Zwischen Retro-Charme und Instagram-Hype: Bachls Kritik des »Rascal«
In der alten Postzentrale in der Wiener Innenstadt sperrte das »Wilde«-Hotel mit »Rascal«-Brasserie auf.
Insta macht’s möglich. Kaum wird in Wien ein chices Lokal aufgesperrt, ist es auch schon zum Bersten voll – so auch beim »Rascal« als Teil des »Wilde Aparthotels« in der alten k. u. k. Hauptpostzentrale. Wie bei vielen Hotel-Eröffnungen setzt man auf den Typ Brasserie und somit Altbewährtes, umgesetzt von Tamas Kiss, vorher im »Seven North« am Herd. Die Tische im hohen, lärmigen Gewölbe sind netterweise locker verteilt. Und das Konzept sorgt für intensiven Kontakt zwischen Service und Gast. Bei Caesar Salad oder Beef Tatar fährt ein Wagen vor – wie bei Möbeln oder Uhren schlägt gerade auch in der Kulinarik der Retro-Trend durch. Wer sich bei den sechs Happen nicht entscheiden kann, nimmt gleich den »Snack-Turm«, auf dem nur die originellen Sauerkraut-Arancini mit Parmesan herausstechen.
Dringende Empfehlung: Thunfisch-Carpaccio mit Chili und Ponzu – Fisch in Sashimi-Qualität, schwungvoll mariniert und der spannendste Punkt der übersichtlichen Karte. Ein netter Gag: der »Spinat & Ricotta Raviolo« – eines von nur sechs Hauptgerichten – ist tatsächlich ein Riesending aus seidigem Teig und mit Zitrone animierend abgeschmeckt. Prädikat »solide« gilt für das Ribeye mit Rotweinsauce und grünem Pfeffer (auch retro) oder die Heilbutt-Tranche im Gemüsesud. Und wenn der Kellner mit einer Schüssel Schokomousse naht, möge man »Say When« sagen im Sinne des Stopps für den Servierlöffel. Dann kommen Olivenöl und Salz zur Schoko ins Spiel – wer das will oder auch nicht, muss auch hier Kommunikation pflegen. Übersetzt heißt »Rascal« übrigens »Schlawiner« oder auch »Frechdachs« – eine Assoziation, die sich vor allem bei der Durchsicht mancher Wein-Preise aufdrängt.