Erwartungen aufeinander. Viele internationale Besucher:innen orientieren sich an den Gepflogenheiten ihrer Heimat und verzichten auf ein höheres Trinkgeld. Für Kellner:innen kann das spürbare finanzielle Einbußen bedeuten.
Restaurants reagieren mit automatischen Servicegebühren
Um Missverständnisse zu vermeiden, haben zahlreiche Betriebe Konsequenzen gezogen. Restaurants in mehreren WM-Austragungsorten berechnen inzwischen automatisch eine Servicepauschale von 20 Prozent. Auf der Rechnung erscheint diese als »Service Charge« oder »Gratuity« und ersetzt das sonst übliche freiwillige Trinkgeld.
Für Gäste schafft das Klarheit – für das Personal mehr Planungssicherheit. Gleichzeitig soll die Regelung verhindern, dass kulturelle Unterschiede zu finanziellen Nachteilen für die Beschäftigten führen. Ist eine solche Servicegebühr bereits ausgewiesen, müssen Gäste in der Regel kein zusätzliches Trinkgeld mehr geben – es sei denn, sie möchten den Service darüber hinaus besonders honorieren.
Verständnis statt Vorwürfe
Viele Gastronom:innen sehen das Problem weniger in mangelnder Großzügigkeit als in fehlendem Wissen. Anne Calimano, Mitinhaberin des Hurley's Saloon in Manhattan, erklärte gegenüber der New York Post, dass viele Reisende schlicht nicht wüssten, welche Bedeutung Trinkgeld in den USA habe. Das hohe Gästeaufkommen während der WM sei zwar willkommen, gleichzeitig zeige sich aber, wie unterschiedlich Bezahlkulturen weltweit sind.
Ähnliche Erfahrungen schildert auch eine Kellnerin des McCarthy's Pub. Häufig reiche bereits ein kurzer Hinweis auf die lokalen Gepflogenheiten aus. Sobald Gäste verstehen, dass Trinkgeld in den Vereinigten Staaten Teil der Entlohnung ist, würden viele verständnisvoll reagieren und ihr Verhalten anpassen.