Von Glücksrittern, Engelsflügeln und Kokain im Shaker: Die Geschichte des »Pisco Punch«
Der »Pisco Punch« klingt nach Party und Sommer. Doch hinter dem Namen verbirgt sich ein Getränk mit einer überaus wilden Geschichte, die von Goldrausch, Saloons, illegalen Substanzen und einer verlorenen Rezeptur erzählt.
Im Zentrum des »Pisco Punch« steht zunächst einmal sein namensgebender Brand: Pisco, ein klarer Traubenschnaps, der seit dem 16. Jahrhundert in Peru (und später auch in Chile) gebrannt wird. Spanische Kolonisten brachten einst Weinreben nach Südamerika – und was sich nicht gut verkaufte, wurde eben destilliert. Der so entstandene Pisco war kräftig, aromatisch und damit durchaus mixbar. Später, während des kalifornischen Goldrauschs (ab 1849), florierte der amerikanische Handel mit Peru und der Hafen von San Francisco wurde ein wichtiger Umschlagplatz. Zudem kamen hier zahlreiche Glücksritter aus Südamerika an, die der Goldrausch und der Gier nach schnellem Geld angelockt hatten. Mit im Gepäck hatten sie ihren geliebten Pisco.
Da vielen dieser Goldsucher das Glück des schnellen Reichtums jedoch verwehrt blieb, blieb diesen oftmals nichts anderes übrig, als ihren Frust in Alkohol zu ertränken und so führt die Suche nach der Geburtsstätte des »Pisco Punch« direkt durch die Saloon-Tür der Bar »Bank Exchange« in San Francisco. Dort, wo heute die »Transamerica Pyramid« steht, erdachte der Barkeeper Duncan Nicol den »Pisco Punch« und ab 1850 soll er dort zum regelrechten Kult geworden sein. Besucher wie Mark Twain, Rudyard Kipling und unzählige Goldsucher lobten ihn in den höchsten Tönen. Kipling schrieb gar, er sei »zusammengesetzt aus den Spänen von Engelsflügeln, der Herrlichkeit einer tropischen Morgendämmerung, den roten Wolken des Sonnenuntergangs und den Fragmenten verlorener Epen toter Meister.« Zudem erwähnen diverse Quellen eine aufputschende Wirkung des Drinks.
»Lemonade with a surprise«
Das Rezept des Originals wurde indes streng geheim gehalten und Nicol soll den Drink zudem immer außerhalb der Sichtweite der Gäste gemixt haben. Das mag man als Bestätigung der sich hartnäckig haltenden Gerüchte sehen, dass Nicols Rezept nicht nur Pisco, frische Ananas, Zitrus, Zucker und Wasser – sondern auch einen Schuss »Vin Mariani« enthielt, ein damals populärer französischer Wein, dem Kokablätter zugesetzt wurden. Dieses Tonikum war bis ins frühe 20. Jahrhundert legal und wurde von Päpsten und Präsidenten getrunken. Auch versuchte laut Cocktail-Historiker David Wondrich die Polizei von San Francisco 1856 den Konsum des »Pisco Punch« per Erlass auf einen Drink pro Gast und Tag zu beschränken. Ob wirklich Kokain (oder zumindest eine kokainhaltige Zutat) in den ersten »Pisco Punches« landete, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen – aber es erklärt, warum der Drink als »lemonade with a surprise« galt.
Schuld für dieses Stochern im Nebel ist, wie so oft, die amerikanische Prohibition. Mit deren Einsetzen 1919 schloss die »Bank Exchange Bar« und mit ihr verschwand das Originalrezept, denn Duncan Nicol verstarb vor dem Ende des Alkoholverbots und nahm sein Wissen mit ins Grab. Jahrzehntelang galt der »Pisco Punch« daher als verloren. Erst 1973 taucht wieder ein Drink mit diesem Namen auf, als die »The California Historical Society« ein Rezept veröffentlicht, welches angeblich von einem ehemaligen Manager der »Bank Exchange« Bar stammte. Es bestehen aber durchaus Zweifel, ob dies tatsächlich das Originalrezept war, denn es war einem klassischen Pisco Sour sehr ähnlich. Wer sich hingegen an das wahrscheinliche, historische Original annähern möchte und zudem auch gerade keinen kokainhaltigen Wein zur Hand hat, dem sei folgende Rezeptur empfohlen.
Pisco Punch Cocktail
- 6 cl Pisco
- 1,5 cl Lillet Rouge
- 1,5 cl frischer Limettensaft
- 2 cl Zuckersirup
- 5 frische Ananaswürfel
Zubereitung
Die Ananaswürfel in den Shaker geben und mit einem Barstößel zerstoßen. Die restlichen Zutaten und Eiswürfel hinzugeben und alles kräftig shaken. Alles durch ein Teesieb in ein vorgekühltes Glas abseihen und mit einer Orangen- oder Limettenzeste dekorieren.