Gin ist out? Das sind die Sommer-Drinks 2026 – laut Barprofis
Mit welchem Drink in der Hand wird 2026 der Sommer genossen? Falstaff hat Barprofis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach ihrer Einschätzung gefragt – und dabei einige überraschende Trends entdeckt.
Jeder Sommer braucht einen Signature-Drink. Mal ist es ein italienischer Aperitif, der plötzlich auf keiner Terrasse fehlen darf (Sarti Spritz). Mal erlebt ein Cocktail-Klassiker ein überraschendes Comeback (Espresso Martini). Und mal landet eine außergewöhnliche Zutat über Nacht in jedem zweiten Glas (Yuzu). Deshalb gilt es auch dieses Jahr zu klären: Welcher wird der It-Drink 2026 sein?
Falstaff hat Profis hinter der Bar nach ihren Prognosen befragt, damit die Menschen vor der Bar wissen, was sie diesen Sommer genießen sollten. Ihre Antworten sind überraschend eindeutig.
Elias Heintz, »Bonvivant« in Berlin
»Ich glaube, der Sommer ist viel weniger erfinderisch, als man denkt. Meist ist nur die Zubereitung anders. Die großen Favoriten bleiben oft dieselben: Gurke, Holunderblüte und Minze sind seit Jahren unangefochten. Neu ist eher die Art der Zubereitung. Statt klassischer Zutaten tauchen dieselben Aromen plötzlich als Shrub, Kombucha oder Wasserkefir auf. Wenn ich mich jedoch auf einen Sommerdrink festlegen müsste, wäre meine Wahl der Cucumber Margarita.
Außerdem wird die Küche immer stärker in die Cocktailentwicklung eingebunden. Regionale Produkte rücken mehr und mehr in den Vordergrund, Kräuter spielen eine immer größere Rolle und viele Bartender arbeiten verstärkt mit alternativen Säurequellen statt ausschließlich mit Zitrone oder Limette. Gleichzeitig verändert sich auch die Spirituosenlandschaft. Tequila erlebt gerade ein echtes Comeback – gefühlt bringt inzwischen jeder Prominente seine eigene Marke auf den Markt. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, beschäftigt sich mit Mezcal. Zudem rutscht die asiatische und insbesondere die japanische Cocktailkultur immer mehr in den Mainstream. Ach ja, und Gin ist out – endlich!«
Berit Glaser, Miranda Bar in Wien
»Ich beobachte eine klare Tendenz zu Low-ABV-Drinks. Das sind alkoholreduzierte Getränke mit deutlich geringerem Alkoholgehalt als klassische Cocktails. Die wilden Reinsauf-Zeiten scheinen aufgrund gesundheitlicher, moralischer und wirtschaftlicher Faktoren vorbei zu sein. Und dennoch: Tequila ist und bleibt (m)eine Lieblings-Sommer-Spirituose. Drinks wie Paloma oder verschiedene Margarita-Interpretationen – ob klassisch, Tommy’s Style oder mit einer würzigen Note und Mezcal – sind in der Miranda vor allem in den Sommermonaten sehr gefragt. Und manche Favoriten bleiben ohnehin zeitlos. Ein ›Lekker Bierchen‹ geht sowieso immer.«
Konstantinos Peristerin, The Alpina Gstaad
»Wenn ich an Sommerdrinks denke, kommen mir als erstes Spritz-Variationen und Highballs in den Sinn – erfrischend, leicht zu trinken und gemacht für lange, genussvolle Momente. Wir servieren unseren Gästen etwa unseren Yellow Spritz mit Limoncello und Yellow Chartreuse oder den Fig Highball mit Rum, Orgeat und Feigenblatt-Soda. Bei den Spirituosen bleibt Agave ein starkes Thema und gewinnt weiterhin an Bedeutung. Insbesondere Tequila und Mezcal stoßen auf großes Interesse. Gäste sind neugieriger geworden und bereit, diese Kategorien auch jenseits klassischer Margarita-Varianten zu entdecken.
Zudem interessieren sich Gäste zunehmend dafür, woher die Zutaten stammen. Deshalb gehören – genauso wie beim Essen – Saisonalität und Regionalität zu den stärksten Entwicklungen in der Barkultur. Und wir spüren auch in unserer Bar, dass Gäste deutlich bewusster mit Alkohol umgehen. Meiner Meinung nach ist die wachsende Bedeutung von Low-ABV- und alkoholfreien Cocktails nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig sind die Erwartungen gestiegen. Wer heute einen alkoholfreien Cocktail bestellt, sucht keine bloße Alternative zu einem Softdrink. Die Gäste erwarten ein Getränk, das den Gaumen fordert und in Struktur sowie Geschmack vollwertig wirkt. Die Zeiten übermäßig süßer, einfacher alkoholfreier Drinks sind aus meiner Sicht vorbei. Stattdessen stehen Komplexität, Balance, Säure und Bitternoten im Fokus. Entscheidend ist, dass sich das Getränk wie ein echtes Cocktail-Erlebnis anfühlt – und nicht wie ein Kompromiss.«
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