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© Katharina Schiffl

Wiens Zukunft zwischen Massentourismus und Klimaschutz

Wien
Tourismus

Die Tourismuszahlen wachsen – auf Kosten des Klimas? Wird Wien zu einem Disneyland oder zur verstaubten Museumsstadt? Experten diskutierten im »Hotel InterContinental«, wie die Zukunft aussehen könnte.

Der Tourismus in Wien erlebt ein noch nie da gewesenes Hoch. Die Hotellerie freut sich über Umsatz- und Nächtigungsrekorde – das birgt jedoch auch Gefahren. Muss sich Wien vor einem Massentourismus schützen? Sollten Touristen Eintritt in die Innenstadt zahlen? Wie kann die Stadt zur nachhaltigen Tourismusdestination werden?

Bei einer Podiumsdiskussion im »Hotel InterContinental«, moderiert von Falstaff-Chefredakteur Christoph Schwarz, haben fünf Expertinnen und Experten über die Zukunft des Tourismus gesprochen. Die Aussichten sind gut, gewarnt wird dennoch.

 

Die gute Nachricht zuerst: »Wien hat die Corona-Pandemie vollkommen überwunden. Die Hotellerieumsätze liegen 32 Prozent über dem Wert vom Rekordjahr 2019, die Nächtigungen fünf Prozent«, erklärt WienTourismus-Chef Norbert Kettner.

Sandra Neukart, COO von Österreich Werbung hob die Vielfalt des Städtetourismus hervor: »Von Convention bis Kulinarik, von Rad bis Kultur - der Städtetourismus ist fest mit dem Erfolg Österreichs als Tourismusdestination verbunden.“

»Der Tourismus in Österreich ist eine Erfolgsgeschichte. Wenige Branchen sind so resilient wie der heimische Tourismus. Er hat sich in Krisen immer schnell erholt, darauf konnten wir uns auch in der Vergangenheit immer verlassen«, sagt Susanne Kraus-Winkler, Staatssekretärin für Tourismus.

Unerwartet gute Zahlen – mit einem Hacken

Vorhergesehen hatte man das nicht, ganz im Gegenteil, wie Tourismusforscher Oliver Fritz vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) schildert: »Es ist das Gegenteil unserer Erwartungen eingetreten. Wien steht auch international fast an der Spitze, nur Paris und London haben sich nach der Pandemie noch besser entwickelt.« Einen Hacken gibt es bei all den guten Zahlen dennoch: »Die Menschen geben zwar mehr Geld aus, aber auch die Preise sind gestiegen. Bei den Inflationsbereinigten Umsätzen gibt es also Nachholbedarf.«

Ein »Aber« hat auch Matthias Winkler, Geschäftsführer der Sacher Hotels, einzuwenden: »Ja, der Tourismus ist zurück. Aber die Kosten für Betriebe sind explodiert, der Betreib ist deutlich weniger rentabel geworden. Gleichzeitig hat der Gast das Gefühl, dass er eh schon viel bezahlt.«

Drei problematische Touristen-Hotspots

Die Zahlen werfen auch eine drängende Frage auf: Sind es schon zu viele Touristen, als wir vertragen? Droht ein Overtourism? »Es gibt räumlich und zeitliche Hotspots, zum Beispiel in Hallstatt, der Innenstadt von Salzburg und punktuell auch in der Wachau. Künftig wird es um Lenkung gehen, das wird die größte Herausforderung sein. Unsere Verantwortung liegt darin, Tourismus so zu gestalten, dass Qualität vor Quantität kommt«, erklärt Kraus-Winkler.

Was klar ist: Wien braucht internationale Gäste. Laut Sacher-Chef Winkler müsse man sich überlegen, wo qualitatives Wachstum möglich ist, welches Angebot man schaffen und welche Gäste man anziehen wolle: »Das Potenzial liegt letztendlich in Asien.«

Nicht wie Dubai, aber auch kein Museum

Dass Wien das richtige Angebot hat, findet Kettner: »60 Prozent der Betten sind im 3- und 4-Sterne-Bereich, während der Pandemie erlebte Wien eine Aufwertung. Was man den Gästen aber auch kommunizieren muss: Wien ist nicht Dubai, wir haben keine 24/7 geöffneten Luxus-Shopping-Malls. Wien hat einen kulturellen Luxus.« Das schönste Museum der Welt zu sein, dürfe aber auch nicht das Ziel sein.

»Das Gegenteil von Wachstum ist nicht das Idyll, sondern die sterbende Stadt
Norbert Kettner, WienTourismus

Kritisch sieht er die steigende Popularität der »Degrowth«-Bewegung: »Als wäre das Gegenteil der wachsenden Stadt das romantische Waldvierteldorf. Wachstum muss man gut organisieren, ja, aber das Gegenteil von Wachstum ist nicht das Idyll, sondern die sterbende Stadt

Eine echte Chance für Wien sich zu positionieren und von anderen Städten zu unterscheiden, sieht Winkler beim Thema Nachhaltigkeit: »Es wächst einen Generation heran, die sich gut überlegt, ob und wohin sie fliegt. Wien steht im Wettbewerb mit Warschau, Paris oder Prag – und bei Gleichheit des Angebots werden E-Taxis und der CO2-Abdruck der Hotels ein entscheidendes Verkaufsargument sein.«

»Die Stadt ist kein Vergnügungspark«

Ein Thema, dass auch das Publikum beschäftigt: Wird Wiens Innenstadt zu einem Disneyland für eine zu große Masse an Touristen? Nein, so die vorherrschende Meinung. »Die Stadt ist kein Vergnügungspark, darum darf man auch keinen Eintritt verlangen. Dann würden sich die Menschen noch ärger aufführen – nicht, dass wir in Wien solch ein Problem hätten. Aber der 1. Bezirk war immer schon ein Tollhaus«, erklärt Kettner.

»Ich habe Wien noch nie so schön erlebt, wie jetzt: renovierte Gebäude, offenen Museen, kein Müll auf der Straße. Die Stadt funktioniert.«
Matthias Winkler, Sacher Hotels

Zu bedenken gibt Winkler, dass viele Kleinstbetriebe von Touristen leben. Hier und da gebe es Gedränge, dafür brauche es punktuelle Lösungen: »Ich habe Wien noch nie so schön erlebt, wie jetzt: renovierte Gebäude, offene Museen, kein Müll auf der Straße. Die Stadt funktioniert. Ich halte es für eine gefährliche Diskussion und ein wienerisches Phänomen, dass Gäste, die andere gerne hätten, uns schon zu viel sind.«

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Verena Richter
Chefin vom Dienst
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