Fine Dining in Wien: Bachls Kritik des »Aend«
Das »aend« ist seit Jahren eines der entspanntesten Spitzenlokale der Nation mit größter Menü-Abwechslung. Alexander Bachls aktuelle Kritik.
Wer einst in typisch österreichischer Manier konstatierte, in der Lage werde Fabian Günzel mit seinem hochklassigen Menü-Konzept nicht lange durchhalten, wird 55 Menüs später eines Besseren belehrt. Seit bald acht Jahren liefert der gebürtige Erfurter im gürtelnahen Teil von Mariahilf eines der spannendsten Essen von Wien. Jede Speisenfolge wird – liebevoll getextet – der Stammklientel ins Postfach gemailt. 16 kulinarischen Ideen zu 250 Euro (bei »klein« um 220 Euro ein paar weniger) kommen in angenehmer Abfolge aus der offenen Küche, immer wieder gesellt sich der Chef an die Tische, um Details zu erläutern.
Etwa, dass er mittlerweile die – ihm punkto Qualität viel zu langsame – Logistik des heimischen Fachhandels in Sachen Meeresfrucht umgeht und per »Overnight-Lieferung« an die frischeste Ware kommt. Etwa beim Langostino aus der Bretagne, kurz über Holzkohle gegrillt, mit schwarzem Kardamom-Öl nappiert und mit eingelegten Tomatillo im bereits verflossenen Menü No. 54 einer der herausstechenden Gänge. Immer dabei: Kaviar. Etwa Shokupan (japanisches Brot) mit Räucheraal, Sauerrahm, Schnittlauch und Ossetra ein Genie-Happen gleich zum Start. Tolle jahrgangstiefe Weinkarte. Entspannte Atmosphäre. Topküche 2.0.